Beckenpinkler in Berlin

Literweise Urin im Schwimmbad: Das sagen die Bäderbetriebe

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Tobias Köberlein
Viele Badegäste lassen es im Wasser schon mal laufen

Viele Badegäste lassen es im Wasser schon mal laufen

Foto: Marc Tirl / dpa

Schwimmbäder sind nicht nur voller Wasser. Laut einer Studie trüben große Mengen Urin den Badespaß. So geht man in Berlin damit um.

Wasserraten werden bei dieser Zahl zusammenzucken. Wissenschaftler im kanadischen Edmonton wollen nachgewiesen haben, dass sich im Wasser eines normalen öffentlichen Schwimmbades bis zu 75 Liter Urin befinden. In einem kleineren Becken seien es 30 Liter gewesen, heißt in einer Studie der Universität von Alberta.

75 Liter - das klingt erst mal nach verschärftem Ekelalarm, dabei ist Pipi im Wasser harmlos, wie Wolfraum Kaube, Leiter der Abteilung Bau/Technik bei den Berliner Bäderbetrieben, festhält. Die von den kanadischen Wissenschaftlern veröffentlichten Zahlen hält Kaube für übertrieben. Den Uringehalt im Schwimmbadwasser könne man seriös gar nicht ermitteln, meint er. Kaube sieht die Beckenpinkler-Problematik entspannt und verweist auf die Norm DIN 19643. Hinter der Zahl verbirgt sich eine strenge deutsche Hygieneformel. Um Urin, Schweiß, Sonnencreme und andere Partikel abzutöten, wird das Schwimmbadwasser gechlort. Die Norm DIN 19643 sieht einen Grenzwert von einem Milligram Chlor pro Liter Wasser vor.

Je nach Badegästeaufkommen wird laut Kaube zudem regelmäßig frisches Wasser ins Becken gegeben. Pro Badegast seien es täglich 30 Liter, erklärt Kaube. Der typische Schwimmbadgeruch komme überhaupt erst zustande, wenn sich das gechlorte Wasser mit Harnstoffen mische. Dadurch entstünden Chloramine, die für den Geruch verantwortlich seien.

Die deutschen Hygieneregeln in öffentlichen Schwimmbädern hält er für vorbildlich. Würden im Wasser Fäkalien wie etwa Kot festgestellt, müsste das Becken sofort gesperrt werden. „Fäkale Keime sind etwas ganz anderes als Urin“, sagt Hygiene-Experte Kaube. Die Bademeister würden dann sofort das Wasser aus dem Becken ablassen und das neue mit 1,5 Milligram Chlor pro Liter versetzen. Frühestens nach etwa zwei Stunden, wenn der Chlorgehalt auf einen Wert von etwa 0,6 Milligram abgesunken sei, werde das Becken wieder für den Schwimmbetrieb freigegeben.