Ich bin in jedem Jahr gleichermaßen hingerissen von der Fähigkeit einiger Pflanzen, auch unter den kältesten und unangenehmsten Umständen samtweiche Blüten zu produzieren. Und von zwei meiner Favoriten, einem Gehölz und einer Staude, soll heute die Rede sein, nämlich der jetzt bereits blühenden Schneekirsche und den hinreißenden Formen der Christrose. In diesem Jahr hat sich die Schneekirsche (Prunus subhirtella Autumnalis) ganz besonders ins Zeug geworfen. Denn bei uns hat sie bereits am 11. Dezember die ersten zwei kleinen, weiß-blassrosafarbenen Blüten mutig geöffnet – und das ohne Schnee. Seitdem kommen täglich so zwischen drei bis sechs Blüten hinzu, sodass es eine ganze Weile braucht, bis dieser aus Japan stammende Kleinbaum/Großstrauch in voller Blüte ist.
Fantastisch ist, dass viele der früh geöffneten Blüten auf den Rest zu warten scheinen. Dabei hilft ihnen natürlich das kalte Wetter, allerdings kann es passieren, dass bei starkem Frost die offenen Blüten sterben. Dennoch ist es nicht selten, dass dieser vier bis fünf Meter hoch werdende Strauch bis ins Frühjahr blüht. In sehr kalten Jahren legt er zwar im Januar und Februar mal eine kleine Blühpause ein, legt dann aber gerne in den nächsten kalten Monaten nach, lange bevor seine anderen Kirschkollegen überhaupt nur ans Blühen denken. Es ist aus meiner Sicht ein idealer Vorgartenstrauch/Kleinbaum, da man sich den ganzen Winter hindurch an jeder einzelnen Blüte erfreuen kann.
Und dann sind da ja noch die zu dieser Jahreszeit unersetzlichen Christrosen (Helleborus). Nicht wegzudenken sind sie nun aus den Gärten, vor allem aus den Balkonkästen und Trögen vor der Haustür. Ich glaube, dass die Winterhärte dieser sehr zähen Staude von vielen Pflanzenfreunden unterschätzt wird, Christrosen sind nämlich unglaublich belastungsfähig. So stört es vor allem die echte Christrose (Helleborus niger), auch Schneerose oder Nieswurz genannt, überhaupt nicht, die gesamte Weihnachtszeit in einem netten Übertopf vor der Haustür zu stehen, während sich drinnen alle aufwärmen und viel zu viel essen.
Dabei ist zu beachten, wenn das Wetter so ist wie jetzt, also eigentlich zu warm für die Jahreszeit, dann braucht sie auch hin und wieder etwas Wasser. Ansonsten lässt sie die Blüten hängen und verabschiedet sich kurz darauf. Sobald der Boden dann im Frühjahr wieder offen ist, kann die Schneekönigin in den Garten gepflanzt werden. Auch auf dem Balkon brauchen Sie sich keine Sorgen um die kleinen, zierlich erscheinenden Knospen zu machen. Sie sitzen dort unten im Blütenknospennest und warten nur auf den richtigen Moment, aufzublühen.
Manchmal kann man Helleborus ohne Blätter zu dieser Jahreszeit kaufen, die sind dann entfernt worden, damit man die Blüten besser sieht. Ich habe immer etwas Mitleid mit denen, die sehen so nackig aus, und ich stelle mir vor, die frösteln ohne den Blätterschutz. Ich weiß wohl, dass ein Tannenbaum zu Weihnachten unschlagbar ist. Aber ich verspreche Ihnen, dass nichts einen Menschen zu Weihnachten mehr erfreut als eine schön bepflanzte Schale mit der Schneekönigin.
Sie wird Sie durch die Weihnachtszeit und das ganze Kommen und Gehen der nächsten Wochen begleiten. Und wenn Sie dann über Neujahr wegfahren, stört sie das auch nicht sonderlich, sie wird Sie mit neuen Blüten bei der Rückkehr empfangen. Welche Pflanze kann das schon? Ich wünsche ein geruhsames Fest im Kreise von Familie oder Freunden oder beidem.




