Englers

Wenn sich der Service für die Küche schämt

Heinz Horrmann besuchte das Restaurant Englers in Berlin-Dahlem. Das Ambiente gefällt, der Service ist vorbildlich – dennoch wird es eine unangenehm ärgerliche Erfahrung.

Foto: Sarah Buchwald

Der größte Vorzug des bürgerlichen Restaurants in Dahlem ist das äußerst gepflegte Ambiente im Rahmen eines prächtigen Landhauses. Alles ist in grün und weiß gehalten. Auch die Lage, unmittelbar am Botanischen Garten, ist attraktiv. Benannt wurde das Restaurant nach Heinrich Gustav Adolf Engler, den man schon Ende des 19. Jahrhunderts zum führenden Botaniker des Landes adelte.

An warmen Tagen sitzt man angenehm auf der weitläufigen Terrasse vor dem Haus. Der Service ist sofort zur Stelle, alles verspricht, ein vergnüglicher kulinarischer Abend zu werden. Aber dann stand am Ende nur die unbeantwortete Frage, was der Koch beruflich macht. Kaum zu glauben, was man mit guten Prdukten anstellen kann.

Aber der Reihe nach. Nie ist alles durchgängig ganz schlecht oder kritikfrei gut. Im Englers kam das Beste gleich zu Beginn: eine sehr gut gewürzte Garnele als Amuse Bouche. Gleichbleibend gut, aufmerksam, freundlich agierte die ganze Zeit der Service.

Wenn der Ziegenkäse sich "wie Mörtel" zersetzt

Aus der Küche folgte nach dem appetitlichen Auftakt weniger Überzeugendes. Die gratinierten Jakobsmuscheln waren kalt. Dem Salat fehlte das Dressing, oder aber es war so geschmacksneutral, dass man es nicht wahrnehmen konnte.

Der gebackene Ziegenkäse zersetzte sich wie Mörtel. Ich habe mich gefragt, was man anstellen muss, um das so hinzubekommen. Serviert wurde er auf Rucola mit Tomatenpesto und Pinienkernen.

Am Nebentisch wurde laut über "Englers Protege" gemosert. Auf Blattsalaten mit Cashewkernen und Kirschtomaten werden Streifen vom Rinderfilet angerichtet, die der seriöse ältere Herr als "Bremsklötze" bezeichnete.

Service bringt den Fisch von sich aus in die Küche zurück

Nach oben wie nach unten gibt es immer noch eine Steigerung. Was uns da an Fischgerichten serviert wurde, hätte ich heutzutage nicht mehr für möglich gehalten. Das Tagesgericht, eine ganze Scholle, mediterran mit Tomaten und Gemüsestreifen, war völlig geschmacklos, ohne Würze und Aroma.

Das Fischfleisch war nicht entgrätet und puddingweich. Ganz schlimm. Die Servicedame hatte es schon geahnt und sagte von sich aus: "Ich bringe das in die Küche zurück, das kommt nicht auf die Rechnung."

Der Versuch mit dem gebratenen Wolfsbarsch an Zitronen-Thymian-Schaum war nur minimal besser. Dem Loup de Mer fehlten die Röstaromen, und das sogenannte Basilikum-Risotto hätte bei mir in der "Vox-Kocharena" einen einzigen Freundschaftspunkt bekommen.

Umfassendes Angebot zum angemessenen Preis

Ich habe es nicht mehr probiert, aber eine Chance, einigermaßen zubereitete Speisen zu bekommen, bieten die Steaks vom Lavastein-Grill, die mit Backkartoffeln oder Pommes Frites serviert werden. Da ist doch schon jeder Laie auf der sicheren Seite.

Englers Spezialität ist das Boeuf Bourguignon, Streifen vom Charolais-Rind im Burgunder geschmort. Nach der Karte sollen die Fleischstücken "zart" sein. Sollen, so hieß es auch beim Blattsalat mit Rinderfiletstreifen.

Das Angebot des Restaurants ist insgesamt umfassend. Mit Flammkuchen und Pasta, Kinderteller sowie einer zusätzlichen Tageskarte (bei meinem Besuch pochiertes Kalbsfilet im Kräutermantel) und dem täglich wechselnden Business Lunch zum angemessenen Preis (9,50 Euro).

Geschmack aus der Creme Brûlée herausgefiltert

In der Abteilung Dessert wird angeboten, was ich auch empfehlen würde: Torten aus der Vitrine zum Kaffee. Alternativ stehen Mousse au Chocolat und Creme Brûlée auf der Karte. Wir wählten Creme Brûlée, eine an sich stark aromatische Nachspeise. Leider war es auch hier gelungen, jeden Geschmack herauszufiltern. Schade.

Die kleine, kundenfreundlich kalkulierte Weinkarte offerierte Angebote aus vielen Anbaugebieten. Sie war durchaus preisgünstig ausgezeichnet. So kostet der ordentliche Chablis 26 Euro. Der Wein war auch einigermaßen gekühlt, eine Katastrophe dagegen war die halbe Flasche Champagner.

Unabhängig davon, dass sie viel zu warm serviert wurde, war sie zu lange gelagert und mit einem hässlichen Alterston der Champagner alles andere als ein Genuss. Während der ganzen Zeit hatte man den Eindruck, dass sich der umsichtige und unermüdlich rackernde Service angesichts der Küchenleistung regelrecht schämte.

Bei einem so wunderschönen Restaurant mit diesem prächtigen Ambiente drinnen und draußen war das insgesamt eine unerwartet ärgerliche Erfahrung.

Restaurant Englers

Englerallee 42, Mo.-So- 9-0 Uhr, Tel.: 30364236, www.restaurant-englers.de

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