Hauptstadtflughafen

Flughafen BER: Am Bahnhof schon für den Airport einchecken

Vom Zentrum aus ist der Flughafen BER künftig mit der Bahn in einer halben Stunde erreichbar. Bahnhöfe könnten einen Check-in bekommen.

Der Bahnhof des BER ist fertig

Der BER eröffnet im Oktober, der dazugehörende Bahnhof ist aber schon fertig.

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Schönefeld. Der neue Flughafen BER soll erst am 31. Oktober eröffnen. Der dazugehörige Bahnhof ist hingegen schon fertig. Längst – muss man sagen. Denn anders als an den Terminals hätte der Flughafenbetrieb aus Sicht der Deutschen Bahn auch schon zur ursprünglichen Eröffnung starten können.

Doch auch am Bahnhof sind in der Zwischenzeit Arbeiten nötig geworden: Altersbedingt hätten Lampen und Akkus der Sicherheitsbeleuchtung ausgetauscht werden müssen, teilt die Bahn mit. Auch die bekannten Belüftungsfahrten sind weiterhin nötig, damit in dem unterirdischen Bauwerk ein ständiger Luftzug herrscht und sich kein Schimmel bildet.

An der Qualität des neuen Bahnhofs habe all das nichts geändert, behauptet Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter für das Land Berlin bei der Deutschen Bahn. „Der BER ist einer der Flughäfen auf der Welt mit dem besten Bahnhofsangebot. Wir sind stolz auf diesen Bahnhof.“ Wer mit der Bahn ankomme, stehe gewissermaßen schon direkt unter dem Flughafen. Die Station verfügt über vier Gleise für den Regional- und Fernverkehr und zwei für die S-Bahn. Das reiche vorerst aus, meint Kaczmarek. „Dieser Bahnhof ist für 125.000 Fahrgäste errechnet worden. Er schafft aber auch noch mehr.“ Wenn der Flugverkehr weiterwachsen sollte, müsse jedoch neu überlegt werden. Aktuell gelte aber: „Da muss sich kein Tourist Sorgen machen, dass er nicht in die Bahn passt.“

Flughafen BER: Es könnte eng werden am Bahnsteig unter dem Airport

Eng könnte es hingegen in Kürze schon am Bahnsteig des neuen Flughafens werden. Im Bereich der Treppenaufgänge zum Flughafen ist die Plattform teils nur etwa zwei Meter breit. Nicht allzu viel, wenn Scharen von Reisenden samt schwerem Gepäck aus dem Zug drängen. Das gebe dann Szenen wie am Potsdamer Hauptbahnhof, kritisiert der Bundesverband des Bahnkunden-Verbands. „Auch der Sicherheitsabstand zwischen Zwischenwand und Leitstreifen ist extrem schmal.“ Dies könnte auch vor dem Hintergrund der Barrierefreiheit nicht unproblematisch werden.

An der Station werden neben Regional- und S-Bahnen auch Fernzüge halten, so Kaczmarek. Zunächst steuert die neue IC-Verbindung von Dresden nach Rostock den Flughafen an. „Dann werden auch Fluggäste aus Dresden sowie dem Süden und Norden Brandenburgs eine direkte Anbindung haben“, sagt er. Künftig könnte es auch noch mehr Anbindungen aus der Ferne geben. „Wir werden uns bemühen, den Flughafen mit dem Fernverkehr anzufahren.“ Die Bahnsteige seien in jedem Fall ICE-geeignet. Jedoch bedeute der Zwischenhalt am BER für die Züge auf der Strecke Berlin-München einen Umweg, machte Kaczmarek klar. Die Fahrzeit verlängere sich dadurch um 20 Minuten. Nicht jeder ICE werde daher den Flughafen anfahren.

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Gemeinde klagt gegen Bau der Dresdner Bahn

Auch wenn die Eröffnung des Flughafens erst Ende Oktober ansteht, will die Bahn nicht so lange warten, bis der Zugbetrieb zum BER startet. „Wir werden den Bahnverkehr nicht erst am Tag der Eröffnung scharf schalten. Das wäre mir zu riskant“, sagt Kaczmarek. Sollten doch noch Probleme im Betrieb auftreten, könnten diese schon gelöst werden, bevor der große Reiseverkehr über die Station hineinbrechen werde. Mit der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) liefen deshalb aktuell Gespräche. Es gebe auch von Seiten der FBB Wünsche, schon früher Züge Richtung Flughafen fahren zu lassen. Auch ein weiteres Thema ist derzeit noch in der Diskussion: ob Reisende den Check-in schon am Bahnhof in der Stadt erledigen können, so Kaczmarek.

Schon fest steht, dass der Bahnhof nicht mehr „Flughafen Berlin Brandenburg“ heißen wird, wenn der erste Zug einrollt. Die Station unter dem BER hört künftig auf den Namen „Flughafen BER Terminal 1-2“. Der bisherige Bahnhof am alten Flughafen Schönefeld steht dann unter „Flughafen BER Terminal 5“ auf der Anzeigetafel. Dies solle den Reisenden helfen, sich zurecht zu finden. Denn einen Weg über das Flughafengelände vom neuen zum alten Airport gibt es nicht. Die Terminals sind nur über die S-Bahn miteinander verbunden.

Insgesamt belaufen sich die Kosten des gesamten Projekts auf 675 Millionen Euro. Enthalten sind darin jedoch auch 18,5 Kilometer neue Fernbahnstrecken, sowie 8,6 Kilometer zusätzliche S-Bahngleise. Fahrgäste brauchen mit der im 10-Minuten-Takt fahrenden S-Bahn vom Hauptbahnhof aus 50 Minuten. Der Flughafenexpress schafft den Weg aus dem Zentrum in einer halben Stunde. Nach der geplanten Inbetriebnahme der Dresdner Bahn 2025 sollen es dann nur noch 20 Minuten sein.

Doch ob das tatsächlich in fünf Jahren der Fall sein wird, ist mittlerweile unklar. Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow hat Klage gegen den Bau der Dresdner Bahn vor dem Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Ein Verhandlungstermin stehe noch aus. Von einem „erheblichen Risiko“ für den Zeitplan spricht Kaczmarek. „Wir hoffen ganz dringend, dass wir da keine Zeitverzögerung erleiden.“