Dies waren wohl die wärmsten Weihnachtstage, die ich seit sehr langer Zeit erlebt habe. Bei milden elf Grad bin ich am zweiten Weihnachtstag zum Bäcker gefahren und habe einen Blick in die Vorgärten unserer Nachbarn geworfen.
Ich bin über die Weihnachtstage in Brüssel und genieße die sehr andere Vorgartenkultur der Belgier. Es ist nicht nur auffallend, was für ein unglaublich interessantes Hecken-Potpourri die Gärten aufweisen, sondern auch, wie sehr sich die Gartengestaltung hier in den letzten zehn Jahren gewandelt hat.
Besonders ins Auge fällt in einem so milden Winter der Umschwung zu ornamentalen Gräsern. Ja, es gibt sogar Vorgärten, die nichts als lustige Büschel aus unterschiedlichen Gräsern aufweisen. Das Ganze ist fast immer umrandet von einer immergrünen Hecke aus Kirschlorbeer, Stechpalme oder Buxus, leider auch viel Thuja. Interessant ist, dass die Hecken oft gestaffelt werden.
Entlang des Fußwegs ist meistens die am höchsten wachsende Heckenpflanze gesetzt, oft Rotbuche oder Kirschlorbeer, dahinter eine Reihe langsamer wachsender, dunkler Eibe und davor eine Reihe kleiner bleibender Buxus. Das Bild sieht zu jeder Jahreszeit anders aus und erinnert an eine Theatertreppe. In vielen Vorgärten wurde in die erste Reihe, entlang des Fußweges auch alle zwei bis drei Meter ein Hochspalierbaum dazwischen gesetzt, damit auch auf höherer Ebene Sichtschutz gegeben ist.
Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie modern und strukturiert hier die Vorgärten gehalten werden, zumal auch in Belgien die Vorgärten nicht gerade die größten Gartenräume sind. Was aber noch mehr auffällt als die sehr beneidenswerte Gestaltung der Hecken, ist die Auswahl der schönen Sträucher in den Vorgärten. Denn bedingt durch die vergleichsweise kleine Fläche sollte man sich die Auswahl gut überlegen und eine Pflanze wählen, die besonders in dieser trüben Jahreszeit besticht.
Und so sieht man es hier nicht selten, dass vor diesem mit dem Lineal geschnittenen Heckentheater eine Zaubernuss (Hamamelis) ihrem wilden Zauber vollen Lauf lassen kann. Gerade in diesem Jahr blühen in dem Garten meiner Schwiegereltern bereits fünf unterschiedliche Hamamelis, und einige der Duftschneebälle, vor allem Viburnum x bodnantense, der sich, wie ich hier gesehen habe, auch als frühblühende Hecke eignet.
Durch die milde Witterung zeigen sich aber noch ganz andere Gartengenossen in Hochform, zum Beispiel die Kätzchen, die sich eigentlich erst so richtig zu Ostern aufraffen, zeigen an dem einen oder anderen geschützten Plätzchen bereits jetzt den Willen, die kleinen weißen Tatzen aus den Kapseln zu strecken. Man möchte sie fast warnen, ihnen sagen, sie sollen sich doch bitte noch ein wenig gedulden, denn ich fürchte, der Schein trügt und die Kälte wird doch noch kommen und all die Bemühungen der Natur bestrafen. Als ich drei Tage vor Weihnachten noch ein paar Zwiebeln im Garten pflanzen wollte, fand ich nicht nur kaum noch Platz in den Beeten, sondern stellte auch fest, dass alle im November gepflanzten Zwiebeln bereits lange Nasen hatten und freudig vor sich hin wuchsen. Na, wenn das man gut geht.
An der Königlichen Gartenakademie zeigten sich vor meiner Abreise bereits die gelben Blütenkätzchen der Gemeinen Haselnuss (Corylus avelana), und auch die Erle (Alnus cordata) machte Anstalten, ihre Blütenkätzchen in den Wind zu hängen. Alles ein wenig früh, aber ich fürchte, die Natur hat keine andere Wahl. Und so bleibt es uns nur zu hoffen, dass all diese mutigen Pflänzchen nicht doch noch ordentlich eins auf die Mütze bekommen. Übrigens: Die Kätzchen der Silberweide, Salix alba, haben mich gestern daran erinnert, dass ja in drei Tagen Silvester ist und dass wir dank dieser Weide seit 1763 daraus ein sehr effektives Kopfschmerzmittel gewinnen, nämlich Aspirin. Ich wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr.





