Ich war am Dienstagmorgen beim Zähneputzen, als ich im BBC Radio hörte, dass „Sudan“, das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn, gestorben ist. Solche Nachrichten bringen einen schon sehr zum Nachdenken, vor allem, wenn es darum geht, dass es die Menschen sind, die diese Tierart zum Aussterben gejagt haben – nur, um das wertvolle Horn zu bekommen. „Eines Tages wird sein Tod hoffentlich als wegweisender Moment für Naturschützer weltweit gesehen werden,“ sagte der Leiter des Wildtierreservats nördlich von Nairobi, Ol Pejeta.

Kurze Zeit danach war ich sehr überrascht, beim Deutschlandfunk zu hören, dass Berliner Wissenschaftler Teil eines internationalen Projekts sind, mit dem der Fortbestand der Breitmaulnashörner gesichert werden soll. Nach dem Stimmungstief hatte ich plötzlich Grund, wieder optimistisch zu sein. Eizellen der beiden verbleibenden Tiere dieser Art – nämlich Sudans Tochter und Enkelin, Fatu und Najin – sollen mit vor einiger Zeit gewonnenen und eingelagerten Spermien verschmolzen werden.

Am Donnerstagabend fuhr ich zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Friedrichsfelde, neben dem Tierpark, um den Motor dieses Projekts, Professor Thomas Hildebrandt, zu treffen. Er hatte eigentlich nur ein schmales Zeitfenster, um sich mit mir zu treffen. Am Tag davor war er auf einem Elefanten-Kongress in Wien, am Tag danach musste er sehr früh nach Hamburg fahren, um sich im Tierpark Hagenbeck um zwei Eisbären zu kümmern, die sich nicht paaren wollen. Er ist, kurz gesagt, ein sehr ausgelasteter Mann.

Obwohl ich erst am Montag, das muss ich zu meiner Schande gestehen, zum ersten Mal wahrgenommen habe, dass Breitmaulnashörner bedroht sind, beschäftigt sich Professor Hildebrandt seit 20 Jahren damit. Er zeigte mir seine Bilder von Sudan, den er seit 18 Jahren kennt, und beschrieb ihn und seinen Charakter so, als spreche er von einem verstorbenen engen Freund.

„Sudan war ein sehr zarter und liebevoller Typ“, sagte er. Offenkundig, war sein Tod, wenn auch erwartet – er war 45, also eigentlich ziemlich alt für ein Nashorn – ein Schlag für das Institut. Aber gleichzeitig hat es Hildebrandt und seinem Team Antrieb gegeben, ihr Ziel zu erreichen. Er hat die große Hoffnung, dass seine nächste Reise nach Kenia, im Mai oder Juni, um die Eier von Fatu und Najin zu holen, zum Erfolg wird. Die Eier werden zuerst nach Italien gebracht, wo sie per künstlicher Befruchtung zu Embryonen werden sollen, die dann einem als Leihmutter gebrauchten Südlichen Breitmaulnashorn eingepflanzt werden –, und das hoffentlich Nördliche Breitmaulnashörner zur Welt bringen wird.

Professor Hildebrandt führte mich in sein Kryotank-Zimmer, einen Hochsicherheitsbereich, in dem 300 Milliliter Spermien des Nördlichen Breitmaulnashorns gelagert sind. „Ein unbezahlbarer Schatz“, nannte er es. „Weltkulturerbe im wahrsten Sinne des Wortes.“

Mitten in Friedrichsfelde, in einem sehr unauffälligen Gebäude, fand ich die spannendste und inspirierendste Geschichte, die ich seit Langem recherchiert habe.

Kurz danach zeigte er mir einige seiner anderen großen Leidenschaften – Nacktmulle und Blindmäuse. Die kriechen und kratzen durch Acryltunnel, bienenartig, sehr beschäftigt, ihr Leben in Ordnung zu bringen. Und dabei hören sie klassische Musik. Eigentlich hat Professor Hildebrandt die Tiere ursprünglich angeschafft, weil er gehofft hatte, dass ihre hervorragende und effiziente Art der Fortpflanzung in irgendeine Art und Weise auf die eher schlappe der Nördlichen Breitmaulnashörner übertragbar wäre, erzählte er mir.

Diese Theorie hat sich leider nicht bewahrheitet. Aber kurze Zeit danach hat man entdeckt, dass diese Tiere keinen Krebs bekommen, resistent sind, und insofern potenziell eine große Hilfe für die menschliche Krebsforschung sein können. Aber das ist, wie man so schön sagt, eine andere Geschichte.

Kate Connolly ist Korrespondentin vom „The Guardian & The Observer“

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