Es war fast wie in alten Zeiten, als man noch dachte, der neue Hauptstadtairport BER wird eine ganz große Erfolgsgeschichte. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) leitete nach der Aufsichtsratsitzung die Pressekonferenz.
Zwar hatte er im Januar 2013 den Vorsitz im Kontrollgremium an Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) abgegeben, doch dieser war „krankheitsbedingt verhindert“, hieß es.
Wowereit war gut drauf, das sah man gleich. Er trug einen blauen Anzug, der oberste Hemdknopf war offen, die Haare hatte er nach hinten gegeelt. Nichts war mehr zu sehen von der Frustwolke, die ihn in den vergangenen Wochen oft umgeben hatte. Wowereit hatte schließlich auch eine gute Nachricht zu vermelden.
Ihm zur Seite saß eine blonde Dame, die neue Finanzchefin der Flughafengesellschaft. Heike Fölster wird sich ab dem 21. Mai 2013 in das Zahlenwerk des BER vertiefen. „Wir freuen uns, dass wir eine ausgewiesene Finanzexpertin wie Frau Fölster für diese Aufgabe gewinnen können“, sagte Wowereit. Wie man schwer übersehen könne, sei Heike Fölster eine Frau, so Berlins Regierungschef. Und das findet er erst recht gut, denn „dadurch verbessert sich der Frauenanteil in der Geschäftsführung“, so Wowereit.
Fölster hat seit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Finanzbereich verschiedener Mittelständler und Großunternehmen gesammelt und findet die neue Aufgabe „sehr spannend.“ Technikchef Horst Amann lernte sie heute erst kennen, mit Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat sie bereits einmal zusammen gearbeitet, als dieser Vorstand bei der Deutschen Aerospace (DASA) war.
Fölster, die im Laufe ihrer Karriere unter anderem auch für die Finanzen des Flughafens Hamburg zuständig gewesen war, verwechselte bei ihrer Vorstellung den BER mit dem Flughafen Hamburg. Vielleicht sogar ein gutes Zeichen. Denn ganz offensichtlich kennt sie sich mit den Finanzen eines Flughafens aus.
„Sprint“ wohl etwas zu schnell gestartet
Es hätte also ein richtiger guter Tag im Besucherzentrum am BER werden können, wenn da nicht die Frage gewesen wäre, was sich auf der Baustelle seit dem 8. Mai 2012 eigentlich getan hatte. An dem Tag vor einem Jahr wurde die für Juni 2012 geplante Eröffnung abgesagt. Bitter sei das gewesen, sagte Wowereit. Aber die Bestandsaufnahme der Fehler sei nun abgeschlossen und jetzt sei man dabei, ein Gesamtkonzept für die Eröffnung zu erarbeiten.
An der Stelle wirkt es allerdings, als ob der neuen Flughafenchef Hartmut Mehdorn mit seinem Beschleunigungsprogramm „Sprint“ etwas zu schnell gestartet sei und der Tross an Gesellschaftern ihm dabei nicht immer ganz folgen kann. In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass Mehdorn den BER scheibchenweise ans Netz bringen und auf Tegel als Ausweichmöglichkeit zurückgreifen will.
Wowereit ist zwar grundsätzlich mit einer Teileröffnung des BER einverstanden. Allerdings sei Mehdorn noch nicht so weit, „dass er hier ein Gesamtkonzept vorlegen kann, über das der Aufsichtsrat beraten und abstimmen kann“, so Wowereit. Dafür brauche Mehdorn noch Zeit. Berlins Regierender Bürgermeister sprach sich deutlich dagegen aus, Tegel auf Dauer als zweiten Flughafen neben dem BER zu betreiben. „Das war bislang nicht die Strategie der Flughafengesellschaft“, so Wowereit.
„FBB“ statt „BER“
Noch eine Sache irritierte Wowereit. Auf dem Podium standen die drei Buchstaben „BER“, doch auf der Leinwand hinter ihm hieß es „FBB Flughafengesellschaft.“ Warum sich die Flughafengesellschaft jetzt im Briefkopf plötzlich anders und nicht mehr BER nennt, wisse er nicht, sagte Wowereit. Er wolle es aber noch herausfinden.
FBB steht für den Flughafenbetreiber, die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, mit dem Kürzel BER wirbt sie für den Neubau, fand die Nachrichtenagentur dpa dann heraus. Den Wechsel in der Außendarstellung gibt es auch auf Briefköpfen. Die Betreiber begründen ihn der Agentur gegenüber so: Geht es um den Neubau, bleibt BER. Geht es um die Betreibergesellschaft, die auch die Altstandorte Tegel und Schönefeld betreibt, schreibt sie FBB. Mit dem schlechten Ruf des BER-Projekts habe der Schwenk nichts zu tun.
Hartmut Mehdorn war übrigens nicht bei der Pressekonferenz anwesend. Er war aus „terminlichen Gründen verhindert“, hieß es.





