IHK-Forderung

BER-Passagiere sollen kostenlos Bus und Bahn nutzen dürfen

Die Berliner Industrie- und Handelskammer fordert Verbesserungen bei der Verkehrsanbindung des neuen Flughafens BER.

Die IHK Berlin sieht weiteren Bedarf, die Verkehrsanbindung des neuen Hauptstadtflughafens BER zu verbessern.

Die IHK Berlin sieht weiteren Bedarf, die Verkehrsanbindung des neuen Hauptstadtflughafens BER zu verbessern.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) hat ihre Forderungen zu Nachbesserungen bei der Verkehrsanbindung des neuen Hauptstadtflughafens BER erneuert. Jochen Brückmann, Bereichsleiter Stadtentwicklung bei der Kammer, legte am Dienstag zwölf konkrete Forderungen auf den Tisch, mit denen die An- und Abreise zum neuen Flughafen flüssiger gestaltet werden könnte. Grundlage für die Handlungsempfehlungen ist eine Studie des Planungsbüros Spreeplan Verkehr GmbH, die bereits im Dezember vorgestellt wurde.

Demnach verlängern sich durch die Eröffnung des BER und die gleichzeitige Schließung des Flughafens Tegel vor allem die Reisezeiten für die Menschen, die im Nordwesten Berlins wohnen. Für viele andere Einwohner der deutschen Hauptstadt würde sich die Erreichbarkeit eines Airports jedoch verbessern, sagte Bertram Teschner von Spreeplan Verkehr.

Bis zum Jahr 2040 würde sich aber die Reisezeit auf der Straße durch die wachsende Bevölkerung in der Region weiter verlängern. Ähnliches gilt für den ÖPNV. Auch im öffentlichen Nahverkehr würde der Druck auf die Ringbahn- und die U-Bahnlinien weiter zunehmen, sagte Teschner.

IHK will auf den Straßen auch Platz für den Wirtschaftsverkehr schaffen

IHK-Bereichsleiter Brückmann sagte, eine schnelle und stabile Verkehrsanbindung zum BER sei die Voraussetzung dafür, dass die wirtschaftliche Entwicklung in der Region weiter erfolgreich weitergehe. Einen funktionierenden ÖPNV bezeichnete er als Standortvorteil. Brückmann betonte auch, dass die Kammer grundsätzlich dafür sei, unnötige Individualverkehr zu vermeiden, um Platz auf den Straßen für den notwendigen Wirtschaftsverkehr zu schaffen.

Um mehr Menschen bei der An- und Abreise zum neuen Flughafen auf die Schienen zu bringen, schlug die IHK unter anderem vor, ein sogenanntes Kombiticket aus Flug und öffentlichem Nahverkehr anzubieten. Fluggäste mit gültigem Ticket könnten dann kostenlos Bus und Bahn nutzen, um zum Airport oder in die Innenstadt zu gelangen.

CDU unterstützt Forderung nach kostenlosem ÖPNV-Ticket für Fluggäste

Unterstützung für ihre Forderung erhielt die IHK am Dienstag auch von der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus. Man müsse alles daransetzen, ein Verkehrschaos nach der geplanten BER-Eröffnung Ende des Jahres zu vermeiden, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Partei, Oliver Friederici. „Wir halten es für sinnvoll, dass das Flugticket auch zur kostenlosen Nutzung des Nahverkehrs für die An- und Abreise im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) berechtigt. Die Kosten dafür müssten die Fluggesellschaften bei ihrer Kalkulation berücksichtigen und dem VBB erstatten“, so Friederici.

Mit Blick auf die ÖPNV-Anbindung des neuen Flughafens plädierte die Kammer zudem für eine zeitnahe Umsetzung der bereits beschlossenen Maßnahmen im Nahverkehrsplan. Dazu gehörten etwa die Ausweitung der Straßenbahn und ein zweigleisiger Ausbau der S-Bahn, sagte Brückmann. Darüber hinaus sollte der ÖPNV weiter ausgebaut werden. Konkret nannte die IHK als Forderung die Verlängerung der U-Bahnlinie 7 bis zum BER. Ferner müsste der BER auch in den Randzeiten für Passagiere und Mitarbeiter gut erreichbar sein. „Vor allem zwischen drei und vier Uhr ist eine bessere Taktung der Züge notwendig“, sagte Brückmann.

IHK nennt Taxi-Streit am BER „hanebüchen“

Als schnelle Maßnahme im Straßenverkehr schlug die IHK eine Analyse von zehn besonders stark belasteten Verkehrsknotenpunkten in der Stadt vor. Die Kosten für die Analyse schätzt die Kammer auf rund 400.000 Euro. Davon erhofft sich die IHK vor allem Verbesserungen bei der Ampelschaltung an den jeweiligen Stellen und so einen flüssiger fließenden Verkehr.

Darüber hinaus plädierte die Kammer für eine bessere Koordination von Baustellen und eine Konzipierung von Ausweichrouten für verkehrliche Nadelöhre. Verkehrsforscher Teschner nannte als mögliche Umfahrungen für die A113 den Tempelhofer Damm und das Adlergestell.

Laut Brückmann sollte der Senat zudem schnell die Zusammenarbeit mit dem Land Brandenburg verbessern. Die aktuelle Taxi-Regelung bezeichnete er als „hanebüchen“. Nach derzeitigem Stand können nach der Eröffnung des BER Berliner Taxis zwar Personen aus Berlin zum BER befördern, jedoch keine Passagiere vom Flughafen in der Stadt. Eine ähnliche Regelung gilt auch für die Taxifahrer aus Brandenburg mit Blick auf Beförderungen von und zum BER. „Leerfahrten für Taxis sind das allerschlimmste“, sagte Brückmann. Eine Einigung mit Brandenburg koste kein Geld, sondern nur Zeit für die Abstimmung. „Das muss passieren“, so Brückmann.