Berliner Flughäfen

BER soll am 31.10.2020 öffnen - Tegel acht Tage später zu

Erstmals seit der geplatzten Eröffnung im Juni 2012 gibt es wieder ein konkretes Datum für den BER-Start - und für die TXL-Schließung.

BER: Chronologie eines Pannenflughafens

Der Hauptstadtflughafen ist längst zum Witz verkommen. Wir fassen die Pleiten und Pannen der letzten Jahre zusammen.

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Berlin/Schönefeld. Der neue Hauptstadtflughafen BER soll am 31. Oktober 2020 eröffnen. Diesen Termin nannte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup den Aufsichtsräten bei der Sitzung am Freitag. Die Kontrolleure hielten dieses Zieldatum für plausibel. Damit gibt es nun erstmals seit dem seinerzeit kurzfristig geplatzten Eröffnungstermin 3. Juni 2012 wieder ein konkretes Datum, an dem die ersten Passagiere am neuen Terminal abgefertigt werden sollen. Sollte der Termin gehalten werden, wären seit dem Beginn der Bauarbeiten 14 Jahre vergangen.

Der Umzug von Tegel soll in drei Schritten erfolgen. Zuerst verlegt Easyjet seine Aktivitäten komplett an den BER. Weitere Airlines folgen am 4. November, die restlichen am 7./8. November. Danach wird am TXL kein kommerzieller Flugverkehr mehr stattfinden. Die Infrastruktur wird noch „am Leben erhalten“ und die Anlagen bewacht, aber Verkehr werde es nicht mehr geben, sagte der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup: „Wir haben noch elf Monate harter Arbeit vor uns.“

Flughafen BER in Berlin: Offizieller Eröffnungstermin "belastbar und realistisch"

Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte, der Termin sei „belastbar und realistisch“. Die Mängel, die es noch gebe, seien bekannt. „Wir sind nicht in einer Situation, wo wir uns auf unseren Lorbeeren ausruhen können“, sagte Bretschneider. Es bestehe noch eine „Menge komplexer Handlungsbedarf“ am BER. Aber auch der TÜV habe in der Sitzung bei aller Kritik den Eindruck erweckt, dass er sehe, dass die Gesellschaft auf einem guten Weg sei, so der Aufsichtsratschef.

Kommentar: Es gibt einen Termin für den BER - aber keine Baufreigabe

Der 31. Oktober 2020 ist ein Sonnabend, viele feiern Halloween. Die Herbstferien sind vorbei, der Wechsel zum Winterflugplan steht noch bevor. Um den logistischen Kraftakt eines Umzugs großer Teile der Materialien und Mannschaften von Tegel zum BER zu bewerkstelligen, dürfte es leichter fallen, wenn der Berufsverkehr an einem Sonnabend geringer ausfällt als üblich. „Wir haben nach der risikoärmsten Situation gesucht“, sagte Lütke Daldrup.

Flughafen BER - Neuer Eröffnungstermin: Alle Details in Kürze

  • Der Flughafen BER soll am 31. Oktober 2020 eröffnen
  • Acht Tage später, am 8. November, soll der Flughafen Tegel (TXL) schließen
  • BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup kann den neuen Eröffnungstermin "nach menschlichem Ermessen" garantieren
  • Die Eröffnung des Erweiterungsterminals T2 am 31. Oktober 2020 ist laut Lütke Daldrup "wahrscheinlich"
  • Die erste Maschine, die am BER abhebt, soll ein Easyjet-Flieger sein
  • Der Umzug von Tegel zum BER soll in drei Schritten erfolgen

Am Flughafen BER werden derzeit die letzten Mängel beseitigt

Der Flughafenchef ist sich sicher, den Termin auch halten zu können, allen Widrigkeiten zum Trotz. Noch sind sie auf der Baustelle fieberhaft dabei, die letzten Mängel zu beseitigen. In dieser Woche war ein Bericht des TÜV aus dem September bekannt geworden, in dem die Prüfer noch zahlreiche Mängel in den Kabeltrassen aufführten und eine längere Prüfung in Aussicht stellten. Kabel seien nicht richtig verlegt, Starkstrom läge neben normalen Leitungen, zudem fehle in vielen Fällen die nötige Bezeichnung für die Kabel.

Lütke Daldrup versicherte aber, der TÜV habe am Freitag einen positiveren Bericht über die Situation vorgelegt. Bis zum 20. Februar 2020 sollten die 98 Verteilerbereiche komplett durchgeprüft sein, danach müsse man eventuell noch Reste abarbeiten. Im April soll der Probebetrieb ORAT am BER beginnen. Ab Sommer sollen dazu auch Komparsen eingesetzt werden.

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Pannen-Flughafen: Prüfungen sollen im Zeitplan liegen

Dass Lütke Daldrup anders als zunächst geplant seine Baufertigstellungsanzeige für das Hauptterminal noch nicht bei der Baubehörde abgegeben hat, müsse nicht zu einer verzögerten Genehmigung führen, hieß es. Denn die Beamten seien schon seit der Wirk-Prinzip-Prüfung zum Zusammenspiel der technischen Anlagen in die Abnahme einbezogen.

Sie bekommen die Unterlagen entsprechend den Fortschritten und können sie schon untersuchen, ehe die eigentliche Baufertigstellung mitgeteilt wird. Auch die Behörde habe ein Interesse, nicht auf einen Schlag alle Akten vorgelegt zu bekommen. Auch diese Prüfungen lägen im Zeitplan.

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Flughafen BER: Easyjet-Maschine soll erstes startendes Flugzeug sein

Eine orangefarbene Easyjet-Maschine soll am 31. Oktober 2020 das erste Flugzeug sein, das am neuen Hauptstadtflughafen BER abhebt. Der britische Billigflieger, größter Kunde der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, soll im ersten Schritt von Tegel an den neuen Airport umziehen. Die zweite Tranche mit weiteren Airlines folgt am 4. November. Und am 7. und 8. November verlassen die letzten Fluglinien den Tegeler Flughafen.

Am TXL wird dann, wenn die Pläne des Flughafenchefs Engelbert Lütke Daldrup und des Aufsichtsrates aufgehen, die Zeit der kommerziellen Luftfahrt zu Ende sein. Zwar müsse die Flughafengesellschaft die Infrastruktur noch ein halbes Jahr erhalten. Aber Fluglotsen und Feuerwehr und anderes Personal sind dann abgezogen und werden am BER eingesetzt.

Für den Umzug hat Lütke Daldrup die Zeit nach den verkehrsreichen Herbstferien ausgesucht. In den drei Schritten sei es auch möglich, die Mitarbeiter der Flughafengesellschaft und der Dienstleister so einzusetzen, dass sie das Arbeitspensum des Umzugs mit zeitweisem Doppelbetrieb in Tegel und am BER auch bewältigen können. Ein Vorteil sei, dass man anders als bei der geplatzten Eröffnung 2012 am alten Terminal in Schönefeld 13 Millionen Passagiere im Jahr abfertige und somit über eine sehr erfahrene Mannschaft verfüge.

BER-Chef Lütke Daldrup kann Eröffnungstermin „nach menschlichem Ermessen“ garantieren

Der Flughafenchef sagte, „nach menschlichem Ermessen“ könne er den Eröffnungstermin 31.10. garantieren. „Der BER wird fliegen“, sagte „ELD“. Bis dahin müssten aber noch die letzten Arbeiten auf der Baustelle beendet und die Dokumente für die Baufertigstellungsanzeige komplettiert werden. Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider zeigte sich zuversichtlich: „Wir glauben, wir schaffen das“, sagte Bretschneider. Die Situation sei eine völlig andere als 2012. Damals hatte die Flughafengesellschaft die Eröffnung drei Wochen vor dem Termin absagen müssen. Es begann die lange Geschichte von Baupannen, gerissenen Eröffnungsterminen und wechselnden Flughafenchefs.

Der Optimismus des Flughafenchefs und seines Aufsichtsratschefs basiert auf einer neuen Einschätzung der Prüfer des TÜV Rheinland. Noch im September hatten sie von 2000 Mängeln vor allem an den Kabeltrassen berichtet und gewarnt, die Prüfung könne sich bis in den Juni hinziehen. Damit wäre ein Starttermin im Herbst nicht möglich gewesen.

Zwischenzeitlich habe es aber durch „harte, konzentrierte Arbeit“ Fortschritte gegeben, sagte Lütke Daldrup. Der TÜV habe ein neues Prüfkonzept umgesetzt. Nun seien die Hälfte der 98 Verteilerbereiche abschließend untersucht, bis zum 20. Februar wolle der TÜV durch sein. „Die Bilanz ist positiv“, versicherte der Flughafenchef.

Terminal T2 könnte zum Start des BER betriebsbereit sein

Er geht auch davon aus, dass der zur Erweiterung des Hauptterminals entstehende Terminal 2 für sechs Millionen Passagiere pro Jahr mit dem Start des BER betriebsbereit sein wird. Das sei zwar nicht zu garantieren, aber sehr wahrscheinlich. Es gebe entsprechende Zusagen des Generalunternehmers.

Die Fluggesellschaften legen viel Wert auf diese zusätzlichen Abfertigungskapazitäten. Denn sie befürchten, dass es sonst am neuen BER gleich nach Start eng werden könnte.

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Reaktionen auf den Eröffnungstermin am Flughafen BER

Etliche Berliner Politiker trauen dem Frieden noch nicht so recht. „Ankündigungen gab es schon einige, und auch der aktuelle Zeitplan ist sehr ambitioniert, deshalb ist Skepsis weiter angesagt“, sagte Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek am Freitag.

Ihr FDP-Kollege Sebastian Czaja erklärte: „Es sind noch viel zu viele Faktoren ungewiss, als dass man diesem willkürlich benannten Tag überhaupt Glauben schenken kann - das lehrt allein schon die Erfahrung. Erst am Morgen des 31. Oktober 2020 wird sich zeigen, ob dieses Trauerspiel wirklich sein Ende gefunden hat.“

Der AfD-Politiker Frank-Christian Hansel meinte, der Termin habe nichts mit der Realität zu tun. „Es ist angesichts der nach wie vor zahllosen Probleme auf der Baustelle nahezu ausgeschlossen, dass der BER tatsächlich am 31. Oktober des nächsten Jahres in Betrieb geht.“

Der Grünen-Vorsitzende Werner Graf wandte sich gegen eine Erweiterung des BER. „Der Luftverkehr schadet nicht nur dem Klima, sondern belastet die Menschen auch massiv mit Lärm und Ultrafeinstaub. Ein weiterer Ausbau des BER darf nicht unser Ziel sein.“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kommentierte den Termin zuversichtlich. Er sei optimistisch, „dass es diesmal klappt“, teilte Woidke am Freitag mit. „Ich habe großes Vertrauen in die Geschäftsführung, dass der BER in elf Monaten tatsächlich an den Start gehen wird.“ Am neuen Flughafen könnten zusätzliche internationale Verbindungen der Wirtschaft der Region weiteres Wachstum und neue Arbeitsplätze bringen.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus betonte, der Termin schaffe Planungssicherheit. Die Freien Wähler im Brandenburger Landtag sprachen dagegen von einem „rabenschwarzen Tag“ für zehntausende Betroffene im Umfeld des Flughafens. Bis zur Eröffnung müssten alle Schallschutzmaßnahmen umgesetzt sein, forderte der Abgeordnete Matthias Stefke.

Die Lufthansa begrüßte den Termin als „positives Signal“. „Damit legt sich die Flughafengesellschaft fest“, teilte die Fluggesellschaft mit. „Jetzt kommt es darauf an, dass der angestrebte Zeitplan eingehalten wird“, hieß es weiter von der Lufthansa. Die Lufthansa-Gruppe ist hinter der britischen Airline Easyjet der zweitgrößte Anbieter in Berlin.

Der Flughafen BER und die geplatzten Eröffnungstermine - eine Übersicht

Der Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg hat eine lange Geschichte. Wegen Planungsfehlern, Technikproblemen und Baumängeln wurde die Eröffnung des BER seit Baubeginn sechs Mal verschoben. Die Serie verpasster Termine:

  • Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen.
  • September 2006: Erster Spatenstich. Der 30. Oktober 2011 wird als Eröffnungstermin festgelegt.
  • Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung auf den 3. Juni 2012 verschoben.
  • Mai 2012: Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung abgesagt. Wenige Tage später wird der 17. März 2013 als neues Datum für die Inbetriebnahme genannt.
  • September 2012: Eine Analyse des Technikchefs Horst Amann ergibt zahlreiche Mängel über den Brandschutz hinaus. Der Aufsichtsrat verschiebt die Eröffnung auf den 27. Oktober 2013.
  • Januar 2013: Auch der Termin 27. Oktober platzt, Amann führt inzwischen eine Liste mit Zehntausenden Baumängeln. Die Eröffnung wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
  • Dezember 2014: Auf Vorschlag von Flughafenchef Hartmut Mehdorn beschließt der Aufsichtsrat einen Zeitplan mit Ziel einer Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017. Baulich soll das Milliardenprojekt im März 2016 fertig sein.
  • August 2015: Der neue Flughafenchef Karsten Mühlenfeld räumt ein, die Baufertigstellung werde nicht bis März 2016 gelingen. Grund sei die Insolvenz des Gebäudetechnikausrüsters Imtech Deutschland.
  • März 2016: Der Flughafen muss umfangreiche Genehmigungsunterlagen an mehreren Stellen nachbessern, möglicherweise auch noch mehr umbauen. Das ergibt sich aus Nachforderungen des Bauordnungsamts.
  • Januar 2017: Mühlenfeld verschiebt die Eröffnung ins JAHR 2018. Auf der Baustelle gab es immer wieder neue Probleme, darunter Türen, die sich nicht steuern lassen, und Sprinkler, aus denen es nur tröpfelt.
  • Dezember 2017: Der Aufsichtsrat und der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup verständigen sich darauf, den Flughafen im Oktober 2020 in Betrieb zu nehmen. Tegel soll dann schließen, das alte Schönefelder Terminal vorübergehend in Betrieb bleiben.
  • September 2019: Nach TÜV-Prüfungen bekräftigen Aufsichtsrat und Vorstand den Zeitplan. Lütke Daldrup: „Wir haben viele Detailthemen, aber einen echten Showstopper haben wir nicht.“
  • 29. November 2019: Flughafenchef Lütke Daldrup legt sich fest: Der BER soll nun am 31. Oktober 2020 in Betrieb gehen.

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