Eins gleich vorweg: Das Morgenpost-Tasting im Januar ist nichts für all jene, die den „Dry January“ praktizieren wollen. Denn das Team der schicken Bar „Marlene“ im Hotel „Intercontinental Berlin“, deren klare Architektur aus dem Jahr 1958 mit den großen Fensterflächen für viel Licht und Geräumigkeit sorgt, hat sich nicht nur bei den Aromen Mühe gegeben, sondern geizt auch nicht mit den Volumenprozenten.

Der erste Cocktail des ersten Tastings 2024, das ab diesem Monat 55,90 Euro kostet, ist gleich ein Augenöffner. „Over the Fog“ besteht aus Tanqueray Gin, Chartreuse verte, Riesling-Sekt, Lime Juice, Holunderblüte, Basilikum. Dazu serviert der Küchenchef des „Intercontinental Berlin“, Henning Drenkhahn ein Trüffelknusperkissen. Das besteht aus einem getrüffelten Selleriepüree und gebackenem Eigelb mit Blutampfer. Der Cocktail will mit dem Limettensaft die Frische dazugeben, der deutsche Winzersekt sorgt zum Start für etwas Prickelndes, wie Sören Stratmann, stellvertretender Barmanager der „Marlene“ Bar erklärt.
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Der „Over the Fog“ punktet zunächst mal mit feinem Basilikumduft, ist säuerlich erfrischend, prickelnd aber mit süßer Note. Das ist ganz leicht und sommerlich und erinnert aus irgendeinem Grund an die 1920er-Jahre. Das Knusperkissen ist tatsächlich sehr kross, wärmend, mit seiner feinen Trüffelnote und dem aromatischen Püree. Der Drink wird dazu säuerlicher, noch erfrischender. Zudem macht er die Geschmacksknospen wieder frei, sodass man auch das cremige Eigelb dazu genießen kann, mit dem die Basilikumnote im Drink mehr zum Vorschein kommt.

Weiter geht es mit einem Berliner Mi-To. Das ist die hauseigene Variante des allseits bekannten Negroni, der klassischerweise aus Campari, rotem Vermouth und Gin besteht. Hier wurde der Campari mit Kefir und Erdbeere infusioniert, der rote Vermouth mit Kardamom. „Die Erdbeere nimmt etwas die Bitternote aus dem Campari“, erläutert Stratmann. Gleichzeitig wollte man die Süße darin haben, um den Cocktail auf das Gericht abzustimmen.
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Das bringt Drenkhahn: eine Kürbiscrème mit der orientalischen Gewürzmischung Zatar, geräucherter Erde aus Traubenzucker, Naturasche und Räucheröl. Dazu eine Knusperstange aus Filoteig mit Vadouvan, einer weiteren Gewürzmischung.

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Die Erdbeere dominiert beim Drink zunächst in der Nase, was aber sicher auch an der Deko am Glasrand liegt. Entfernt man die, ist der Duft vor allem vom Campari wahrnehmbar, das ist immer noch deutlich bitter mit ausgeprägtem Campari-Aroma und feinem Erdbeer-Nachhall. Der Kürbis geriert sich süß, floral und exotisch mit einer feinen Salznote. Die Knusperstange bringt dann starke Aromatik mit, viel Orient, deutliches Salz, das ist eine gute Ergänzung zu dem süßen Kürbis. Der Cocktail entwickelt jetzt noch mehr Campari-Aroma, das ist ein guter Ausgleich zu dem Fett der Knusperstange und dem cremigen Kürbis, etwas fordernd, aber auch sehr gut.
Vom Orient nach Florida, Hawaii und in den Norden

Kalt geräucherte Eismeerforelle, Buttermilch, eingelegte Gurke bringt der Küchenchef jetzt. „Ein bisschen frischer, nordischer“, sagt Drenkhahn. „Wir machen echt eine gute Reise durch alle möglichen Regionen“, ergänzt er schmunzelnd. Mit dem Drink geht die Reise dann „ans andere der Welt“, schließt sich Stratmann an. „Wir gehen in die Tiki-Richtung, greifen die Buttermlich auf, indem wir den Klaribella Punch mit Milch klären. Deshalb kriegt man diese schöne durchsichtige Farbe mit rein.“ Die Farbe soll die der Eismeerforelle aufgreifen, „der Geschmack ist aber sehr exotisch, sodas man den Kontrast wiederherstellt“. Die Zutaten: Weißer Rum, Old Pascas, Peachtree, Apricot Brandy, Erdbeere, Limette und Ananassaft.
Der Cocktail duftet nach, tja, nach Florida. Da ist Limette vorherrschend, es schwingt aber auch etwas vom Golf von Mexiko mit und erinnert an die Tiki Bars an den Stränden der Keys. Erstmal ist er sehr zart auf der Zunge, mit feiner Säure, viel Ananas, dann kommt die Süße, dann die Säure noch mal. Auf Wiedersehen, grauer Berliner Winter, dieser Drink entführt einen direkt an weiße Strände unter Palmen, tropischer Sonne und türkisblauem Meer. Die Eismeerforelle ist tatsächlich der absolute Kontrast dazu: Erst feine Säure, dann vor allem Dill, dann die Forelle selbst. Das ist sehr frisch zu dem Cocktail und große Klasse. Der Drink wird jetzt noch ananaslastiger, das ist nicht mehr Florida, sondern Hawaii. Der Fisch bekommt dazu wieder mehr Säure, eine fein ausgedachte Kombination aus kühl Nordischem und tropischer Exotik.
Wimbledon inspirierte den „Match Point“ – oder Japan

Exotisch bleibt es auch beim vierten Drink mit seinem Begleitgang. Der „Match Point“, der Name sei inspiriert von Wimbledon, sagt Stratmann, und dem dortigen Rasenplatz, deshalb die Farbe, scherzt er. Tatsächlich kommt die vom Matcha Tee, weitere Zutaten sind Tanqeray No. 10, Tio Pepe Sherry, Limettensaft, Mandelsirup und Eiweiß, das einen weißen Schaum bildet und sozusagen die Grundlinien abbildet, um in dem eventuell nicht ganz ernst gemeinten Bild zu bleiben.
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„Asian Infused Beef Tatar“ bringt Drenkhahn dazu. Rinder-Tatar, das mit Aromen von Yuzu, Wasabi und Ingwer abgeschmeckt wurde, dazu eine Mayonnaise von weißer Sojasauce und Enoki Pilze.
Es mag an der Farbe liegen, aber der „Match Point“ hat tatsächlich ein grasiges Aroma, ist nussig dazu, süß und herb im Nachhall und wirkt eher japanisch als britisch. Die Limette meldet sich spät im Aromenbild. Das Tatar dazu ist fein salzig, mit schönem Kracheffekt, nussig und ganz feiner Schärfe vom Wasabi, der sich da durch bitzelt. Das ist fleischig, erneut exotisch und wirklich gut. Der Drink wird dazu süßer, der Tee kommt etwas mehr nach vorne, die Aromen werden noch grüner. Der Gin meldet sich erst nach mehreren Schlucken, sonst ist der Drink geschmacklich stark im Japanischen verhaftet.

Wer bis hierher alle Cocktails ausgetrunken hat – es fällt schwer, das nicht zu tun –, der dürfte den Alkohol schon deutlich spüren. Dennoch gibt es zum Abschluss noch mal so richtig einen oben drauf. Es gibt einein Old Fashioned. Der wird normalerweise entweder aus Whiskey, aus Rum oder aus Cognac gemacht. Hier ist es aber ein Superlative Old Fashioned, der alle drei Spirituosen enthält, neben einem Dark Rum auch einen Woodford Bourbon Whiskey und einen Remy Martin V.S.O.P. Dazu Chocolate Bitters, Orange Bitters, Angostura Bitters und Ahornsirup. Dazu kommt ein Brandenburger Tiramisu mit Vanille-Birne, Schmand- und Biskuitbrumble und Kirschsorbet.
Der Cocktail ist auch vom Alkohol ein Superlativ, der direkt in den Körper diffundiert, der Whiskey dominiert dabei eindeutig, es kommen noch Bitternoten dazu, die Orange lugt etwas hervor. Das Tiramisu bringt dazu Frische, ist sehr sahnig und süß, die nötige Säure kommt von der Birne. Der Old Fashioned bekommt zu der Süße des Desserts mehr Bitternoten, die braucht hier auch für diesen wuchtigen Abschluss des Tastings im Januar, bevor es sicher innerlich gut gewärmt und beschwingt in die Winternacht geht.
So können Sie das Morgenpost-Tasting in der Bar „Marlene“ reservieren
Fünf Cocktails inklusive Food Pairing gibt es vom 6. bis zum 27. Januar 2024 täglich um 18.30 Uhr für 55,90 Euro pro Person in der Bar „Marlene“ im Hotel „Intercontinental Berlin“, Budapester Straße 2, 10787 Berlin. Reservierungen unter: Tel. 030 / 26020 oder per E-Mail: marlenebar@ihg.com und nur so lange die Plätze reichen.





