Das Herz der Tourismusindustrie schlägt diese Woche wieder mal in Berlin. Die ITB öffnet für die Fachbesucher, am Wochenende können auch die Berliner die ganze Welt von ihrer schönsten Seite betrachten und sich für ihren Urlaub inspirieren lassen. Dabei entdecken die reisefreudigen Deutschen Griechenland wieder, nachdem viele wegen der antideutschen Stimmung seit Beginn der Wirtschaftskrise dem Land den Rücken gekehrt hatten. Inzwischen ist Griechenland voll auf den Tourismusmarkt zurückgekehrt. „Traumbuchten“, oder „einsame Wanderwege rund um den Olymp“ werden von deutschen Medien als Geheimtipps vorgeschlagen.

Schon in der vergangenen Saison gab es einen enormen Anstieg der Urlauberzahl aus Deutschland – 3,7 Millionen kamen, 2015 waren es 2,8 Millionen. Aus keinem anderen Land der Welt sind so viele Touristen nach Griechenland gereist wie aus Deutschland. Obwohl die Deutschen eher als sparsam gelten, greifen sie während des Urlaubs tiefer in die Tasche als Reisende anderer Nationalitäten. Letztes Jahr gaben die deutschen Touristen insgesamt 2,55 Milliarden Euro für ihren Urlaub in Griechenland aus.

Grigoris Tassios, Präsident des Bundes der griechischen Hoteliers, freut sich auf eine noch bessere Saison dieses Jahr. Wie er mir in einem Gespräch sagte, zeichnet sich schon jetzt ein Anstieg von zehn bis 20 Prozent bei den Vorbuchungen für Reiseziele wie Kreta, Rhodos, Kos, Chalkidiki, Korfu, Kefalonien ab. Für Kreta startet ein „365-Tage-Programm“ für laufendes und kommendes Jahr.

Es war immer schon ein wichtiges Ziel für die griechische Tourismusbranche, die auf die Sommermonate begrenzte Saison zu verlängern und nicht nur auf Sonne und Strand zu setzen. So bieten Bergwanderungen im Nationalpark Vikos-Aoos im Nordwesten Griechenlands oder auf Pilion neue Urlaubsmöglichkeiten außerhalb der Hochsaison.

Der Pilgertourismus wird mit deutschem Know-how auch in Griechenland entdeckt. Die nordgriechische Stadt Kavala bietet in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Pilgerbüro und dem Samariterbund Pilger- und Studienreisen auf den Spuren des Apostels Paulus nach Filippoi.

Dem griechischen Tourismus hilft auch, dass die Negativschlagzeilen von Streiks und Demonstrationen die letzten Jahre ausgeblieben sind. Die Parteimitglieder und Sympathisanten von Syriza, die seit Ausbruch der Krise 2010 auf die Straße gegangen sind und das Land immer wieder lahmgelegt haben, sitzen seit 2015 in der Regierung. Man kann nur schlecht gegen sich selbst demonstrieren.

Georgios Pappas ist Auslandskorrespondent für „ERT“ und „Ta Nea“ in Berlin
Georgios Pappas ist Auslandskorrespondent für „ERT“ und „Ta Nea“ in Berlin© Sergej Glanze

Auch der immer wieder aufflammenden Gewaltausbrüche der autonomen Szene im Zentrum Athens muss die Regierung Herr werden, um die Sicherheit der Bewohner und Besucher zu gewährleisten. Schließlich verzeichnet die griechische Hauptstadt jedes Jahr rund fünf Millionen Touristen. Und die sind in doppelter Hinsicht enorm wichtig für das Land: Erstens für die Einnahmen, die dringend für die Ankurbelung der griechischen Wirtschaft notwendig sind, und zweitens für das ramponierte Image des Landes. Klischees, die während der Schuldenkrise Hochkonjunktur hatten, werden am besten vor Ort widerlegt. Die Deutschen treffen nicht auf „sonnenverwöhnte Uzotrinker“, sondern auf lebensfreudige und fleißige Menschen, die unter schwierigen Umständen versuchen, über die Runden zu kommen. Und die Griechen stellen fest, dass die Deutschen keine Nazis sind, wie die Propaganda der Populisten von links und rechts bis vor Kurzem tagtäglich behauptete, sondern freundliche, umweltbewusste, kultur- und antikenbegeisterte Griechenlandfreunde. Ich treffe immer wieder auf Berliner, die von der Landschaft, der antiken Geschichte und von der Gastfreundschaft der Menschen oder den Vorzügen der mediterranen Küche schwärmen.

So werden die deutschen Touristen die besten Botschafter Griechenlands.

Georgios Pappas ist Auslandskorrespondent für „ERT“ und „Ta Nea“ in Berlin

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