Es war wie im Western. Zwei Männer, jeder die Hand am Colt, jeder Zeit eskalationsbereit. Einer war ich. Und, wie immer, im Recht. Mein Gegner hieß Eddy. Dummerweise fand er, dass er auch im Recht war. So ist das heute: Merz gegen AKK, Bayern gegen Dortmund, Vegan gegen Bratwurst, Eddy gegen mich. Alle im Recht. Es kann nur einen geben. Sonst Weltuntergang. Aufeinanderzugehen, das ist heutzutage ein Zeichen für Charakterschwäche.

Eddy hatte mir geschrieben, dass ich mit meiner Einschätzung des DFB-Präsidenten Grindel völlig daneben läge. Frechheit. Schließlich haben wir Meinungsfreiheit, was gemeinhin mit Meinungshoheit zu übersetzen ist. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder eine eigene, womöglich gar abweichende Meinung hat? Ich antwortete dem uneinsichtigen Eddy mit angemessen reduziertem Charme, dass der DFB-Chef der Martin Schulz des deutschen Fußballs sei und sich gefälligst hinter verdiente Spieler wie den Gelsenkirchener Mesut Özil stellen solle. Eddy keilte zurück. Ich überlegte, eine Shitstorm, eine Online-Petition oder gleich eine Demo anzuzetteln. „#Ichbinmehr“ wäre doch eine schöne Parole.

Es mag Zeichen für eine gemeinsame Formschwankung gewesen sein – aber plötzlich änderte sich der Ton. Eddy machte die ersten Witzchen, ich versuchte mich in ungewohnter Selbstironie. Ich begann diesen Typen zu mögen, obwohl er in zentralen Glaubensfragen schwächelte und nicht mal Fan von Preußen Münster war. Eines Tages duzten wir uns, wie Sportfreunde. Wir wetteten sogar, ich weiß nicht mehr, worum. Eddy gewann.

Ich schickte ihm ein Buch. Er bedankte sich. Ja, wir hätten uns im Zorneseifer die Augen auskratzten können. Aber wir hatten uns für den zivilisierten Weg entschieden. Faszinierend, was alles möglich ist, wenn man vergessene Kulturtechniken wie Gelassenheit, Spaß und Toleranz wiederentdeckt. Neulich schickte Eddy mir ein Autogramm von Uwe Seeler: „Für Hajo“. Ich war gerührt und werde kontern. Aber wie komme ich jetzt an ein Grindel-Autogramm: „Für Eddy“?

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