Es ist immer eine Freude, ein Restaurant zu erleben, das völlig anders ist, als alle anderen. Gewiss habe ich schon italienische Ristorantes erlebt, wo man weitgehend auf eine Speisekarte verzichtet und der Patron vorträgt, was im Genuss-Angebot ist.

Doch eine Menükarte auf Rädern, das hatte ich vorher noch nie gesehen. Hier, im appetitlichen, aber nicht überkandidelten Restaurant „Don Camillo“ an der Schloßstraße rollen und tragen zwei Servicekräfte die Wagen mit den täglich frisch zubereiteten Gerichten unter einer Folie frisch und hygienisch gehalten zum Gast. Das Haus-Motto der Aktion: „Wir bringen die Küche zum Tisch.“

Kreative Delikatess-Varianten

Bei den Vorspeisen gab es neben den Standards wie Carpaccio oder Vitello tonnato kreative Delikatess-Varianten wie die Mozzarella-Rolle, gefüllt mit Spinat, Ricotta und Geflügel oder das Carpaccio vom Sellerie, köstlich angerichtet, nicht nur für Vegetarier. Beim sogenannten Zwischengang-Wagen waren alle nur denkbaren Pasta-Sorten und -Ausführungen ausgestellt und bei den Hauptgängen wurde allem die Krone aufgesetzt: eine Auswahl von frischen Fischen wie Dorade, St. Pierre und Seezunge. Und natürlich Fleischgerichte wie Osso Bucco oder das prächtig präsentierte Kalbsfilet.

Derartige Ankündigungen und dann die Ausführungen sind häufig zwei grob unterschiedliche Veranstaltungen. Also ran ans Angerichtete. Wie schön, wenn die Erwartung noch übertroffen wird. Zurecht lächelte die bekannte Filmfigur Don Camillo auf dem Foto an der Wand hinter meinem Rücken. Die kleine Vorspeisenzusammenstellung war schon ein Höhepunkt. Das hatte nichts zu tun mit dem Einfach-Italiener an der Ecke. Das Carpaccio vom frischen Wildlachs war durch eine mutige Kräuterkomposition einzigartig delikat. Auch die bereits angesprochene gefüllte Mozzarella-Rolle war großartig, das gilt auch für die verschiedenen Pilzgerichte.

Wie ein Biss ins Meer

Der anschließend servierte Fisch (ich hatte mir eine kleine Auswahl unterschiedlicher Fische zusammenstellen lassen) war so frisch „wie ein Biss ins Meer“. Werbung verspricht bekanntlich oft zu viel. Hier wird bei jeder kleinen Gaumenfreude die Internetwerbung des Restaurants „Morgens um 5 Uhr am Pariser Fischmarkt, abends frisch im ‚Don Camillo‘“ bestätigt. Frischeren Fisch habe ich nie bekommen.

In der Folge stehen 20 Pasta-Sorten auf dem Plan, natürlich Spaghetti und Cannelloni, Makkaroni und Fettuccine, aber individuell zubereitet. Auch hier als unterschiedlichste Genussrollen, stets in Verbindung mit Fleisch, Fisch und Kräutern. Beim Fleisch dominieren die Kalbfleisch-Zubereitungen mit Alkoholika parfümierten Saucen. Beim Fleisch gab es aber auch den einzigen Kritikpunkt bei 99 mal Plus. Die Scheibe Osso Bucco war zwar herzhaft gewürzt, aber viel zu lange gegart und damit total trocken. Positiv sind die kross gebratenen Rosmarinkartoffeln und die naturbelassenen Gemüse als Beilage.

Schön fürs Auge, geschmackvoll für den Gaumen

Die Desserts werden am Tisch zubereitet, schön fürs Auge und geschmackvoll für den Gaumen. Flambieren hat wenig Einfluss auf die Aromen, ist aber immer ein spektakuläres Schauspiel. Die Crêpes mit Orangenfilets und Orangenlikör waren auch bei kritischem Hinsehen perfekt gelungen. Eine echte Neuheit erlebte ich mit hauchdünnen Kartoffelscheiben, die mit Früchten und Fruchtsaucen so eingebunden waren, dass ich sie nie und nimmer identifiziert hätte. Die Desserts sind alle gleich mit neun Euro ausgewiesen. Nicht so preiswert sind die Fischgerichte, alle zwischen 24,50 und 36,50 Euro.

Dagegen sind die Weine besonders kundenfreundlich kalkuliert. Für einen grandiosen sizilianischen Rotwein, eine Assemblage von Merlot und Cabernet Sauvignon musste ich 50 Euro zahlen, die Wein-Liste beginnt schon bei Mitte 20 Euro. Der Service ist einzigartig. Der Chef berät selber, aber auch seine Mitarbeiter sind kompetent und angenehm.

Ich kann nur sagen, das elegant weiß eingedeckte Restaurant, nach dem unkonventionellen Priester als Gegenspieler zum kommunistischen Bürgermeister benannt, ist in jeder Beziehung einen Besuch wert. Ich werde garantiert wieder hingehen.