BER-Debakel

Erster Gebäudeteil des BER könnte in Betrieb gehen

Zumindest einen kleinen Erfolg gibt es am BER: Der Nordpier wurde von der Bauaufsicht genehmigt und könnte in Betrieb gehen. Ex-Flughafenchef Schwarz stand erneut vor dem Untersuchungsausschuss.

Erster kleiner Fortschritt beim pannengeplagten Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER): Die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald hat am Freitag die Fertigstellung des Piers Nord und des dazugehörigen Wassertanks für die Sprinkleranlage bestätigt. Damit ist der erste Gebäudeteil des BER-Terminals baulich fertiggestellt und könnte sofort in Betrieb gehen.

An dem 350 Meter langen Seitenflügel sollen nach der BER-Eröffnung einmal Billigflieger wie Easyjet und Ryanair ihre Passagiere abfertigen. Der Pier verfügt im Unterschied zum Hauptpier und zum Südpier über keine schwenkbaren Fluggastbrücken, über die die Passagiere vor Wind und Regen geschützt in die Flugzeuge einsteigen können. Statt dessen gibt es sogenannte Walk-Boarding-Positionen für die Maschinen, zu denen die Passagiere laufen müssen. Zudem ist das Gebäude einfacher ausgestattet als die übrigen Terminalteile.

Ursprünglich hatte Flughafenchef Hartmut Mehdorn geplant, den BER-Nordpier im Sommer vorzeitig zu eröffnen, um dort mit bis zu zehn Flugzeugen und 2000 Passagieren am Tag die Abläufe am neuen Flughafen zu erproben. Die Fluggesellschaft Germania, die von Berlin aus Ferienziele vor allem im Mittelmeerraum anfliegt, hatte bereits ihre Bereitschaft erklärt, sich an dem Test zu beteiligen.

Ex-Flughafen Schwarz vor Untersuchungsausschuss

Doch dazu kam es nicht, weil der Flughafen-Aufsichtsrat zusätzliche Millionen nicht bewilligte. Das Geld hätte unter anderem für den Einbau von Check-In-Schaltern und Gepäckbändern ausgegeben werden müssen. Die Absage des Probebetriebs am Nordpier war eine der vielen Niederlagen von Mehdorn, die ihn offenbar zu Wochenbeginn zum Rücktritt vom Chefposten bewegten. Mehdorn hat aber angeboten, bis zum Finden eines Nachfolgers im Amt zu bleiben, längstens jedoch bis zum 30. Juni 2015.

Unterdessen sah sich der frühere Chef der Berliner Flughäfen trotz der geplatzten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens seiner Aufgabe gewachsen. „Ich persönlich habe mich da in keinster Weise überfordert gefühlt“, sagte Rainer Schwarz am Freitag im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Vom BER nach Rostock-Laage

Er verwies darauf, dass seine Aufgabe der Betrieb der bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld war. Der Bau des neuen Großflughafens fiel in den Bereich des Co-Geschäftsführers Manfred Körtgen. Schwarz wurde vor knapp zwei Jahren entlassen. Unterdessen leitet er den Flughafen Rostock-Laage.

Bereits Anfang des Monats hatte Schwarz vor dem Ausschuss ausgesagt und damals die Verantwortung für den Bau des Flughafens von sich gewiesen. „Aus der Geschäftsordnung ergibt sich, dass ich keine Verantwortung für technische Dinge habe im Unternehmen. Schwarz war damals auch nicht Vorsitzender der Geschäftsführung - anders als Hartmut Mehdorn - sondern nur ihr Sprecher.

Schwarz hatte neben Körtgen auch den Architekten und die Projektcontroller angegriffen. Der Ausschuss bescheinigte Schwarz nach der Sitzung ein „skandalös arrogantes“ Auftreten.

Schwarz drückte Umzug in einer Nacht durch

Wie Schwarz am Freitag weiter im Ausschuss sagte, habe man intern erwogen, den BER in mehreren Schritten in Betrieb zu nehmen, um die Risiken zu mindern. Schwarz habe jedoch in der Diskussion im Februar oder März 2012 nach eigenen Angaben darauf bestanden, den Umzug in einer Nacht durchzuziehen.

„Ich habe gesagt: Es gibt kein Zurück“, sagte Schwarz. Anfang Mai wurde die für den 3. Juni geplante Eröffnung dann abgesagt, weil der Flughafen nicht startklar war.

Geplant gewesen war ein Umzug von den bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld in einer Nacht. Dagegen wäre beim sogenannten „soft opening“ erst ein Flughafen umgezogen und nach einer gewissen Betriebszeit am Neubau erst der zweite.

Keine Zeit, mehr Fluglotsen auszubilden

„Als die Leute kurz vor Toresschluss kamen und die Grundsatzfrage stellten, haben ich in der Tat gesagt: Wir haben einen Beschluss und dabei bleibt es“, erinnerte sich Schwarz. Im Frühjahr 2012 hätte die Zeit nicht mehr gereicht, die Fluglotsen auszubilden, die für ein „soft opening“ zusätzlich nötig gewesen wären. Offen ist zudem, ob die Behörden für diese Variante die nötigen baulichen Freigaben gegeben hätten.

Warum die Debatte zu dieser Zeit noch einmal aufkam, sagte Schwarz nicht. Intern war damals aber bekannt, dass es Schwierigkeiten mit der Brandschutzanlage gab. Sie führten letztlich dazu, dass die Eröffnung abgeblasen wurde.