Gartenlust

Komposterde ist wie eine Frühjahrskur für Ihre Beete

Für Gabriella Pape ist der Kompost das Herz des Gartens. Ohne ihn funktioniert nichts. Eine Kompostschicht macht aus schlechtem Boden ein Gartenparadies. Nur auf gekochte Abfälle sollte man verzichten.

Foto: Tina Jordan

Es sieht fast so aus, als ob dies ein schönes und langes Gartenjahr werden würde und, um nicht alle Arbeiten im März/April verrichten zu müssen, sollte man das Beste aus dem milden Wetter machen und beispielsweise Kompost auf die Beete bringen, sofern Sie welchen haben. In meinem eigenen, 80 Quadratmeter großen Garten verzweifle ich gerade an der Platzierung eines Komposthaufens, denn wir haben einen großen Eichenbaum und sehr viel Staudenrückschnitt sowie Organisches aus der Küche, doch so viele versteckte Ecken gibt es auf 80 Quadratmeter nicht.

Also überlegt das Designerherz in mir bereits seit Monaten, wie man einen Komposthaufen so attraktiv gestalten kann, dass er kein Dorn im Auge wird. Bis ich hier zu einem Ergebnis komme, wird wohl fürs Erste eine schlichte Drahtkonstruktion herhalten müssen, denn eines steht fest: Ohne Kompost geht gar nichts. Der Boden in unserem neuen Hinterhofgarten ist nicht nur von Bauschutt, Glas, Dosen und Sonstigem durchsetzt, sondern er ist auch richtig tot. Damit meine ich, dass er keinerlei Lebewesen und Nährstoffe enthält. Also muss Kompost her, damit ich die Beete über die nächsten Jahre aufbauen kann. Kompost ist das Herz des Gartens, ohne ihn funktioniert hier nichts. Dieses Jahr haben wir geschummelt und unserer Chefgärtnerin an der Gartenakademie 15 Schubkarren ihres schönen, gesiebten Komposts abgeschnorrt. Der Garten sieht mit dieser schönen, schwarzen Humusschicht nicht nur viel attraktiver aus, sondern ich fühle förmlich, wie die Zwiebeln darunter jubeln und feiern.

Leider hat Kompost in vielen Stadtgärten in den letzten Jahren immer weniger Beachtung gefunden, und große Mengen an Gartenabfällen wurden der Stadtreinigung übergeben, doch das sollte noch einmal gut überlegt werden. Kompost ersetzt zwar nicht, wie so häufig behauptet, den Einsatz jeglichen Düngers, er trägt aber ganz drastisch zum Erfolg des Gartens bei, indem er unseren oft schlechten Mutterboden mit Millionen von Mikroorganismen anreichert.

Wer Kompost aufträgt, wird sein buntes Gartenwunder erleben

Sie werden sich nun fragen, was diese vielen Viecher wohl so in Ihrem Gartenboden machen, während Sie ahnungslos in der Wohnung sitzen und auf den Frühling warten. Sie graben um, durchlockern den vorhandenen Boden, reichern ihn mit Mineralien an und erhöhen seine Speicherkapazität für Dünger und Wasser. Wer jedes Jahr so etwa drei bis sechs Zentimeter Kompost auf seine Beete bringt, wird sein buntes Gartenwunder erleben, denn der Kompost vermag aus jedem schlechten Boden – ob Lehm oder Sand – ein Paradies zu machen. Wenn wir nicht so sehr damit beschäftigt wären, das Laub und sonstige Vegetation aus dem Garten zu harken, könnten wir uns den ganzen Kompostaufwand sparen, das könnte die Natur auch ohne uns. Da wir aber nicht alle in einem Biotop wohnen möchten, sondern es auch gern ein wenig sauber und ordentlich haben, hilft nur, Kompost aufzusetzen.

Wer hier erfolgreich sein möchte, befolge die gängigsten Tipps. Die Mischung macht’s, also nicht nur Rasenschnitt und Laub, sondern bitte auch Wildkräuter, Stauden- und Gehölzhäcksel und last but not least, Küchenabfälle, aber unbedingt keine gekochten und bitte nur vegetarische. Gekochte Abfälle riechen und locken vierbeinige Mitesser in den Garten.

Gartenschere statt Häcksler

Mit Häcksel meine ich übrigens nicht, dass Sie sich noch so ein lautes Gartengerät zulegen sollen, eine Gartenschere langt. Ich schneide alles mit der Gartenschere auf fünf bis 15 Zentimeter Länge, das verkürzt den Kompostierprozess und reduziert die Kompostmasse.

Wer zu viel großes Astwerk auf den Kompost bringt, wird sich schwer tun, innerhalb von neun bis elf Monaten fertigen Boden zu bekommen. Wer, wie ich, ein hübsches Beet bevorzugt, sollte den Kompost vor dem Auftragen sieben, es gibt eigens dafür konzipierte Kompostsiebe. Wir nutzen diesen Siebprozess vor allem auch dazu, abgelagerten Kuh- oder Pferdemist mit unterzumischen, damit wir keinen Stickstoffdünger zusätzlich aufs Beet bringen müssen. Gönnen Sie sich und Ihrem Garten mal so eine Frühjahrskur, er wird es Ihnen danken und Sie ihm auch, denn Kompostieren ist wesentlich sexier als es sich anhört.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend für die Berliner Morgenpost.