Pannenflughafen

Was vom neuen BER-Chef Karsten Mühlenfeld jetzt erwartet wird

Ex-Rolls-Royce-Manager Karsten Mühlenfeld wird kein neuer Ober-Boss am BER - im Stile von Vorgänger Hartmut Mehdorn. Stattdessen soll er die krisengeplagte Flughafengesellschaft als Teamspieler leiten.

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Der frühere Rolls-Royce-Manager Karsten Mühlenfeld soll das krisengeplagte Berliner Flughafenprojekt BER vollenden. Er stellte sich am Freitag nach dem Beschluss des Aufsichtsrats als Nachfolger von Hartmut Mehdorn vor, der den Posten spätestens im Juni aufgibt.

Zu seiner Motivation, die neue Aufgabe zu übernehmen, sagte der künftige neue Chef: „Ich komme aus der Region, ich kenne mich in Brandenburg und Berlin bestens aus. Für mich ist es eine große Herausforderung, diesen Flughafen fertigstellen zu dürfen.“ Die mehrmals verschobene Eröffnung wurde von Mehdorn auf die zweite Hälfte 2017 festgelegt.

Mühlenfeld war schon lange Favorit des Potsdamer Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD). Er soll aber kein zweiter Mehdorn als Ober-Boss des BER werden, sondern die bisherige Führungsmannschaft der Flughafengesellschaft eher als Teamspieler leiten. Insbesondere Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte darauf gedrungen, dass Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster und der Leiter Betrieb, Elmar Kleinert, ebenso weiter arbeiten können wie Technik-Chef Jörg Marks, der für die Lösung der technischen Probleme am BER verantwortlich zeichnet.

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Der Neue soll vor allem die Koordination der Geschäftsführung übernehmen und die zahlreichen Auftritte vor Parlamentsausschüssen und anderen Gremien absolvieren. Von ihm wird erwartet, dass er planerische Vorarbeiten von Marks zur Lösung der Probleme mit der Brandschutzanlage übernimmt und sich nicht in das erfolgreich laufende Management der beiden alten Flughäfen Tegel und Schönefeld einmischt.

Veränderungen im Aufsichtsrat

Als Gegenleistung dafür, dass Berlin Mühlenfeld akzeptiert und nicht auf den früheren Bombardier-Chef Michael Clausecker bestanden hat, darf das Land den Vorsitzenden des Aufsichtsrates stellen. Brandenburg verzichtet darauf, den neu ins Gremium eingezogenen ehemaligen Rolls-Royce-Manager Axel Arendt zum Vorsitzenden wählen zu lassen. Im Kontrollgremium wird es massive Veränderungen geben. Nachdem Woidke nicht in den Aufsichtsrat gehen wollte und auch seine brandenburgischen Minister aus dem Gremium ausgeschieden sind, sieht sich auch Müller in der Pflicht, sein Mandat abzugeben. Denn sonst hätten alle immer auf ihn als Ministerpräsidenten geschaut. So verlassen der Regierende Bürgermeister sowie sein Innensenator und Koalitionspartner Frank Henkel (CDU) den BER-Aufsichtsrat.

Als neuen Vorsitzenden will Müller seinen Vertrauten Engelbert Lütke Daldrup installieren. Der Regierende hatte den Sozialdemokraten als Staatssekretär in die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geholt, als er dort noch Ressortchef war. Jetzt soll der 58-Jährige neben dem Wohnungsneubau auch den Flughafen übernehmen. Ihm zuarbeiten soll ein neues Sonderreferat, das aus zwei Mitarbeitern der Senatskanzlei und weiteren Experten aus den Verwaltungen bestehen soll. Müller hat den Eindruck, dass die bisherige Unterstützung, die sich sein Vorgänger Klaus Wowereit für die Arbeit im Aufsichtsrat organisiert hatte, nicht ausreichend war. Lütke Daldrup kennt das Flughafenprojekt aus seiner Zeit als Staatssekretär im Bundesbauministerium. Für den damaligen SPD-Minister Wolfgang Tiefensee saß der Stadtplaner von 2006 bis 2009 im BER-Aufsichtsrat.

An Stelle Henkels soll dessen Staatssekretär Bernd Krömer in den Aufsichtsrat gehen. Dem zugrunde liegt die Überlegung, den Koalitionspartner CDU nicht komplett aus der Verantwortung für das wichtigste Infrastrukturprojekt der Region zu entlassen. Auch Finanz-Staatssekretärin Margaretha Sudhoff soll Aufsichtsrätin bleiben, um dort über die künftigen Geld-Wünsche des Flughafens zu wachen. Um mehr technischen Sachverstand auf die Berliner Aufsichtsrats-Bank zu bringen, könnte später der Hotelier Michael Zehden durch einen Bau-Experten ersetzt werden.

Indem die erste Reihe von Politikern aus dem Kontrollgremium verschwindet, soll die Rolle der Gesellschafterversammlung gestärkt werden. Müller, Woidke und Bundesbauminister Alexander Dobrindt (CSU) werden sich künftig dreimal pro Jahr treffen, um die wichtigsten Entscheidungen für den BER wie neuen Finanzbedarf oder künftige Erweiterungen des Flughafens zu beraten und zu entscheiden.

Dobrindt zögerte lange

Bis zuletzt hatte Dobrindt gezögert, sein Okay zu diesem von Berlin und Brandenburg seit Wochen gemeinsam vertretenen Weg für die Zukunft des BER-Projekts zu geben. Noch vergangene Woche hatte der Minister öffentlich erklärt, man habe keine Eile, die Nachfolgefrage an der Spitze des BER zu klären, weil Hartmut Mehdorn ja bereit sei, bis Juni weiter zu arbeiten. Aber der frühere Bahn-Chef selbst hatte erklärt, dass eine schnelle Entscheidung im Sinne der Firma nötig sei. Dobrindt lenkte schließlich ein. Ihm wurde klar, dass es auch für ihn einen politischen Schaden bedeuten würde, sollte der Zeitplan zur BER-Eröffnung sich weiter verzögern. Denn im Herbst 2017 ist Bundestagswahl, da könnte auch der Flughafen-Gesellschafter Dobrindt aus Bayern die Eröffnung des Pannen-Airports gut vertragen.