Hauptstadtflughafen

Fernsehsender durften am BER nicht drehen

Anstatt einer Drehgenehmigung gab es für die Fernsehsender nur ein Video der Flughafengesellschaft zur neuen Bauzentrale „Sprint“. Medien und Politiker kritisierten das intransparente Vorgehen am BER.

Foto: Marc Tirl / dpa

Möglichst viel Transparenz haben beide versprochen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) als Aufsichtsratschef des BER ebenso wie der neue Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn.

Doch zum Start der neuen Leitzentrale „Sprint“ auf der Baustelle am künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld waren unabhängige Fernsehteams offenbar nicht erwünscht. Stattdessen ließ die Flughafengesellschaft ein eigenes Video drehen, schickte dieses per E-Mail dann an Journalisten und stellte es im Videoportal YouTube ein. Das sorgt nun für heftige Kritik.

Die öffentlich-rechtlichen Sender ZDF und RBB hatten nach eigener Auskunft Drehanfragen gestellt. RBB-Sprecher Justus Demmer sagte der Berliner Morgenpost: „Wir sind sehr verwundert darüber, dass wir auf vorgefertigtes Material verwiesen worden sind.“

„Wir wollen nicht so viel Tamtam machen“

Auch die Landespressekonferenz (LPK) meldete sich zu Wort. In „Brandenburg aktuell“ rügte LPK-Vorstandsmitglied Gunnar Krüger: „So was wie Flughafen-TV braucht kein Mensch. Was es braucht, ist echte Transparenz, also auch unabhängige Berichterstattung über den Flughafen.“

In der RBB-Abendschau kritisierten die Grünen-Fraktionschefin im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Pop, und der Sprecher der CDU-Fraktion im Untersuchungsausschuss, Stefan Evers, die Flughafengesellschaft. Deren Sprecher Ralf Kunkel verteidigte das Vorgehen: „Bei der Eröffnung von Sprint hat es sich um einen internen Termin gehandelt.“ Es gehöre zur Arbeit einer Pressestelle, Texte, Fotos und Videos bereitzustellen. Kunkel: „Wir wollen nicht so viel Tamtam machen, sondern arbeiten.“

Knapp ein Jahr nach ihrer Entlassung sind inzwischen führende Mitarbeiter des Büros Gerkan Marg und Partner Architekten (gmp) an den BER zurückgekehrt. Flughafenchef Mehdorn habe drei Mitarbeiter des BER-Architekten Meinhard von Gerkan wieder an Bord geholt, teilte die Flughafengesellschaft mit.

Gerkan-Architekten sind zurück am BER

Der Sprecher von gmp, Michael Kuhn, bestätigte der Berliner Morgenpost, dass der frühere Gesamtprojektleiter Hans-Joachim Paap und zwei seiner Kollegen seit 1. Mai das „Sprint“-Team für das Projekt unterstützen. Die Unterstützung der gmp-Architekten soll punktuell zu Fragen des gestalterischen Entwurfs sowie zu Planungsdetails erfolgen, bei denen der Einsatz des vorhandenen Projektwissens weiterführen kann.

Nach Kuhns Angaben erfolgt die Mitarbeit des gmp-Teams unter Aufrechterhaltung der Ansprüche, die sowohl die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) als auch die gmp Generalplanungs mbH außergerichtlich oder in einem laufenden Rechtsstreit vor dem Landgericht Potsdam geltend machen.

Mit Blick auf das Ziel der zügigen Inbetriebnahme und zur Ermöglichung von Verhandlungen mit beteiligten Haftpflichtversicherern ruhe der Rechtsstreit derzeit aber. Die Standpunkte der Beteiligten würden durch die vereinbarte punktuelle Mitwirkung bei „Sprint“ wechselseitig aufrechterhalten.

Flughafenchef Mehdorn ließ derweil das Kürzel BER vom offiziellen Briefkopf der Flughafengesellschaft streichen und gegen die kaum bekannte Unternehmensabkürzung FBB austauschen. Begründet wurde dies damit, dass die Gesellschaft mehrere Flughäfen und nicht nur den BER betreibt. Kritiker vermuten hingegen, dass Mehdorn sich des schlechten Images des BER entledigen will.

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