Hauptstadtflughafen

Langer Parallelbetrieb von Tegel und BER stößt auf Skepsis

Flughafen-Chef Mehdorn will den BER nun „scheibchenweise“ öffnen - möglicherweise ab Frühjahr 2014. Parallel dazu soll Tegel jahrelang offen bleiben. Das halten Branchenkenner aber für wenig sinnvoll.

Foto: Pressestelle/Marketing FBS / Flughafen Berlin Sch nefeld GmbH

Die Pläne von Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn, den neuen Hauptstadt-Airport BER stufenweise in Betrieb nehmen zu wollen, stoßen in Luftfahrtkreisen auf ein verhaltenes Echo. Einerseits wird der Wille begrüßt, den BER möglichst schnell an den Start zu bringen. Skepsis herrscht andererseits gegenüber dem längeren Parallelbetrieb des alten Flughafens in Tegel und des neuen Airports in Schönefeld.

Wie berichtet, hat sich Mehdorn gegenüber dem Bundesverkehrsministerium für eine Teilinbetriebnahme des BER ausgesprochen. Es gebe keinen Grund dafür, dass alle auf einmal umziehen, sagte er am Sonntag dem Rundfunk Berlin-Brandenburg. „Wir werden das also scheibchenweise machen“, kündigte Mehdorn an. Über die Details wird seither spekuliert. Ein Szenario sieht vor, dass bereits im Frühjahr 2014 die neue Südbahn in Betrieb geht.

Brandschutz und Gepäckabfertigung bleiben ein Problem

Die 4000 Meter lange Betonpiste ist seit Langem fertig und wurde bereits zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ((ILA) im September 2012 für Starts und Landungen genutzt. Als voll funktionstüchtig gelten auch der Flughafen-Bahnhof, die Parkhäuser und der Nordpier am BER-Terminal. Da es dort keine Fluggastbrücken gibt, sollen am Nordpier die Flugzeuge von Low-Cost-Carriern wie Easyjet parken, die schon jetzt überwiegend Berlin-Schönefeld anfliegen. Mit einer ersten Betriebsstufe könnte der alte Flughafen SXF geschlossen werden. Gegen einen Teilbetrieb spricht jedoch, dass bisher der Brandschutz in der Gepäckabfertigung nicht genehmigt ist. Ohne Gepäckbänder geht es aber selbst bei den Billig-Airlines nicht.

Branchenkenner zweifeln an Mehdorns Plänen

Bis etwa Mitte 2015 könnte es dauern, die restlichen BER-Gebäudeteile wie das Mainpier und das speziell für Air Berlin reservierte Südpier fertigzustellen. Mindestens so lange müsste der Flughafen Tegel weiter in Betrieb bleiben. Der gültige Planfeststellungsbeschluss für den BER sieht indes vor, dass Tegel spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme der BER-Südbahn zu schließen ist. Mehdorn fordert, diesen Beschluss zu überdenken. Laut „Bild“-Zeitung will Mehdorn Tegel sogar bis 2017 offen halten.

Das halten Branchenkenner jedoch für wenig sinnvoll, da in diesem Fall an einen wirtschaftlichen Betrieb des BER nicht zu denken sei. „Solange Tegel in Betrieb ist, wird weder die Air Berlin noch die Lufthansa-Gruppe nach Schönefeld wechseln. Und schon gar nicht der eine vor dem anderen“, so ein Insider. Air Berlin und Lufthansa sind mit Abstand die größten Kunden der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, sie generieren rund zwei Drittel des kommerziellen Luftverkehrs in der Hauptstadtregion. Offizielle Stellungnahmen zu den Mehdorn-Plänen gab es von den Airlines am Sonntag nicht.

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