BER-Debakel

Mehdorn will Flughafen BER 2014 teilweise öffnen

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Viktoria Solms

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn will die südliche Start- und Landebahn schon früher nutzen. Zugleich spricht er sich erneut für Tegel aus.

Die Flughafengesellschaft prüft eine Teileröffnung des neuen Hauptstadt-Airports BER. Sofern die erforderliche Betriebserlaubnis vorliegt, könnte die bereits fertiggestellte Südbahn vorzeitig genutzt werden. Dadurch könnte möglicherweise schon im kommenden Jahr der erste Flieger vom BER abheben.

Bis spätestens August will Flughafenchef Hartmut Mehdorn einen neuen Eröffnungstermin nennen können. Das geht aus einem Sitzungsprotokoll der Sonderkommission BER des Bundesverkehrsministeriums hervor, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Dort erklärte Mehdorn, dass die einzelnen Teilsysteme des neuen Flughafens zwar „jeweils über einen hohen Fertigstellungsgrad verfügen“. Sie müssten aber im Zusammenspiel als Ganzes funktionieren. Das will Mehdorn nun nach der Trial-and-Error-Methode erreichen, indem er die einzelnen technischen Systeme erst einzeln und dann nach und nach als Ganzes testen lässt.

Zudem will er ein zentrales Controlling einführen. Der neue Flughafenchef Mehdorn kritisierte darüber hinaus, dass bisher jeder Bereich offenbar zu sehr für sich gearbeitet habe. Nun gebe es auch klarere Verantwortlichkeiten als früher, da er die Organisation neu aufgestellt habe.

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Als neuer Flughafenchef war Hartmut Mehdorn Mitte April erstmals bei der Soko BER, die unter der Leitung von Staatssekretär Michael Odenwald die Entwicklung am Hauptstadtflughafen verfolgt. Sie wurde im Mai 2012 von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) eingerichtet. Kurz zuvor war die für Juni 2012 geplante Verschiebung des Eröffnungstermins bekannt geworden.

Mehdorn sprach sich dabei erneut dafür aus, über einen weiteren Betrieb des Flughafens Tegel auch nach Inbetriebnahme des BER nachzudenken. Das müsse „keine Dauerlösung“ sein, so Mehdorn. Doch längere Übergangsfristen seien nach seiner Ansicht sinnvoll, um den BER ans Netz zu bringen. Für ihn sei dies letzten Endes eine „Frage des politischen Willens“.

Nach derzeitigem Stand soll der Flughafen Tegel spätestens sechs Monate nach Eröffnung des BER geschlossen werden. Mehdorn hatte an seinem ersten Arbeitstag als Flughafenchef Mitte März einen entsprechenden Vorstoß gemacht und damit umgehend eine hitzige Diskussion ausgelöst. Ein juristisches Gutachten des Bundestags kam bereits zu dem Schluss, dass für einen weiteren Betrieb von Tegel nicht zwingend ein neues und zeitaufwendiges Planfeststellungsverfahren notwendig sei.

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Eine vorzeitige Sanierung der nördlichen Startbahn schließt Mehdorn dagegen nach dem derzeitigen Planungsstand aus. Sie soll nicht schon jetzt aufgebessert werden, sondern, wie ursprünglich geplant, 2016/2017 während des laufenden Betriebs erneuert werden.

Innerhalb der Flughafengesellschaft hatten Bauexperten eine vorzeitige Sanierung der Nordbahn geprüft. Sie ist als Südbahn des alten Flughafens Schönefeld bereits jetzt in Betrieb und wird später vom BER übernommen. Wenn sie im Zuge der noch anstehenden Bauarbeiten erneuert worden wäre, hätte das in der Gesamtrechnung für Einsparungen in voraussichtlich zweistelliger Millionenhöhe gesorgt. Allerdings hätte die Flughafengesellschaft die Kosten für die Sanierung jetzt vorfinanzieren müssen, was den Kostenplan wohl durcheinandergebracht hätte.

In diesem Jahr dürfte die Flughafengesellschaft laut Flughafenchef Mehdorn mit den ihr zur Verfügung stehenden Finanzmitteln aber auskommen. Doch „eine belastbare Kostenprognose“ könne man erst dann treffen, wenn es Klarheit über den Eröffnungstermin gebe, so Mehdorn.

„Flughafengesellschaft hat nur noch einen Schuss“

Vermutlich im Herbst will er Auskunft über den Gesamtbedarf geben. Man sei sich darüber im Klaren, dass die Flughafengesellschaft „sowohl im Hinblick auf die Kosten als auch auf die Terminfrage nur noch einen Schuss habe“, wird Mehdorn in dem Protokoll zitiert. Voraussichtlich noch in diesem Monat werden die beauftragten Rechtsanwälte ihr Gutachten bezüglich etwaiger Haftungsansprüche gegenüber den alten Geschäftsführern fertiggestellt haben. Sie prüfen, ob der ehemalige Flughafenchef Rainer Schwarz und Technikchef Manfred Körtgen Anspruch auf eine Abfindung haben. Zudem will die Flughafengesellschaft klären, ob sie Anspruch auf Schadenersatz von den beiden Geschäftsführern hat. Ihnen wird vorgeworfen, das sich anbahnende Chaos auf der Baustelle des BER mit verursacht zu haben.

Die Eröffnung des Großflughafens BER wurde bereits viermal verschoben. Ursprünglich sollte der Airport vor einem Jahr öffnen. Experten hatten zwischenzeitlich vermutet, dass sich die Eröffnung bis 2017 hinauszögern könnte.