Kürzlich waren wir auf dem Weg zum Schwimmkursus, als die Sechsjährige feststellte, dass sie Schwimmbäder total blöd findet. Ich wollte schon voller Freude das Auto wenden und zurück nach Hause fahren, weil ich Schwimmbäder, und ganz speziell die Wartebereiche für Eltern in Schwimmbädern, ebenfalls total blöd finde. Da sagte sie: „Weil da Chlor drin ist. Ich schwimme viel lieber in Seen.“ Ich erklärte ihr die Sache mit den Bakterien. „Und wieso macht man dann kein Chlor in Seen? Da sind dann doch auch Bakterien drin, wenn da viele Menschen schwimmen.“ Ich: „Weil das schlecht für die Fische ist. Außerdem ist so ein See größer, da verteilt es sich besser ...“ Sie: „Aber es gibt doch auch ganz kleine Mini-Seen. Da ist auch kein Chlor drin! Und da baden auch ganz viele Menschen ...“
So ist das immer. Im Auto kommen die Kinderfragen. Und garantiert erwischt man keine rote Ampelphase, die lang genug wäre für Google-Lektüre. Und Siri vor den Ohren der Kinder? Ich: „Siri! Warum werden Seen nicht gechlort?“ Siri: „Ich habe dich nicht verstanden ...“ Keine gute Idee, wenn man nicht sein noch gottgleiches Ansehen bei den Kindern verspielen will.
Man muss improvisieren. Dreijähriger: „Mama, womit baut man eine Gondel?“ Ich: ??? Dreijähriger: „Na Gondeln in Tiiiiirohol!“ Ich: „Die Tiroler bauen ihre Gondeln aus Aluminium und Plexiglas und hängen sie an Stahlseile.“ Keine Ahnung, ob das stimmt, aber der Dreijährige ist noch in einem Alter, an das er später nur rudimentäre Erinnerungen haben wird, wenn überhaupt. Ich könnte ihm auch erzählen, dass Tiroler ihre Gondeln aus koreanischem Hüttenkäse formen. Schwieriger sind da schon die Fragen der Sechsjährigen: „Mama, wie entsteht Graupel? /Haben Pferde eine belegte Zunge, wenn sie Halsschmerzen haben?/ Brauchen Hundekinder ihre Väter?/ Wie lange dauert es, bis unendlich zu zählen? Läuft eine Sanduhr am Anfang oder am Ende schneller?“ Äh, Jein. Für Kinderfragen muss man mindestens Universalgelehrter sein: Physiker, Chemiker, Mathematiker, Tierforscher, Pflanzenkundler und Philosoph in einer Person. Und das ist nur die rein wissenschaftliche Seite der Kinderbetreuung.
Bei der parawissenschaftlichen Seite wird es noch komplizierter. Plötzlich muss man sich damit auseinandersetzen, dass nachts irgendwelche Zahnfeen vorbeifliegen, die die neue „Bibi und Tina“-CD unters Kopfkissen legen. Kürzlich übernachtete bei uns eine Freundin der Sechsjährigen. Sie wackelte so lange an ihrem Zahn, bis sie ihn endlich in der Hand hielt. Ich schlich also nachts ins Zimmer der Mädchen. Unter erschwerten Bedingungen. Die beiden hatten sich ein Matratzenlager mit 1000 Kissen auf den alten, knarzenden Holzdielen gebaut. Mitten in der Nacht begab ich mich also, knarz, knirsch, knaaaarz, mit einem Höllenlärm zum Bettenlager, stieg behände über die Tochter, kniete neben der Freundin, die in diesem Moment laut schnaufte und die Arme nach hinten warf. Ich, knarz, knirsch, knaaarz, zog mich zurück. Eine halbe Stunde später probierte ich es erneut. Nun schliefen beide tief und fest. Aber unter welchen Kissen war dieser blöde Zahn? Und wer hat sich diese bescheuerte Sache mit der Zahnfee überhaupt ausgedacht? Am nächsten Morgen habe ich dann eine tolle Geschichte erfunden, warum Zahnfeen bei außerhäusigen Übernachtungen zwar Geschenke bringen, aber den Zahn liegen lassen. Sie haben es mir geglaubt.
Zwei Wochen später beim rechten unteren Eckzahn der Sechsjährigen wollte ich es professioneller angehen und hatte eine mit bunten Perlen besetzte Mini-Schmuckdose besorgt. Ich: „Leg dein kleines Zähnchen doch in die schöne Dose, dann findet die Zahnfee ihn besser.“ Sechsjährige: „Das wollte ich ja auch, aber die Zahnfee findet die Dose bestimmt so schön, dass sie sie einfach klaut ...“ Auch Zahnfeen sind nicht unfehlbar. Ein gutes Gefühl.

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