ÖPNV

Verband fordert S-Bahntunnel quer durch Kreuzberg zum BER

Eine neue S-Bahndurchquerung der Berliner Innenstadt fordert der Fahrgastverband Igeb. Die Strecke soll von Spandau bis Treptow führen.

Schon heute fährt die Berliner S-Bahn im Nord-Süd-Tunnel durch die Stadt. Künftig könnte es einen weitere Röhre geben.

Schon heute fährt die Berliner S-Bahn im Nord-Süd-Tunnel durch die Stadt. Künftig könnte es einen weitere Röhre geben.

Foto: Thilo Rückeis TSP / picture-alliance

Berlin. Eine neue S-Bahnlinie von Gartenfeld im Nordwesten einmal quer durch Kreuzberg bis zum Flughafen BER im Südosten. Nichts weniger fordert der Berliner Fahrgastverband Igeb in seinen Plänen für den künftigen Nahverkehr in der Hauptstadt, die am Donnerstag vorgestellt wurden. Der Verband nimmt dafür die aktuellen Pläne für die neue Nord-Süd-Strecke S21 und die Siemensbahn in Spandau zum Ausgangspunkt, um von aus dort das Berliner S-Bahnnetz in der Innenstadt weiterzudenken.

S-Bahn soll als Tunnel durch Kreuzberg führen und neuen Ringbahnhalt bekommen

Ziel ist nicht weniger als eine dritte S-Bahndurchquerung der Berliner Innenstadt. Ein „Jahrhundertprojekt“, wie die Planer betonen. „Uns ist klar, dass es Jahre dauern wird, bis dieses Projekt begonnen wird“, sagte Christfried Tschepe, Vorsitzender der Igeb. Doch ganz wichtig sei, auch bei scheinbar alltäglichen Entscheidungen nichts zu errichten, das dem Großprojekt später den Weg verbaut.

Herzstück der neuen Pläne ist der „Kreuzberger Tunnel“. Südlich vom Potsdamer Platz soll die Strecke nach Osten abbiegen und bis zum S-Bahnhof Plänterwald führen. Unterwegs würde die Röhre auf die U-Bahnhöfe Kochstraße, Moritzplatz und Görlitzer Bahnhof treffen und so den Umstieg auf die U-Bahnlinien U6, U8 und U1/U3 ermöglichen.

Quartier von Kreuzberg „hundsmiserabel angebunden“

Auch einen Halt an der Glogauer Straße sieht das Konzept vor. Dieser Bereich von Kreuzberg sei „ein hochverdichtetes Quartier, das hundsmiserabel angebunden ist“, sagte Jens Wieseke, stellvertretender Igeb-Vorsitzender. Dies würde der neue S-Bahnhalt verbessern, zumal er an dieser Stelle auf die geplante Tramlinie M10 zum Hermannplatz treffen würde.

Im Anschluss träfe die Strecke zwischen den Stationen Treptower Park und Sonnenallee auf den S-Bahnring, wo ein neu zu schaffender Ringbahnhof Kiefholzstraße entstehen würde, ehe die Strecke auf die bestehende S-Bahntrasse in Richtung Treptow einfädeln würde.

Ein S-Bahntunnel quer durch kreuzberg klingt nach einer großen Vision. Und auch der Fahrgastverband geht bei der Realisierung eher von 30 bis 50 Jahren aus. Doch neu ist die Idee nicht. Schon seit den 1930er Jahren gab es Pläne, unter dem Straßenzug der Koch- und Oranienstraße zum Görlitzer Bahnhof einen Tunnel zu bohren und weiter zum S-Bahnhalt Plänterwald zu führen.

Aus dieser Zeit stammen bereits einzelne Tunnelstücke, die für die neue S-Bahnstrecke genutzt werden könnten. So führt bereits heute eine rund 150 Meter lange Röhre vom S-Bahntunnel unter der Stresemannstraße nach Osten in die Niederkichnerstraße. Auch unter dem U-Bahnhof Moritzplatz liege bereits ein leeren Röhrenstück, das für die neue Verbindung genutzt werden könnte.

Der Fahrgastverband fordert neben dieser Zukunftsvision einige andere, als „pragmatisch“ betitelte Pläne für das S-Bahnnetz. So solle die Strecke der Siemensbahn „schnellstmöglich“ wiederhergestellt werden. Der Berliner Senat und der Konzern haben die Wiederherstellung der Trasse von Gartenfeld bis Jungfernheide bereits vereinbart. Igeb fordert hier mehr Tempo. Zudem müsse am S-Bahnhof Jungfernheide ein drittes Gleis entstehen. „Um beim Einfädeln auf die Ringbahn Staus zu vermeiden, braucht es ein drittes Gleis“, sagt Wieseke.

An der Jungfernheide dürfe die Strecke dann nicht enden, sagt Tschepe. „Die Siemensbahn ist nur sinnvoll, wenn sie über den Nordring zum Hauptbahnhof führt.“ Bisher baut die Deutsche Bahn beim ersten Abschnitt der S21 allerdings nur den Bereich Richtung Gesundbrunnen, der im Sommer 2021 eröffnen soll. Die westliche Anbindung an die Ringbahn zum Westhafen müsse deshalb sofort begonnen werden, fordert der Fahrgastverband.

Neben den bestehenden Stationen Beusselstraße und Westhafen, sollten die Züge auf dem ersten Bauabschnitt der S21 dann auch an einem S-Bahnhof Perleberger Brücke halten. Dessen Errichtung ist jedoch bis heute nicht formal vom Senat bei der Deutschen Bahn (DB) bestellt worden. Auch wenn sich alle Beteiligten einig sind, fehlt für den offiziellen Auftrag noch die zwingend nötige Nutzen-Kosten-Analyse. Immerhin ist zwischen Senat und DB vereinbart worden, beim Bau der aktuellen Strecke schon nötige Bauvorleistungen für den Bahnhof zu berücksichtigen.

Eine ähnliche Forderung hatte zuvor die SPD-Fraktion in der BVV Steglitz-Zehlendorf gestellt. Allerdings wollen die Verordneten einen Ausbau der U9 bis nach Lankwitz erreichen, um so das neue Stadtquartier Lichterfelde-Süd besser anzubinden.