Neulich warnte mich ein altgedienter Kollege davor, kritisch über ARD/ZDF-Gebühren zu schreiben, weil ich damit „das Geschäft der Rechten“ besorge. Ein interessantes Argument, dessen Gegenteil richtig ist: Wir liberalen Demokraten erledigen das Geschäft aller Verhaltensauffälligen, wenn wir – aus welchen Gründen auch immer – gar nicht berichten. Eine Debatte kann nie falsch sein, allenfalls ihr Stil, der Gehalt oder die versteckten Absichten. Übrigens kritisiert Sahra Wagenknecht die Öffentlich-Rechtlichen auch.
Ja, man müsste das öffentlich-rechtliche System exakt heute erfinden, da guter unabhängiger Journalismus ein rares Gut ist.
Reformvorschlag eins: sofortiger Verzicht auf Werbung, Sponsoring, Produkt-Placement.
Reformvorschlag zwei: Von den etwa acht Milliarden Euro jährlicher Gebühren geht fast eine halbe Milliarde Euro in die meist komfortablen Ruhestandsbezüge, Tendenz steigend. Jegliche Pensionsansprüche sind daher umgehend auszulagern in eine Bad Bank, ähnlich der Abwicklung des Bergbaus, damit aus Verwaltungsburgen wieder Funkhäuser werden.
Reformvorschlag drei: Sofortiger Aufbau einer europäischen Plattform, auf der jeder Bürger jederzeit unkompliziert alle Beiträge abrufen kann, die je bei einer öffentlich-rechtlichen Anstalt im EU-Raum produziert wurden.
Reformvorschlag vier: Der Auftrag der Sender lautet Information, Bildung, Unterhaltung. In der Realität lautet das Angebot: Show, Sport, Mord. Wir wundern uns, dass die Deutschen ohne nachvollziehbare Gründe immer ängstlicher werden. Könnte es damit zu tun haben, dass die deutsche Fernsehwirklichkeit mit ihrem Krimi- und Katastrophenwahn dazu beiträgt?
Wo ist das gute alte Telekolleg geblieben, das den Bürgern einen verantwortungsvollen Umgang mit Passwörtern beibringt und die grassierenden Verschwörungstheorien pulverisiert, also giftige Mythen mit Fakten kontert? Ist ja schön, wenn sich jeden Sonntag zehn Millionen Menschen vorm „Tatort“ gruseln. Aber 70 Millionen Menschen haben womöglich andere Bedürfnisse.
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