Deutschstunde

Es ist noch kein Meister aus dem Duden gefallen

Allerdings gibt es Texte, die bestehen nur aus Gemeinheiten und Stolpersteinen. Zur Aufmunterung hier ein Diktat.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Es ist einmal wieder Zeit für ein Diktat, das heißt, diktieren wie der Lehrer in der Klasse kann ich Ihnen den Text nicht. Deshalb wollen wir es so halten wie die letzten Male: Sie nehmen die gedruckte Zeitungsseite bzw. drucken online die Kolumne aus, greifen sich einen Kugelschreiber und redigieren das „Diktat“. Natürlich sollen Sie kein sprachliches Kunstwerk aus dem Text machen, sondern lediglich alle Rechtschreib-, Interpunktions-, Grammatik- und sachlichen Fehler anstreichen. Deutsch ist schwierig, aber manchmal sieht es schwieriger aus, als es ist.

Machen Sie sich den Spaß und korrigieren Sie die Vorlage. Niemand kontrolliert Sie dabei. Sie brauchen Ihre Anstriche nicht abzugeben. Wer will, kann mir aber gern die Zahl der gefundenen Fehler vorab mailen, doch möglichst keine vollständigen „Klassenarbeiten“. Die Auflösung erfolgt am kommenden Dienstag. Hier der Text:

» Weil bekanntlich die Fussball-Weltmeisterschaft in Rußland bevor steht, habe ich am Samstag die Deutschland-Fahne schwarzrotgold in meinem Garten gehisst. Das Gesicht meines Nachbars war skeptisch. Er prophezeihte, dass ich das bunte Tuch schon in der Vorrunde auf Halbmast ziehen müsse. Der Optimismus, mit dem die Spieler verabschiedet werden, klingt ein wenig nach einem Märchen der Gebrüder Grimm. Von Brasilien 1962 in Mexiko abgesehen, konnte nach dem Krieg noch kein amtierender Weltmeister seinen Titel im darauf folgenden Turnier verteidigen.

Trotzdem bringt die Weltmeisterschaft nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei der Fußball begeisterten Jugend die nationalen Seiten im Innern zum Erklingen. Die zwei Steppkes von Gegenüber haben lange gespart, und tragen nun beide dasselbe Spielertrikot. Heut zu Tage sammelt die Jugend Panini-Bilder, früher verschlangen sie die Karl May-Bände, träumte vom wilden Westen und ahmte die Bruderschaft von Winnetou und Old Shatterhand nach.

Jogi Löw, der Bundestrainer mit dem Ponny bis zu den Augenbraunen, hat streichen müssen, nämlich vier Spieler aus dem erweiterten Kader, die gestern morgen nachhause gefahren sind. Die Erdoğan-Wahlkämpfer Özil und Gündoğan durften bleiben. Glücklicherweise wurde auch der Berliner Marvin Plattenhard von Herta BSC durchgewunken. Trotzallem verstehen Manche Löw’s Entscheidung nicht, die nicht alle Aspekte wiederzuspiegeln scheint. Einem Autoren bleibt nur zu berichten, selbst wenn das Manuskript dutzende Bögen DIN-A-4-Papier umfassen sollte.

Etwas in den Hintergrund der Berichterstattung ist der Aussetzer Loris Karius geraten, dem Torwart des FC Liverpools, obgleich solche Fehlleistungen in der Erinnerung der Fans mehrere Generationenwechsel überdauern können. K.‘s Fehlwurf trieb ihm die Wässer in die Augen. Zwar hat der ex-Mainzer noch Vertrag bis 1921 in Liverpool, aber seine Karriere dürfte dort zuende sein. Dabei war er in den Wintermonaten diesen Jahres ein recht guter Torwart gewesen.

jedermann schreibt man mit Doppel-n. „man“ bedeutet ursprünglich „mensch“ und nicht „Mann“. Von Bülow trat zurück. v. Bülow trat zurück. V. Bülow trat zurück. Fünf Möglichkeiten für die Groß- und Kleinschreibung am Satzanfang. Welche ist falsch? „Das müsst Ihr wissen,“ sagte der Lehrer, und kündigte eine neue Klassenlektüre an, nämlich Goethes „Faust.“ So oft der Lehrer den Titel wiederholte, sooft hörte Paulchen Müller nicht zu. „Es sind jetzt zwei Jahre her, das ich Euch in die Deutsche Literatur einführen wollte“, schimpfte der Lehrer, „aber der Erfolg ist gleich Null!“ „Wenn sie meinen!“ antwortete Paul, und der vom Lehrer geworfene Tafelschwamm zischte nahe seines Kopfes vorbei. Das Müller’sche Gesetz des schnellen Wegdukens hatte ihn gerettet. Reaktion gut, Deutsch mangelhaft. Nichtsdestotrotz: Es ist schließlich noch kein Meister aus dem Duden gefallen.«

Kolumnist Peter Schmachthagen erreichen sie unter deutschstunde@t-online.de.

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