Früher, als alles noch besser war, haben wir Briefmarken gesammelt. Briefe, liebe Kinder, das waren Papierumschläge, in denen Schriftstücke steckten, ausgeliefert von Postboten und bezahlt mit kleinen Aufklebern, eben diesen Briefmarken. Die ließen sich über Wasserdampf ablösen, trocknen und in Alben stecken. Am wertvollsten waren ungebrauchte Marken, postfrisch. Manchmal hat Opa ein vergilbtes Stück aus dem „Deutschen Reich“ beigesteuert. Im „Michel-Katalog“ waren alle Briefmarken der Welt aufgelistet und dazu fantastische Preise, die man bei Sammlern angeblich erzielen konnte.

Turnschuhe und T-Shirts sind die neuen Briefmarken. Neulich erklärte unser Achtklässler, dass er nicht mehr vorhabe, zur Schule zu gehen, weil er in den Onlinehandel mit Sportzeug einzusteigen gedenke, so wie alle Klassenkameraden und angeblich sogar der Religionslehrer. Klar, seit Gott am achten Tag das Internet erschaffen hat, kommt der Weihnachtsmann täglich, im rotgelben Kostüm des Paketboten.

Der Weg zum Reichtum ist simpel. Weil das Massengeschäft mit Plastiktretern und Leibchen an die Grenzen des globalen Kleiderschrankvolumens geraten ist, haben die Hersteller eine perfide Strategie der Kinderveräppelung erdacht. Kleinstauflagen, quasi Sammlerstücke, werden zur besten Schulzeit online versteigert, letzte Woche ein Madonna-T-Shirt im Gegenwert von zwei Monatslöhnen einer Näherin aus Bangladesch. Wer eines der raren Stücke ergattert, verkauft es umgehend an jene Glücklosen weiter, die leer ausgingen, zum Jahresgehalt der Näherin. Nur anziehen darf man die Sachen auf keinen Fall, vergleiche: postfrisch.

Wir werden nun Regalbretter im Wohnzimmer einziehen und eine Klimaanlage einbauen. Die Millionen-Schätze von morgen müssen wie in einem Humidor aufbewahrt werden. Ich könnte die Sammlung um ein historisches Paar „Samba“ bereichern, Baujahr 1987, leider nicht ganz postfrisch. Bald haben wir nichts mehr zum Anziehen. Aber wir werden reich sein.

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