Gourmetspitzen

"Café am Neuen See" lohnt auch im Winter

Heinz Horrmann besucht das Restaurant von Roland Mary und genießt eine unkomplizierte Küche, die mit regionalen Produkten arbeitet.

Zwei vom „Café am Neuen See“: Geschäftsführer Florian Koch und Servicekraft Alica im Gastraum des Hauses

Zwei vom „Café am Neuen See“: Geschäftsführer Florian Koch und Servicekraft Alica im Gastraum des Hauses

Foto: Joerg Krauthoefer

Frühlingstemperaturen im Spätherbst mit lauen karibischen Abenden wie in der letzten Woche, da sind die oft besungenen Berliner Nächte noch mal so schön. Auch für die überzeugtesten Genussmenschen unter Berlins Restaurant-Gängern sind dann einfache Flammkuchen, Schweinekotelett oder Garnelen vom Holzkohlegrill angesagt.

Die ultimative Empfehlung für die Sommerzeit in der Metropole, um unter freiem Himmel zu genießen, ist das „Café (mit Bistro und Biergarten) am Neuen See“, kurz „Cans“ genannt. Ganz aktuell gibt es kein Saisonende mehr. Nach geschmackvoller Einrichtung und appetitlicher Designgestaltung mit Originalgemälden an den Wänden und Kaminöfen mit prasselndem Feuer hinter Glastüren ist das „Café am Neuen See“ jetzt ein Ganzjahresziel der besonderen Art, mit 160 Plätzen im warmen, kuscheligen Raum.

Und das Essen? Explosionen an kulinarischer Kreativität habe ich hier nicht erwartet, aber gute Speisen zu günstigen Preisen, kundenfreundlich kalkuliert. Auch bei kritischer Betrachtung ist Roland Mary hier eine echte Bereicherung der Gastro-Szene in der Metropole gelungen, die noch ausgebaut werden soll, wenn die notwendigen amtlichen Genehmigungen vorliegen.

Einfach und ohne spektakuläre Ausflüge wird die Pizza aus dem Steinofen serviert, eine der besten in der Stadt, hauchdünn und splitterkross. Davon gibt es allein zehn Ausführungen. Ich bevorzuge die „weiße“ Version mit Lachs, Hummerkrabben, Blattspinat, Salbei, Crème fraîche und Dill. Aus der gleichen Kategorie kommt der Elsässer Flammkuchen mit vorgeröstetem Speck, Zwiebeln und Crème fraîche. Durchaus originell ist die hausgemachte Wildbratwurst, die mit Röstkartoffeln, die den Namen wirklich verdient haben, Rahmkraut und Preiselbeersenf serviert wird. Auch den Wild-Burger in kräftiger Ausführung mit 200 Gramm Wildfleisch, kombiniert mit Bergkäse, Spiegelei, Zwiebel, Tomatenscheiben und hausgemachte Burgersauce und dann noch zur Ergänzung Preiselbeer-Rahmsauerkraut, kann ich empfehlen. Und das zu einem höchst akzeptablen Preis von 13,50 Euro.

Für Naturfreunde, die den Morgen als die schönste Zeit ansehen, wird ab zehn Uhr Frühstück serviert. Da ich für Sie nicht nur Sterne-Zaubereien präsentiere, ein paar Details aus dem Frühstücksalltag: Vom einfachsten „Continental“ (ganze 3,90 Euro) reicht die Palette bis zum „Frühstück am See“ mit Lachs und Heilbutt, Parmaschinken, luftgetrockneter Salami, marinierten Shrimps, angemachtem Frischkäse und Bio-Eiern, damit wird ein Morgen wirklich zum guten Morgen. Was ich witzig finde, Langschläfer müssen nicht auf die Uhr sehen, die „erste“ Mahlzeit des Tages wird bis 13 Uhr serviert.

Was im Frühling und Sommer das Bootfahren auf dem See ist, ist im Winter das Eisstockschießen, verbunden mit Glühwein, wenn es wirklich kalt werden sollte.

Wenn es auch hinterher noch recht frisch bleibt, ist die heiße Kürbissuppe mit Kernöl oder Kartoffelsuppe mit Knacker genau das Richtige zum Aufwärmen. An den Nebentischen im Umkreis wurde bei meinem Besuch im Restaurant häufig das Lachsragout mit Zucchinistreifen, in einer sehr leichten Weißwein-Sahnesauce angerichtet. Geordert und serviert. Beim Geflügel achtet man hier auf Bio-Qualität. Das Freilandhähnchen wird in einer Kräutermarinade vorbereitet und mit frisch angemachtem Krautsalat kombiniert, die deutsche Ente bekommt eine besondere Parfümierung mit Thymianjus. Freunde einer betont herzhaften Mahlzeit können das Kotelett vom Bio-Sattelschwein bestellen, die Serviettenknödel sind noch leicht angeröstet und das Rahmsauerkraut wunderbar abgestimmt.

Der Service im Restaurant ist von Natur aus bemüht und angenehm. Bei Nachfragen zu den Gerichten bekommt der Gast kompetente Ausführungen. Die Weinkarte ist klein, aber fein, mit Schwerpunkt Deutschland und Italien, aber auch mit etlichen Bordeaux‘. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist der vielfach ausgezeichnete, chilenische Montes Reserva mit 31 Euro kaum zu toppen. Wer nur ein Glas trinken will, hat ebenfalls eine ordentliche Auswahl an offenen Weinen.

Noch einmal zur Lage der Biergarten-Restaurant- Kombi­na­tion: Die ist erstklassig. Mitten in der City und dabei tief im Grünen. Auf dem See darf bei gutem Wetter gerudert werden, und aus dem nahe gelegenen Vogelschutzgebiet stolzieren Silberreiher vorbei. Ein idyllisches Fleckchen, das auch im Winter seinen Reiz hat. Wichtig, neben der Atmosphäre, sind die guten Grundprodukte, sauber verarbeitet, herauszustellen.

Der Knaller zum Schluss: Der Bio-Gänsebraten wird im Ganzen für drei bis fünf Personen serviert. Dazu muss der Gast einen Tag im Voraus bestellen, weil der Braten hier bei Niedrigtemperatur acht Stunden gegart wird. Das garantiert butterzartes Fleisch und eine krosse Haut. Alle gängigen Beilagen werden gereicht, und wer mag, bekommt Brote aus der „Borchardt“-Natursauerteig-Bäckerei.

Das Restaurant

Kontakt: „Café am Neuen See“ Lichtensteinallee 2, täglich ab neun Uhr, Tel.: 254 49 30, www.cafeamneuensee.de

Küche: Eine unkomplizierte, mediterrane Küche, die mit regionalen erstklassigen Produkten arbeitet

Service: Im Restaurant ist der Service nochmals besser als im Biergarten

Ambiente: Anheimelnd, durchaus vergleichbar mit „Tavern on the Green“ im Central Park in New York

Besonderheit: Die individuell zubereitete Bio-Gans