Neuer Chef der Berliner Flughafengesellschaft wird der frühere Rolls Royce-Manager Karsten Mühlenfeld. Mit massivem Druck setzten die Vertreter der Bundesländer Berlin und Brandenburg die Personalie im Aufsichtsrat gegen den Widerstand des Bundes durch.
Das teilte der Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung in Schönefeld bei Berlin mit. Ein Datum nannte Bretschneider zunächst nicht. Die Entscheidung im Aufsichtsrat sei mit großer Mehrheit gefallen. Mehdorn will spätestens Ende Juni den Chefposten aufgeben.
Am Ende musste das Kontrollgremium die Nachfolge von Flughafenchef Mehdorn mit einer Kampfabstimmung durchsetzen. Berlin und Brandenburg verfügen über acht Sitze in dem 15-köpfigen Gremium.
Mühlenfeld stammt aus Mariendorf und leitete jahrelang das boomende Werk des britischen Triebwerkherstellers Rolls Royce in Dahlewitz im Süden Berlins. In dieser Funktion hatte ihn Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kennen und schätzen gelernt. Inzwischen arbeitet Mühlenfeld als Entwicklungschef für den Bahnhersteller Bombardier, kann aber aus seinem noch jungen Vertrag wieder aussteigen.
Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), begrüßte die Entscheidung des BER-Aufsichtsrats: "Es ist gut, dass es nun endlich eine Entscheidung für die Führung des BER gibt.Karsten Mühlenfeld ist ein erfahrener Manager, der das Zeug dazu hat, das Projekt rasch zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Für den BER bedeutet das endlich Klarheit und Planungssicherheit."
Hinter der Idee, mit Mühlenfeld einen eher unbekannten Manager vorzuschlagen und durchzusetzen, steckt eine gemeinsame Strategie von Woidke und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD). Beide sind überzeugt, dass das Führungsteam des BER nun eher keinen dominanten zweiten Mehdorn an der Spitze brauchen kann.
Ein Alphatier als Geschäftsführer könnte den vereinbarten Zeitplan zur Eröffnung im Herbst 2017 noch einmal in Frage stellen wollen, so ihre Befürchtung. Über Wochen hatten sich die beiden Länderchefs bemüht, von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Zustimmung zu dieser kleinen Chef-Lösung zu bekommen. Vor allem ging es ihnen darum, dass Technik-Chef Jörg Marks in Ruhe seine Arbeit bei Umplanung und Umbau der Brandschutzanlage fortsetzen kann.
Bund wollte erfahrenen Airport-Manager
Der Bund hätte lieber einen erfahrenen Airport-Manager an der Spitze gesehen. In den vergangenen Wochen waren zahlreiche Namen von möglichen Mehdorn-Nachfolgern gehandelt worden. Flughafenchef Hartmut Mehdorn will spätestens 30. Juni den Chefposten aufgeben.
Der neue Chef wird die schwierige Aufgabe haben, den neuen Airport bis Ende 2017 fertigzustellen. Planungsfehler und Baumängel haben das Projekt schon mehr als drei Jahre in Verzug gebracht.





