Eines der treffendsten deutschen Worte heißt „Produktenttäuschung“, geboren dereinst, als uns das TV-Shopping erschienen ist. Gut gelaunte Menschen strichen im Fernsehen liebevoll über Kunstfaserkleider in der Trendfarbe Lachs, während sie an Schaumwein nippten.

Unsere Fantasie wurde aufs Wildeste angeregt: welch ein Schub für die Partnerschaft, das Selbstwertgefühl, das ganze Leben. Und nur 59,90 Euro, nur heute, nur noch 23 Stück auf Lager. Tage später lag der gelbe Zettel im Briefkasten, was eine knappe Stunde Schlange stehen in der Post bedeutete. Zu Hause vor dem Spiegel der Schock: Der Plastikschlauch riecht, als ob der Lachs schon sehr lange tot ist, und sieht nicht entfernt so elegant aus wie im TV. Produktenttäuschung.

Womit wir beim Weihnachtsmarkt wären. In meiner Fantasie warten da lachende Gesichter von lieben Kollegen, lustige Schneeflocken, herrlich wärmender Glühwein. In der Realität regnet es, der Glühwein schmeckt nach Batteriesäure, die zwei netten Kollegen haben abgesagt. Auch Produktenttäuschung.

Höchste Zeit, den Unfug namens Weihnachtmarkt mit frischem Sinn zu laden. Statt in gelber Weste werde ich mich im Kleid aus dem Teleshopping vorm Kanzleramt anbinden und fordern: nur noch Stände, die von ehrenamtlichen Gruppen aus dem Viertel betrieben werden.

Schmalzbrote von der Altenpflege, Eierlikör von Maltesern, Johannitern, Rotkreuzlern, Punsch von THW und DLRG, Kastanienmännchen von Kitas. Wenn der Glühwein die Magenschleimhaut schon ablöst, dann wenigstens für einen guten Zweck. Und wenn wir unbedingt schon wieder feiern müssen, dann Menschen, die unsere Gesellschaft zusammenhalten.

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