Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie als Kind gerne Ostereier gesucht? Ganz ehrlich? Ich habe es gehasst. Natürlich war es schön, etwas Süßes zu bekommen, also damals. Aber wir lebten in einem Haus mit Garten – und der bot zahlreiche Möglichkeiten, etwas zu verstecken. Ganz abgesehen davon, dass meine Mutter raffiniert war und die Sachen wirklich gut verstecken konnte. Zumindest, was mich anging. Zuerst stürzte ich also als Steppke am Ostersonntag los. Da glitzerte was, da auch, prima, das Körbchen füllte sich. Aber irgendwann entdeckte ich nichts mehr, obwohl meine Frau Mama sehr sicher war, dass da noch viel mehr sein müsste. Ich kam mir dabei völlig dumm vor, unfähig – ein Gefühl, das ich bis heute verabscheue, weshalb ich auch sehr ungehalten reagieren kann, wenn ich merke, dass mich jemand für dumm verkauft. Seitdem hasse ich es, wenn jemand sagt: „Und? Fällt Dir etwas auf?“ Ehemänner wissen wahrscheinlich, wovon ich rede. 😉

Genießen in Berlin – die besten Restaurants, die neusten Trends:

Zurzeit muss ich wieder häufiger an diese Situationen denken, wenn ich durch einen Supermarkt gehe. Auf den Sonderflächen stapeln sich die Oster-Artikel in mannshohen Türmen. Mini-Manhattans aus Schmunzelhasen, Ostereiern und anderen, kitschig-bunt glitzernden Süßigkeiten. Suchen muss man da nur, wenn man etwas ganz Bestimmtes haben möchte.

Immerhin ist der Vorlauf nicht ganz so groß wie zu Weihnachten, wo die ersten Spekulatius und Dominosteine schon im Spätsommer in den Märkten auftauchen. Drei Wochen vor Ostern, das ist aus meiner Sicht völlig okay. Sicher, die Waren stehen da wahrscheinlich schon seit ein paar Wochen, bislang waren sie aber nicht in dieser Massierung aufgefallen.

Schoko-Osterhasen
So kennt man sie: die berühmten Goldhasen von Lindt mit dem Glöckchen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

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Die meisten Schokoladen sind von großen Anbietern, die international agieren und teils zuletzt ordentliche Gewinne vermeldeten, auch dank Preissprüngen. So hat der Schweizer Hersteller Lindt & Sprüngli im vergangenen Jahr mit kräftigen Preiserhöhungen bei Schokolade deutlich mehr Gewinn gemacht. Das vermeldete dpa am Dienstag. Die Preisaufschläge von gruppenweit 19 Prozent begründet das Unternehmen unter anderem mit den gestiegenen Kakaopreisen. Der Reingewinn lag 8,1 Prozent höher als im Jahr zuvor bei 726,7 Millionen Franken (806 Mio. Euro). Konzerne halt.

Sonnabend

Genießen in Berlin

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Was man nicht so häufig sieht, sind Traditionsfirmen. Leider. Dabei kennt jedes Berliner Kind wohl beispielsweise Sawade. Es handelt sich um die älteste Berliner Pralinen-Manufaktur. 1880 eröffnete Ladislaus Maximilianus Ziemkiewicz seinen Laden Unter den Linden. Die Pralinenherstellung hatte er zuvor in Paris gelernt. Seine Nachbarin hieß Marie de Sawadé, die zur Namensgeberin wurde. Das Unternehmen schreibt, die beiden habe vermutlich eine „besondere Beziehung“ verbunden. Ah, Paris, l’amour, oh là là. Aber wer weiß, wir wollen ja nichts unterstellen.

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Jedenfalls war die Qualität der Waren des Herrn Ziemkiewicz so hoch, dass er fünf Jahre später zum Hoflieferanten ernannt wurde. Auch sonst belieferte er Kunden aus dem Adel. Die Nazizeit blieb dem Firmengründer erspart, er starb im Februar 1933. Bis in die 1940er-Jahre ist kaum noch etwas über das Unternehmen bekannt, viele Unterlagen wurden offenbar im Krieg zerstört. Erst 1952 gibt es wieder zwei Läden, in Nikolassee und in Schöneberg.

1980 übernimmt Ulrich Spengler die Manufaktur. Er baut in Reinickendorf im Erdgeschoss die Produktion, im 1. Stock darüber die Wohnung für seine Familie – die heutigen Büroräume von Sawade. Sein Sohn Thomas übernimmt 1992 – doch der Markt hat sich verändert. Pralinen kann sich jetzt jeder leisten, Sawades Produkte werden nicht mehr als besonders wahrgenommen, die Manufaktur fällt schließlich – so die Unternehmensseite – in einen Dornröschenschlaf.

Sawade
Sabine Dubenkropp kreiert neue Spezialitäten bei Sawade.© Sawade | Sawade

Erst 2013 übernehmen Melanie und Benno Hübel die Marke und bauen sie seitdem erfolgreich wieder aus. Während viele Pralinen immer noch nach den Originalrezepten hergestellt werden, stehen die Zeichen jetzt auch auf Neuerungen. Dafür sorgt seit Neuestem Schokoladen-Spezialistin Sabine Dubenkropp, die immer wieder neue Sorten kreiert, um die Stammkunden nicht nur bei der Stange zu halten, sondern auch neue zu gewinnen.

Ich wende mich natürlich schaudernd ab, meine renommierte Kollegin Stefanie Hofeditz aber hat sich bei Sawade umgeschaut und berichtet Ihnen hier von dem traditionsreichen Unternehmen und dessen Plänen.

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Von der Brasserie zur Institution

Remi Restaurant
Koch Lode van Zuylen und Geschäftsführer Felix Fröhlich am Pass des Restaurants „Remi“.© Franz Michael Rohm | Franz Michael Rohm

Manchmal bedauere ich es ein wenig, dass ich nicht im quirlig-hippen Mitte wohne, sondern im beschaulichen Friedenau. Auch wenn ich hier nach Jahrzehnten inzwischen einige kleine und feine Restaurants kenne, echte Geheimtipps, die angesagten Läden sind nun mal im Zentrum. Wobei ich jedes Mal, wenn ich zu einem Termin in Mitte muss, denke, was es doch für ein Glück ist, dort nicht wohnen zu müssen. Zu wenige Bäume, zu viele Menschen. Und kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit Prenzlauer Berg … 😇

Neidisch werde ich immer dann, wenn ich sehe, was sich zum Beispiel an der Torstraße aufreiht, ein gutes Restaurant neben dem anderen, die Liste scheint endlos. „Bandol sur Mer“, „Cara“, „To The Bone“, „PeterPaul“. Und mittendrin, das „Remi“ im Suhrkamp-Verlagshaus von Küchenchef Lode van Zuylen und Stijn Remi. Der 40 Jahre alte Koch hatte vor zehn Jahren mit seinem Geschäftspartner das hochgelobte „Lode & Stijn“ in der Lausitzer Straße in Kreuzberg eröffnet. Acht Jahre lang ein versteckter Champion, oder wie van Zuylen sagt: „Ein Sterne-Restaurant ohne Stern.“

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2020 starteten sie das „Remi“, Ende 2023 gaben sie das Kreuzberger Lokal auf. Bei ihnen war es wie überall: steigende Kosten, sinkende Einnahmen wegen der Sparsamkeit der Menschen. In Mitte brachten sie ein neues Konzept: „Wir nennen es zugängliche Küche im Brasserie-Stil. Nicht mehr strikt Menü, sondern à-la-carte plus ein Chefs-Choice-Menü zum Kennenlernen der Küche. Die Zeiten, in denen man den Gästen auf Dauer vorschreibt: ‚Nur diese Speisenfolge kannst Du hier essen‘, nähern sich dem Ende. Ausnahmen im Sternebereich und in wenigen Fine-Dining-Restaurants bestätigen die Regel“, sagte Lode van Zuylen meinem Kollegen Franz Michael Rohm bei dessen Besuch. Hinzugekommen ist inzwischen noch Felix Fröhlich, der zusammen mit Lukas Freitag das Buch „Vom guten Essen“ veröffentlicht hat.

Remi Restaurant
Rindertatar, Anchovicreme, Schnittlauch im „Remi“.© Franz Michael Rohm | Franz Michael Rohm

Die Preise sind höchst verträglich, wie ich finde. Die Snacks kosten um 7 Euro, Vorspeisen 16 bis 20, Hauptgänge 26 bis 38, Desserts 7 bis 12 Euro, das Drei-Gänge-Chef’s-Choice-Menü mit Gruß aus der Küche und kleiner Überraschung gibt es für 65 Euro pro Person.

Was Franz Michael Rohm zu den Gerichten schreibt, hat mich jedenfalls veranlasst, mir fest vorzunehmen, demnächst mal wieder nach Mitte in die Torstraße zu fahren – auch ohne beruflichen Termin.

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Neuer Betreiber im „Mommseneck“

Social Media hat ja auch sein Gutes. Alle schimpfen über Hass und Hetze, Rassismus, Extremismus und dass die Jugend immer mehr „verblödet“, weil sie nur noch in ihrer Bubble auf TikTok unterwegs ist und jeden Mist nachmacht, den Influencer ihr vormachen. Alles richtig. Aber: Ohne Instagram beispielsweise würde ich vieles nicht mitbekommen, was in der Restaurantszene Berlins so vor sich geht. Köche, Betreiber, Gastronomen: Die meisten verkünden ihre Neuigkeiten nicht per Pressemitteilung, sondern in einem Reel oder einer Story.

Sicher, ich selbst bin nicht allzu aktiv auf Instagram oder Facebook, ich weiß, in meinem Beruf eine Schwäche, mir fehlt meistens einfach die Zeit. Ich bin neudeutsch auf Social Media eher „Content Recipient“ als „Content Creator“, was viele ja inzwischen wirklich als ihren Beruf angeben. Hrm, hrm. Ansonsten würde ich mich eher als Journalist bezeichnen, auch ein Content Creator, vielleicht mit einem anderen Anspruch. Hrm, hrm.

Wie dem auch sei: Am Donnerstag meldete sich besagte Kollegin Stefanie Hofeditz bei mir, weil sie auf Instagram einen Post von Yoram Roth entdeckt hatte. Der betreibt neben anderen auch Institutionen wie das „Clärchens Ballhaus“ und das „Fotografiska“ im einstigen Tacheles.

Der Außenbereich des Einstein Mommsenecks.
Das „Einstein Mommseneck“ hatte im vergangenen Jahr nur wenige Monate geöffnet (Archivbild).© Berliner Morgenpost | Norman Börner

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Roth postete ein Video von Umbauarbeiten. Zwar schrieb er nur „Charlottenburg“ dazu, aber es war klar, wo die Handlung spielte: im „Einstein Mommseneck“, das vergangenes Jahr im April geöffnet und im Dezember schon wieder geschlossen hatte. Viel mehr Informationen gab es nicht, alles Weitere wohl erst Anfang April. Dennoch: Social hatte wieder mal die Nachricht schneller verbreitet als jede andere Quelle. Hier finden Sie das, was die Kollegin exklusiv herausfinden konnte.

Bleibt zu hoffen, dass ihm mehr Erfolg beschieden ist als seinem Vorgänger. Und dass dieses offenbar schwierige Pflaster Giesebrecht- / Mommsenstraße wieder eine dauerhafte Institution bekommt. Sie muss ja nicht mehr als 100 Jahre halten wie das „Haus der 100 Biere“. Aber etwas länger als ein paar Monate wäre schon schön. Wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden, wie es weitergeht.

Ich kümmere mich damit mal wieder um meinen Suppentopf. Eine Kiefer-OP zwingt mich gerade zu einer Rückkehr ins Kleinkindalter mit Brei und Brühe. Karotten-Ingwer-Suppe, Tennengauer Knoblauchsuppe, Pariser Zwiebelsuppe stehen gerade auf dem Programm, immerhin mit selbst gekochter Rinderbrühe und feinsten Roscoff-Zwiebeln aus der Bretagne. Man kann auch stilvoll leiden.

Ihnen wünsche ich von Herzen, dass Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können, viel Spaß mit Oster-Süßigkeiten, beim Schlemmen an der Torstraße, egal im „Remi“ oder einem der anderen Lokale, und natürlich wie immer eine genussvolle Woche.

Herzlich, Ihr

Alexander Uhl

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