Deutschstunde

Der Hund hob das Bein an der Kommode im Flur

Aber das nur aus rein semantischen Gründen. Es geht um den Unterschied zwischen „da“ und „weil“ im Kausalsatz.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Wenn ich heute noch einmal auf das „Diktat“ vom 6. Juni zurückkomme, so deshalb, weil die Fragen aus der Leserschaft zu den rund 65 Stolpersteinen, die ich eingebaut hatte, nicht enden wollen. Obwohl ich mich der 500. Folge meiner „Deutschstunde“ nähere, geht mir trotzdem der Stoff nicht aus. Die deutsche Sprache bietet unglaublich viele Ecken und Winkel, über die man genüsslich plaudern kann. Doch nicht nur die Sprache selbst, auch diejenigen, die die Sprache gebrauchen, um sie ideologisch zu missbrauchen, füllten in den letzten Wochen die Spalten aller Publikationen mit ihrem skurrilen Kampf für den Genderstern (Vorsicht! Maskulinum!). Die Dudenredaktion witterte eine neue Auflage, der dubiose Rat für deutsche Rechtschreibung stellte während seiner Tagung in Wien fest, dass er noch uneiniger war als Merkel und Seehofer in Berlin, nur der ARD-Text in Potsdam führte den Genderstern für einen Tag ein. Dann lasen wir, dass jemand in Australien von fünf Polizist*innen abgeführt worden war, obwohl nur männliche Ordnungshüter im Einsatz waren. Wer bei jeder Gelegenheit das weibliche Element „sichtbar“ machen will (wogegen ja im Prinzip nichts einzuwenden ist), muss aufpassen, dass er nicht etwas ganz anderes sichtbar macht.

Aber zurück zu unserem Manuskript. Die gesamte Zeichensetzung (Interpunktion) lässt sich auf 115 Zeilen nicht darstellen. Ich empfehle für Wissbegierige das Duden-Taschenbuch „Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen“, in dem Sie für 15 Euro auf 256 Seiten 300 Regeln und gleich auch die Ausnahmen von diesen Regeln dargeboten bekommen.

Hier sollen nur drei Unklarheiten angesprochen werden: Vor sondern steht immer ein Komma! Immer! „sondern“ ist ein Adversativ, das einen Gegensatz ausdrückt. Dieser Gegensatz wird durch ein Komma abgetrennt: Deutsch ist nicht leicht, sondern überaus schwierig. In Ihrem Gehirn und in Ihren Fingern muss folgender Algorithmus (Befehlsablauf) zum Reflex werden: Komma, Leertaste, „sondern“.

Wann bei „als“ kein Komma steht – und wann doch

Die Konjunktion (das Bindewort) als vergleicht zwei Satzteile nach einem Komparativ (1. Steigerungsstufe). Dann steht kein Komma: Paul ist größer als Fritz. Joshua Kimmich spielte am Sonnabend in der zweiten deutschen WM-Begegnung in Sotschi weitaus besser als bei der Niederlage gegen Mexiko in Moskau. Selbst ein so langer Satz ist ein einfacher Vergleich und bekommt kein Komma. Leitet als jedoch einen Vergleichssatz ein, ist also ein (neues) Subjekt und ein finites (gebeugtes) Verb im Spiel, so steht ein Komma: Kimmich war gegen Schweden besser, [Komma] als er sich gegen Mexiko präsentiert hatte.

Ein nachfolgender Begleitsatz zur wörtlichen Rede wird seit der Rechtschreibreform immer mit einem Komma abgetrennt, auch (und das ist neu) wenn die wörtliche Rede mit einem Frage- oder Ausrufezeichen endet: „Wie geht es dir?“, fragte er. „Das ist zu viel!“, schimpfte sie.

Eigentlich hat das Wasser auch als die Wassermassen im Plural keinen Umlaut. Und dennoch gibt es den Plural die Wässer, nämlich wenn es sich um die teuren Duftwässer in den verspiegelten Regalen einer Parfümerie handelt.

Ans „Eingemachte“ kommen wir beim semantischen (wortbedeutenden) Unterschiede der beiden Konjunktionen da und weil in vorangestellten Kausalsätzen (Begründungssätzen). Wir sollten „da“ gebrauchen, wenn wir etwas allgemein Bekanntes als Grund nennen: Da heute Sonntag ist, sind die Geschäfte geschlossen. Dass Sonntag ist, dürfte bekannt sein. Also ist es nichts Außergewöhnliches, falls die Geschäfte nicht geöffnet haben. Die Konjunktion „weil“ bietet hingegen etwas Neues, Ausgefallenes: Weil es draußen in Strömen regnet, konnte ich noch nicht mit dem Hund spazieren gehen. Der Regen ist also die Begründung, dass der Hund inzwischen an der Kommode im Flur das Bein gehoben hat.

deutschstunde@t-online.de

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