Wäre ich zuletzt eher unregelmäßig auf meiner Planstelle erschienen, hätte meine fröhliche Scheißegal-Haltung mit burgergroßen Kopfhörern illustriert und Minigolf gespielt, während meine Kollegen sich durch die Schicht rackerten – gut möglich, dass der Chef gezürnt hätte und die Kollegen auch. Auf die Er- wäre die Abmahnung gefolgt, dann fristlose Kündigung. Und obendrauf eine Schadenersatzklage, wegen geschäftsschädigenden Verhaltens, weil das Team knurrt und Punkte liegen bleiben.
So läuft’s im richtigen Leben, aber nicht im Paralleluniversum Fußball. Pierre-Emerick Aubameyang, zukünftiger Ex-Stürmer von Borussia Dortmund, verweigert seit Wochen grinsend die Arbeit. Und ein moralversessenes Land guckt gelassen zu, wie ein junger Mann sich aus seinem sachgrundlos befristeten Arbeitsvertrag presst, um im nächsten befristeten Job ein Vielfaches zu verdienen. Aubameyang wiederholt, was vor Jahresfrist Ousmane Dembélé zelebriert hat: demonstratives Missachten von Abmachungen.
Altmodischer Hinweis: Auch im Profi-Fußball gilt, dass der Angestellte seine Kraft in den Dienst des Arbeitgebers zu stellen hat, bis zuletzt. Leon Goretzka scheint sich darum zu bemühen. Dazu später.
Wie soll ich meinen Söhnen Vertragstreue erklären, wenn Superidole uns den Stinkefinger zeigen? Wie kann der BVB den Malochermythos aufrecht halten, wenn der Klub sich derartig demütigen lässt? Warum Produkte von Sponsoren kaufen, die ihre Artisten nicht zurechtweisen? Abmahnung, Kündigung, Schadenersatz – Regeln, die für Mindestlöhner gelten, müssen auch bei Millionären in kurzen Hosen exekutiert werden.
Und was ist mit Goretzka? Das Talent wechselt vertragskonform im Sommer zum FC Bayern; nicht schön für Schalke, aber verständlich von Goretzka. Bitte melden: Wer von uns würde Perspektive und Millionen liegen lassen? Gleichwohl wird der Junge vom eigenen Präsidenten und sogenannten Fans als Verräter beschimpft. Nächste Stufe Ehrenmord?
Wie erkläre ich’s den Kindern? Ist halt Fußball. Da muss das so.


