Im „Neni“ ist für mich die gastronomische Welt auf den Kopf gestellt. Wie oft habe ich in Restaurants eine ordentliche Küche erlebt, aber einen lieblosen Service, der dann den guten Eindruck in den Keller zog. Hier erlebte ich eine, sagen wir mal „Naja-Küche“ ohne Glanzlichter, aber eine absolut perfekte Restaurantleiterin, die eine Gästepflege dirigierte, die man fast schon als ein Schulungsbeispiel für andere Restaurant-Entwicklungen nehmen kann.
Hier wird auf blanken Holztischen ohne Tischdecken oder wenigstens Sets eine israelisch-arabische Kombination an Gerichten und Aromen serviert. Da sind gewiss einige unkomplizierte Köstlichkeiten dabei, wie die gegrillte Aubergine mit Tomatenkernen und Humus oder der Rote Bete-Karotten-Salat mit geröstetem Sesam. Auch der im Ganzen gegarte Blumenkohl, mariniert mit Olivenöl, ebenfalls unter vegetarisch einzuordnen, ist eine interessante Vorspeise.
Von israelisch bis arabisch
Gewiss sind das keine grandiosen Küchenleistungen, die habe ich allerdings auch bei den Hauptgängen nicht gefunden. Der orientalisch gebeizte Lachs beispielsweise, interessant gewürzt mit Granatapfelkernen und Zitrus-Marinade, hat mir nicht geschmeckt. Ich sage immer, wenn der Fisch nach Fisch riecht, gehört er in die Tonne. Das war bei den fünf kleinen Würfeln, die anstelle eines Filetstücks kamen, der Fall. Sehr ordentlich dagegen die Dorade Royal im Ganzen gebraten, mit Orangen-Fenchel vom Grill und israelischem Salat mit Petersilie, Basilikum und persischer Flussminze.
Dann freute ich mich auf das Entrecôte vom Simmentaler Rind, auch hier kam das Fleisch nicht als Stück zum Selberschneiden, sondern in dünnen Scheiben, gerade mal eine Nuance dicker als Carpaccio. Mit der herzhaften Würze des Gerichtes war ich sehr einverstanden, kam aber zum Schluss, dass das Fleisch von der Zahnarzt-Innung gesponsert sein muss. Es war so zäh, dass man die Festigkeit der Plomben prüfen konnte.
Das Angebot der Gerichte ist freilich breit. So wird Nuriels Arak-Maishähnchen offeriert, das 48 Stunden in Arak und Kräutern mariniert auf dem Grill vollendet wird. Wer es mag, kann auch eine Portion Eifeler Lamm, Kalbsragout oder Hühnerstreifen in der Mandelkruste ordern. Der sogenannte Jerusalem-Teller ist eine Kombination aus gegrilltem Hühnerfleisch, orientalisch gewürzt, mit frischen Kräutern und Pita-Brot. Und immer wieder wird dazu Humus gereicht. Ein paar Mal bin ich gefragt worden, was Humus konkret sei: Es ist Kichererbsen-Püree, Sesampaste (Tahina), Zitronensaft, Gewürze, vor allem Knoblauch und Kreuzkümmel. Humus zählt zu den Nationalspeisen in Israel und im arabischen Raum. Hier wird er zu Fleisch, Fisch und Gemüse angerichtet und auf Wunsch auch als Dip gereicht.
Bei den Desserts wird es international
„Hamshuka“ ist eine hauseigene Version von Humus, mit Gehacktem von Rind und Lamm und viel Chili. Positiv möchte ich anmerken, dass nicht nur von den Vorspeisen, sondern auch von den meisten anderen Gerichten eine kleine oder große Portion geordert werden kann. Auch wer nur eine Kleinigkeit gegen den Hunger haben möchte, bekommt selbstverständlich ein Ruben Sandwich mit Pastrami, Dijonsenf und hausgemachtem Kraut oder zum Wein karamellisierte Nüsse mit Fenchelsamen und Chili-Flocken.
Bei den Desserts wird es richtig international. Nenis New York Cheesecake bekommt zu Creme fraîche und der Puderzucker-Süße durch Zitrone eine feine Säure, die Brownies sind ebenfalls etwas anders, für die hat die Küche eine salzige Karamellsauce. Ein französisches Element ist der French Toast mit hausgemachtem Kompott und beim Halva Block sind wir zurück bei den arabischen Spezialitäten. Halva ist ein Brei von Ölsamen und Zucker oder Honig, wird verfeinert mit Vanille, Nüssen und manchmal Kakao. Nahezu alles wird in der Neni-Küche produziert. Lediglich die Eissorten kommen von der Eismanufaktur Berlin.
Guter Service auch bei den Weinen
Überraschend breit war das Angebot an offenen Weinen. Auch die Weinkarte ist sehr ordentlich sortiert. Beim Aperitif reicht die Bandbreite vom sehr preisgünstigen Riesling-Sekt bis zum Dom Pérignon. Bei den Weißweinen kann aus einer internationalen Palette gewählt werden, mit ordentlichen Kreszenzen aus Burgund. Auf der Rotweinliste ist Bordeaux Fehlanzeige, da reicht die Auswahl von Israel bis Argentinien. Den besonders guten Service habe ich schon erwähnt, das trifft auch auf die Weinpflege zu. Zu häufig kommt der Weißwein zu warm auf den Tisch, hier war er punktgenau gekühlt. Und zum Schluss ist der Ausblick auf die Stadt und den Zoo einfach nur großartig. Da kann man sich nicht sattsehen.
Restaurant Neni im Bikini Haus, Budapester Straße 40 in Berlin-Charlottenburg, So.-Do. 12-22.30 Uhr, Fr.-Sbd. 12-23-30 Uhr, Tel.: (030) 120221200





