Neulich belauschte ich – völlig unabsichtlich, ich schwöre – ein Jungsgespräch. Ein Knabe (nicht unser!) äußerte sich ausgesprochen abfällig über eine ältere Dame aus Osteuropa, die an seiner Schule jene sanitären Anlagen putze, die wiederum jeden Mittag ganz fürchterlich aussähen. „Diesen Job“, so der junge Herr, würde er „niemals im Leben machen.“

Schulklos sind allerorten ein Ärgernis. Besteht womöglich ein Zusammenhang zwischen dem rücksichtslosen Gebrauch und den überheblichen Tönen? Wer Menschen verachtet, die tagtäglich Toiletten schrubben, ist beim Benutzen sanitärer Anlagen vielleicht auch nicht rücksichtsvoll.

Woher auch? Zu Hause wird vielen kleinen Prinzen und Prinzessinnen alles hinterhergewischt, bis die jungen Hochbegabten einen Job bei Google bekommen, wo die Unselbstständigkeit bis in die Rente fortgeführt wird: Massage im Büro, Mittagessen von Praktikanten eingeflößt, abends Party mit geheuerten Sportstudentinnen, wie im Silicon Valley üblich, weil man den Knaben das mühsame Ansprechen ersparen will.

Kleiner Vorschlag zur nächsten Bildungsreform: Warum putzen Schüler ihre Toiletten nicht selber? Nicht als Strafe, sondern als Teil des neuen Schulfachs „Praktische Verantwortung“: Verantwortung für den Zustand des Gebäudes, für Bücher und Material.

Eine Wochenstunde „Praktische Verantwortung“ bei 500 Schülern brächten 75 Arbeitsstunden pro Unterrichtstag, mit erheblichem Kollateralnutzen. Die Heranwachsenden bekämen erstens einen Einblick in den weniger glänzenden Teil der Arbeitswelt. Zweitens würden sie sich dann vielleicht mal hinsetzen oder dieses bislang unbekannte Schrubbgerät benutzen. Schließlich gibt es kein Naturgesetz, demzufolge Toiletten aussehen müssen wie Sau. Drittens könnte man vom gesparten Geld die alte Polin mit dem kaputten Rücken in die verdiente Rente schicken. Und viertens bekäme jeder Schüler eine Idee davon, wie eigenes Verhalten und großes Ganzes zusammenhängen. Verantwortung eben. Davon kann es nie genug geben.

Mehr Kolumnen von Hajo Schumacher: