Gourmetspitzen

"Cotto e Crudo" - Della Mamma in Prenzlauer Berg

Heinz Horrmann besuchte das „Cotto e Crudo“ an der Eberswalder Straße - und genoss ein paar Stunden Urlaub in Sizilien. Er fand ein liebenswertes Team, gute Küche ohne Schickimicki und Sparpreise.

Foto: Christian Kielmann

Anregungen und Empfehlungen von Lesern sind häufig gute Anstöße, ein weniger bekanntes Restaurant in unserer Stadt zu besuchen. Und dabei dominieren seit eh und je liebevolle Hinweise auf italienische Küchen. So auch hier, beim "Ristorante Cotto e Crudo" an der Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg.

Das unscheinbare, kleine italienische Restaurant mit dem sizilianischen Besitzer aus Palermo bietet eine Küche wie von der sizilianischen Mama abgesegnet. Die Portionen sind riesig, die Grundprodukte frisch und die Zubereitung aromatisch. Cotto e Crudo heißt übersetzt: das Gekochte und das Rohe. Letzteres gilt wohl vor allem für die hausgemachte Antipasti-Platte zum sensationellen Preis von 7,90 Euro. Dafür gibt es verschiedene Sorten Prosciutto, gepfefferte Salami, Auberginensalat, Rucola, getrocknete Tomaten und herzhafte Kapern. Das Brot dazu ist qualitativ zweigeteilt. Das Krustenbrot ist köstlich knackig, das Ciabatta pappig.

Solange es noch irgendwie geht, sitzen viele Gäste, die vom Mauerpark oder Flohmarkt kommen, draußen auf der Straßenterrasse. Im Restaurant selbst geht es eng zu, bei nur 30 Plätzen. Dass der Service aber dennoch vorbildlich läuft, ist ein Kompliment an den Besitzer, der selber serviert, und an sein liebenswertes, niemals hektisches Team.

Kein Schickimicki

Die Speisekarte ist nicht auf Schickimicki getrimmt, sondern klassisch aufgebaut. Zusätzlich stehen die Tagesspezialitäten handgeschrieben auf der Schiefertafel. Eine Weinkarte gibt es nicht, der Chef kauft stets zu tagesgünstigen Preisen. So ist es möglich, dass das Glas Prosecco nur 3,50 Euro kostet und die von mir bestellte Flasche Chardonnay gästefreundliche 19 Euro. Der Wein kam so gut gekühlt, dass man nicht das erste Glas, wie sooft, in den Eiskühler schütten musste.

Die große Salatauswahl ist mit italienischen Namen versehen. Wie "Tonno", das sind Blattsalate, Gurken und Thunfisch, alles frisch. Oder "Korsika", wo die Salate mit Oliven und Feta-Käse ergänzt werden. Auch die Vorspeise mit Blattsalaten, Früchten und geröstetem Parmaschinken oder gebratener Hähnchenbrust in Balsamicoessig unterstreichen das Hausprinzip, das ich selten so eindeutig gefunden habe: große Portionen zu kleinen Preisen.

Natürlich erwartet man beim Italiener eine breite Auswahl an Nudelgerichten. Da muss sich das "Cotto e Crudo" auch nicht verstecken. Die Teigprodukte sind im Haus frisch gemacht. Bei Stammgästen besonders beliebt ist die tellergroße Lasagne für 6,90 Euro. Stets im Angebot sind etliche Linguine- und Penne-Gerichte. Hier werden häufig die Früchte des Meeres kombiniert. Gebratene, halbierte Scampi oder Seeteufel, immer in Verbindung mit Kirschtomaten, Pfifferlingen oder Steinpilzen. Das sind keine sensationellen Überraschungen, aber alles ist handwerklich gut gerichtet.

Die Palette an Fleischgerichten ist dagegen begrenzt. Hähnchenbrust in allen Variationen, Saltimbocca mit viel Salbei und ein Grill-Mix. Das sind kleine, zarte Filetstücke vom Lamm, Rind, Hähnchen und dazu eine bäuerlich deftige Bratwurst. Das Gericht kommt bei den Gästen immer wieder an. Ich wählte von der Schiefertafel das Ossobuco alla milanese, das mit Markknochen und köstlich gewürzt auf den Tisch kam. Geschmack und Duft von Tomaten dominierten. Durch das Aufwärmen war lediglich das Fleisch etwas fest und trocken geworden. Da half natürlich das Mark zum Überstreichen vorzüglich.

Die Fischgerichte werden ebenfalls nach den Angeboten des Marktes auf die Tageskarte gesetzt. Ob Zander oder Dorade, der Koch brät den Fisch auf der Haut, die appetitlich kross wird.

Auch an vorbeieilende Laufkundschaft wird gedacht, für das Restaurant oder zum Mitnehmen: Ciabatte mit Thunfisch beispielsweise, oder mit Lachs, Mozzarella oder Parmaschinken – alles frisch belegt und günstig wie das ganze Programm.

Beim süßen oder herzhaften Abschluss ist neben kleinen italienischen Leckereien wie Vanillequark mit frischen Früchten die Formaggio-Platte der Renner. Das sind verschiedene Käsesorten, auch Frischkäse und Obst, mit Brotkorb und Butter.

Frühstück bis 16 Uhr

Am Sonntag wird im "Cotto e Crudo" auch Frühstück serviert. Da hat man sich direkt auf Langschläfer eingestellt. Mit Schmunzeln nahm ich zur Kenntnis, dass das Frühstück bis 16 Uhr serviert wird. Auch hier lässt die Preisliste die Gäste staunen. Was immer es auch ist, ob Müsli für drei Euro oder das komplette süße oder herzhafte Angebot zwischen 3,90 und 8,90 Euro, es ist alles abgesegnet. Und wo sonst bekomme ich eine große Portion Rührei mit Kräutern für 3,20 Euro.

Jetzt möchte ich allerdings dieses kleine, italienische Restaurant nicht allein auf die Sparpreise reduzieren, dafür war die Stimmung zu gut. Eben weil es so eng war, kommunizierten die Gäste miteinander und prosteten sich zu. Bevor Wünsche ausgesprochen wurden, stand der liebenswerte Sizilianer am Tisch, bediente, erklärte, empfahl, alles äußerst angenehm.

Auch wenn wir hier nicht von einem Ausflug in die Gourmandise reden können und dürfen, war die Leserempfehlung, die ich fröhlich umsetzen durfte, aller Ehren wert. Der Besuch geriet zu ein paar Stunden Urlaub in Sizilien. Da schaut man auch mal gern über fehlende Tischwäsche und Papierservietten weg.

"Cotto e Crudo", Eberswalder Straße 33 (Prenzlauer Berg), Di-Sa 12-24 Uhr, So 10-22 Uhr, Mo geschlossen

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