Den Tag der Amtsübernahme im Roten Rathaus hat sich Michael Müller sicherlich anders gewünscht: Am Montag übernahm der neue Regierende Bürgermeister von Klaus Wowereit, 13 Jahre lang Chef im Roten Rathaus, das Büro, plauderte nett, grinste in die Kameras, ließ sich auch das Geheimfach im Schreibtisch zeigen – und wollte eigentlich einen „Bürotag“ machen.
So hatte Müller es am frühen Morgen im Radio erzählt – Bürotag mit Besprechungen im kleinen Kreis, Terminpläne durchgehen, die nächsten Schritte planen. Doch dann kam alles anders. Es wurde ein Tag des Krisenmanagements.
Der Grund: nun, wieder einmal der BER. Am Mittag, um 14.05 Uhr, ließ BER-Chef Hartmut Mehdorn nämlich eine Pressemitteilung verschicken, in der er seinen Rücktritt zum Juni 2015 angekündigte. Denn aus Gesellschafterkreisen, vor allem wohl von Brandenburg und vom Bund, waren in den Tagen zuvor Meldungen über eine Ablösung Mehdorns lanciert wurden. Es soll sogar schon einen Termin mit einem potenziellen Nachfolger gegeben haben. Es seien „Spekulationen zu meiner Person angestellt“ worden, „die das für mich vertretbare Maß überstiegen“, so Mehdorn. Deshalb höre er auf, auch wenn er seinen Rücktritt bedauere, „da er weder meinem Pflichtbewusstsein noch meinen persönlichen Zielen entspricht“.
Wer kann das nicht verstehen? Mehdorn, 72, braucht beim Pannenprojekt BER das Vertrauen aller drei Gesellschafter. Da nützt es ihm in dieser schwierigen Zeit, wo immer noch nicht klar ist, wie alle Probleme gelöst werden, wenig, wenn zwar Berlin zu ihm steht, Brandenburg und der Bund aber gegen ihn arbeiten.
Mehdorn hat sich nicht nur Freunde gemacht
Sicherlich, Mehdorn hat es in den vergangenen 21 Monaten seinen Auftraggebern nicht leicht gemacht. Dass er kein einfacher Typ ist, das wussten alle, auch der damalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der ihn an den BER holte. Mit seinen Vorschlägen, Tegel offen zu halten oder schon mal einen Probebetrieb am BER zu starten, mit dem langwierigen Verfahren zum Lärmschutz für die Brandenburger, mit der zuletzt verbreiteten Ansicht, für die Verzögerung sei die Genehmigungsbehörde im Kreis Dahme-Spreewald in besonderer Weise verantwortlich – mit alldem hat sich Mehdorn nicht nur Freunde gemacht. Doch ob es so klug war, ihn jetzt zum Aufgeben zu bringen, wo am BER die Umarbeiten endlich beginnen, wo der Aufsichtsrat es sogar wagt, einen BER-Eröffnungstermin im Herbst 2017 zu nennen, das kann man getrost bezweifeln.
Der neue Regierende Bürgermeister Müller plädiert nun für eine interne Lösung, um nicht erneut Zeit zu verlieren. Ein neuer BER-Flughafenchef von außen muss sich ja ab Sommer 2015 erst noch einarbeiten, das kostet wahrscheinlich wieder etliche Monate. So ist Müllers Vorschlag nachvollziehbar, aber noch nicht abgestimmt mit Brandenburg und dem Bund, die eine externe Lösung favorisieren. Wer sich da wohl durchsetzt?
Eines jedenfalls steht fest: So hat sich Michael Müller seine Amtsübernahme nicht vorgestellt.




