Alles daran ist Berlin – eigentlich. Der Berliner Zweisternekoch Tim Raue ist seit knapp einem Jahr für die Ausrichtung des Restaurants „Sphere“ im Berliner Fernsehturm verantwortlich. Und serviert dort auch Currywurst, also den Ur-Berliner Imbiss – auch wenn andere Städte immer wieder behaupten, das Kultgericht sei bei ihnen erfunden worden. Erst im Herbst wurde in Duisburg eine Gedenktafel angebracht, wonach dort der Geburtsort der Currywurst sei.

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Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Tatsächlich sollte man annehmen, dass ein Berliner in DEM Berliner Wahrzeichen auch eine Berliner Currywurst serviert. Doch mitnichten. Stolz verkündet die PR-Firma Candystorm für den Fernsehturm, die Currywurst stamme von der Traditionsfleischerei Dönninghaus. Und die sitzt in Berlin? Mitnichten, sondern in Bochum, im Ruhrpott. „Eine Wurst aus dem Pott, veredelt mit gleich zwei Soßen von Tim Raue, serviert über den Dächern der Hauptstadt: ehrliches Handwerk trifft internationale Bühne“, jubelt sie in der Pressemitteilung.

Currywurst Tim Raue: „Bochumer Identität“ im Berliner Fernsehturm

1937 wurde die Fleischerei von Otto Dönninghaus gegründet, inzwischen führt der Enkel den Betrieb in dritter Generation. Ein schönes Stück erfolgreicher Firmengeschichte. 40.000 bis 50.000 Würste würden hier jede Woche produziert. Nach einer jahrzehntealten Rezeptur und ohne Kompromisse bei der Qualität. Weiter heißt es: „Im Ruhrgebiet ist die Dönninghaus-Currywurst längst mehr als ein Snack: Sie ist ein Stück Bochumer Identität.“ Diese „Bochumer Identität“ gibt es also jetzt im Wahrzeichen der Berliner Identität, auf 207 Metern im Fernsehturm und in der Bar unter dem Restaurant „Sphere“.

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Tim Raue im „Sphere“ im Berliner Fernsehturm.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Raue habe die Bochumer Currywurst im vergangenen Jahr bei den Dreharbeiten zur TV-Serie „Tim Raue isst!“ kennengelernt. „Als Tim Raue plötzlich bei uns in der Fleischerei stand, war das erst einmal surreal“, erinnert sich Dirk Schulz. „Er probierte die Wurst, schaute mich an und sagte sinngemäß: Das ist genau das, wonach ich gesucht habe. Für uns war sofort klar: Das ist etwas Besonderes.“

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Die Bochumer Traditionscurrywurst wird jetzt in Berlin mit zwei Soßen serviert, eine Idee, die laut Pressemitteilung wohl von der „Currybaude“ in Gesundbrunnen stammen soll, wo Raue angeblich am liebsten Currywurst isst. Eine der Soßen werde in der Küche des Fernsehturms zubereitet, mit viel Schärfe, Zwiebeln und Curryschaum. Die zweite basiere auf einem Rezept von Raue und stamme vom Landwirt Torsten Rahlf aus Brandenburg. „So verbinden sich Ruhrgebiet, Berlin und Brandenburg auf einem Teller – handwerklich, regional und präzise.“

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„Dass unsere Wurst jetzt dort oben serviert wird, macht uns unglaublich stolz“, sagt Dönninghaus-Geschäftsführer und Gründer-Enkel Dirk Schulz verständlicherweise. „Wir sind eine klassische Ruhrgebiets-Fleischerei. Kein Konzern, kein Trendprodukt. Und genau diese Wurst, die bei uns seit Jahrzehnten gleich hergestellt wird, gibt es jetzt hoch oben auf dem Berliner Fernsehturm. Das ist für uns und für den Pott ein tolles Zeichen der Anerkennung.“

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Stimmt. Trotzdem dürfte es für viele Berliner wohl auch schwer verdaulich sein, wenn eine Bochumer Spezialität von einem Berliner Zweisternekoch im Berliner Wahrzeichen am Alex serviert wird. Authentisch ist anders.