Wie bitte? Was haben Sie gesagt? Nein danke, ich brauche keine Brille. Der Arm ist lang genug.

Neulich wies mich mein Sohn darauf hin, dass ich Handcreme auf die Zahnbürste schmiere. Ich hatte mich schon über den öligen Film auf den Schneidezähnen gewundert. Dafür strahlen meine Hände auffallend weiß. Warum sind Tubentexte stets hell­graue Miniaturen auf dunkelweißem Grund? Hat der Designer befohlen.

Auch mit dem Hören klappt es wunderbar, weil man ja nie merkt, was man verpasst. Ohnehin denkt das Hirn nach einem Vierteljahrhundert inniger Partnerschaft die Monologe der anderen Seite automatisch mit, dieses gelegentliche: „Pass auf, da vorne bremst einer!“ Nur beim Italiener wird es langsam eintönig. Da Schnörkelschrift an Schummerlicht nicht lesbar ist, bestelle ich eben etwas, das jeder Italiener auf seiner Karte hat. „Schon wieder Salami-Pizza?“, fragt die Chefin, „die magst du doch gar nicht.“ Ich lächle geheimnisvoll und sage sanft: „Brüll doch nicht so.“ Perfekte Tarnung.

Hirnforscher haben herausgefunden, dass Menschen in der zweiten Lebenshälfte ein beachtliches Talent entwickeln, intuitiv jene Lücken zu füllen, die Augen und Ohren bisweilen reißen.

Die „Tatort“-Handlung kann man sich ausdenken

So gerät jeder „Tatort“ mit Til Schweiger zu einer ganz neuen Rätselart. Während der Mime nuschelt, explodiert ja immer gleichzeitig etwas. Ein Fest für kreative Zuschauer: Jeder kann sich seine eigene halbwegs schlüssige Handlung ausdenken. Rein technisch wäre es natürlich möglich, den Ton heute klarer zu liefern als zu Zeiten der Schallplatte. Aber dann wäre ein Film keine Kunst mehr. Erst die Straßenbahn, die exakt im Moment des zentralen Dialogs durchs Bild fährt, sorgt für die Extraportion Authentizität und mithin für den Deutschen Fernsehpreis.

Neulich stand ich vor einem Geschäft mit merkwürdigen Stöpseln, die sich offenbar Prominente wie Mario Adorf, Christoph Waltz und Bill Clinton ins Ohr stopfen. Was mag das sein? Was zum Reinigen der Gehörgänge? Wird ein Rätsel bleiben. Ich konnte die Schilder nicht entziffern.

Mehr Kolumnen von Hajo Schumacher können Sie hier lesen.