Am Tag vor der Sondersitzung des Flughafen-Aufsichtsrates zur Besetzung des Geschäftsführerpostens waren die Protagonisten bestrebt, mit zahlreichen Telefonaten zwischen Berlin, Brandenburg und verschiedenen Vertretern der Bundesregierung doch noch eine Lösung für die Nachfolge von Hartmut Mehdorn zu finden. Am Donnerstag war bis zum Abend ein Scheitern der Sitzung, die um 14 Uhr auf dem BER beginnt, nicht ausgeschlossen. Auch eine Kampfabstimmung der beiden Länder gegen den Bund wollten führende Aufsichtsräte nicht ausschließen.

Die Anteilseigner Berlin und Brandenburg, die zusammen 74 Prozent an der Flughafengesellschaft halten, drängen auf eine schnelle Entscheidung, um das Projekt des BER nicht weiter zu verzögern.

„Ich fahre zum Aufsichtsrat mit der Erwartungshaltung, zu entscheiden“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Rande der Plenarsitzung der Berliner Morgenpost. „Wenn der Bund das nicht mittragen kann oder will, erwarte ich zumindest eine klare Perspektive, wie er sich die nächsten Schritte vorstellt“, sagte Müller. Das geschehe jedoch im Moment nicht.

Mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist sich Müller einig, schnelle einen neuen Geschäftsführer zu bestellen. Favorit vor allem der Brandenburger ist dem Vernehmen nach der ehemalige Leiter des Dahlewitzer Rolls Royce-Werkes, Karsten Mühlenfeld. Auch über eine neue Struktur des Aufsichtsrates ohne die Teilnahme von Landesministern oder Regierungschefs sowie über den Vorsitz des Kontrollgremiums sollen die beiden Sozialdemokraten sich einig sein. Beide Länder sind schon seit mindestens einem Monat entscheidungsfähig. Der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht den Zeitdruck jedoch nicht.

Dobrindt setzt auf einen erfahrenen Flughafen-Manager

Außerdem ist Dobrindt nicht von der grundsätzlichen Philosophie der Personalie überzeugt. Die Länder wollen eher eine Ergänzung des bestehenden Leitungsteams der Flughafengesellschaft. Denn Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster, Technik-Chef Jörg Marks und der Leiter Betrieb, Elmar Kleinert, machten eine ordentliche Arbeit.

Vor allem an Marks hängt es, ob der geplante Umbau der nicht funktionierenden Entrauchungsanlage gelingt und der BER wie geplant im Herbst 2017 eröffnen kann. Kleinert muss bis dahin vor allem den stark überlasteten Flughafen Tegel funktionstüchtig halten und das weitere Wachstum des Berlin-Flugverkehrs ermöglichen. Der neue Chef sollte eher eine koordinierende Funktion einnehmen und das BER-Projekt nach außen vertreten.

Der Bundesverkehrsminister setzt hingegen auf einen erfahrenen Flughafen- oder Airline-Manager, der die alleinige Führung übernehmen soll. Zwar gab es Signale, von dieser Position abzurücken und auf die Länder einzugehen, aber letztlich ist das noch nicht erfolgt.

Im Berliner Abgeordnetenhaus war am Tag vor der schicksalhaften Sitzung der BER und der Machtkampf der Gesellschafter kein Thema. Die Opposition stellte keine einzige Frage an den Regierenden Bürgermeister. „Der Regierende möchte derzeit weder dem Parlament noch der Öffentlichkeit etwas erzählen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop.