Ich gönne mir schon das zweite Vollbad heute. Dazwischen gründlich das Auto gewaschen, auf der Straße, damit alle Nachbarn sehen: Wir haben Wasser. Wird ja bestimmt bald rationiert werden.
Diese Hitze kann einfach nicht ohne Katastrophen enden. Finanzkrise, Griechenland, Energiewende, Özil, Blaualgen. Immer geht alles den Bach runter. Diesmal trocknet die Welt aus. Julia Klöckner, retten Sie uns vor dem Trockentod. Erst mal Wasser nachlaufen lassen.
Morgen fliegen wir in eine Stadt. Keine Ahnung, welche. War halt billig. Und mit dem Sechszylinder zum Flughafen. SUVs und Billigstädtetrips sind wie Baden – überflüssig bis unsinnig. Müsste verboten werden. Und genau deswegen so genussvoll. Weil man nicht weiß, wie lange es noch erlaubt ist. Jedes Mal könnte das letzte sein. Unser Freiheitsrest. Man darf ja fast nichts mehr in diesem Land: vom Beckenrand springen, die Meinung sagen, Frauen die Türen aufhalten – alles verboten, von Linken oder Rechten. Beim Verbieten sind sie sich einig.
Ich lasse das Wasser aus der Wanne und denke an die Aale. Die werden bald aussterben. In den Gewässern rund um Brüssel wies eine Studie schon vor zehn Jahren 753 Nanogramm Kokain pro Liter nach, andere europäische Städte sind nicht besser. Da der Drogenkonsum seither nicht weniger geworden ist, bekommen die Aale heutzutage noch eine heftigere Dröhnung. Zumal die Hitze das Wasser verdunsten lässt und den Stoff konzentriert. Die Drogen reichern sich im Fett der Fische an und macht sie hyperaktiv wie Gangsta-Rapper. Auf dem Weg zum Laichen in der Sargassosee verschwimmen sich die Junkie-Aale oder machen vorher schlapp.
Ich bade für die Aalrettung. Denn jede Wanne verdünnt das Abwasser, mein Vollbad ist sozusagen Detox für die Aale. Ich schalte die Waschmaschine an und den Geschirrspüler dazu. Die Balkonpflanzen sind auch seit zwei Stunden nicht mehr gesprengt worden. Ich halte den Schlauch Richtung Straße, einfach so. Vielleicht läuft das Wasser in die Kanalisation und dann zu den Aalen. Ja, die Hitze macht irre. Nicht nur Aale.


