Auch in den letzten Stunden des Jahres wollen wir unserer Mentalität treu bleiben und ordentlich rummosern. Das Umtauschen missglückter Geschenke, verzweifeltes Geraderücken des Haussegens und die dicke Birne vom Sherry helfen allemal, die Laune dauerhaft im Keller zu halten. Reden wir also über Probleme: Feinstaub. Oder Lärm. Oder, ohne Quatsch, Lichtsmog: Weil in der Stadt alles leuchtet, befinden sich unsere Körper im dauernden Alarmzustand, kaum Schlaf möglich. Was noch? Wir alle möchten Hände, Ohren, Augen behalten für ein gelingendes Leben im neuen Jahr.
Würde ein Außerirdischer in der Silvesternacht auf einer beliebigen innerstädtischen Kreuzung Deutschlands seine E-Untertasse zu landen versuchen – aussichtslos. Überall wüstes Geballer. Nichts wie weg, denkt er, da unten toben sich offenbar Irre aus.
Wir nennen es Silvester und betrachten es als Ausweis bürgerlicher Freiheit, weit über 100 Millionen Euro in Feinstaub, Lärm, grelles Licht und bestenfalls Fleischwunden, im schlimmsten Fall aber leere Augenhöhlen zu investieren, darunter womöglich Menschen, die am Tag darauf klagen, dass die Einkünfte zum Leben nicht reichen.
Wie wäre es mit alternativem Knallen?
4500 Tonnen Feinstaub werden in jener Nacht in die Luft geblasen, laut Umweltbundesamt 15 Prozent der jährlichen Menge des gesamten deutschen Autoverkehrs. Ich bin ja kein begabter Rechner, sonst hätte ich nicht Journalist werden müssen; aber kann es sein, dass wir sämtliche schwelenden Fahrverbote ignorieren könnten, wenn wir einfach nur die paar Stunden hirnverbrannter Ballerei unterließen?
Wie wäre es mit alternativem Knallen: Sektkorken machen auch Lärm, Asketen zerdrücken Luftpolsterfolie, die vom Fest reichlich übrig ist oder angeln leere Tetrapaks aus der Gelben Tonne, um sie sorgfältig zu verschließen und dann fröhlich draufzuspringen. Ist genauso sinnlos wie Böllern, aber nachhaltig. Und dann können wir wieder ein ganzes Jahr lang mit gutem Gewissen den SUV durch die Spielstraße jagen.


