Wer zum Flughafen BER fährt, der will meistens in den Urlaub fliegen. Aber manchmal geht es auch darum, eine Runde mit dem Fahrrad zu drehen. Dazu war die Gegend rund um den Flughafen schon in den vergangenen Jahren eine gute Adresse. Es gibt asphaltierte Radwege abseits der Straßen, und wenn man doch die Straße nutzen muss, dann ist der Verkehr in der Regel überschaubar. Vor allem sonntags, zur Hochzeit der Fahrradausfahrten. Vor wenigen Wochen ist der BER als Ziel für Rennradfahrer aber noch mal ein Stück attraktiver geworden.
Denn Mitte Juli ist dort ein neuer Radwegabschnitt fertig geworden. Rund fünf Kilometer lang und 3,50 Meter breit. Und: Die Strecke ist nicht für den Pkw-Verkehr freigegeben, sondern darf, außer von Fußgängern und Radfahrern, nur als Betriebswirtschaftsweg von Anliegern genutzt werden. Das verspricht ein entspanntes Radfahren entlang der Südbahn des BER, mit Blick auf die startenden und landenden Flugzeuge. Als für mich nach längerer verletzungsbedingter Pause wieder die erste Tour im Freien anstand, war deshalb klar, dass ich die neue Strecke ausprobieren musste.
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Auf 22 Kilometern Strecke einmal mit dem Rad um den Flughafen BER
Das Stück hört sich erst einmal unspektakulär an: Es geht zu einem großen Teil einfach nur geradeaus. Auf der einen Seite liegt das Flughafengelände, auf der anderen befinden sich Felder. Entscheidend ist der neue Radweg vor allem, weil er eine bislang existierende Lücke schließt. Durch ihn gibt es nun eine durchgehende Verbindung auf der Südseite des BER und insgesamt einen etwa 22 Kilometer langen Fahrradrundkurs um den Hauptstadtairport. Was nebenbei bemerkt auch für die Länge eines Halbmarathons reichen würde, nachdem der frühere Airport Night Run eingestellt wurde, bei dem man vor der Eröffnung des BER noch übers Flughafenareal rennen konnte. Aber das ist noch mal ein anderes Thema.
Fürs Erste ist der fertige Weg eine nahezu ideale Trainingsstrecke für Rennradfahrer. Die Runde ist in etwa so lang, wie die beliebte Route über den Kronprinzessinnenweg und die Havelchaussee im Grunewald, wobei auf der Havelchaussee durch die nahen Badestellen vor allem im Sommer mehr Verkehr herrscht. Auf dem Weg am Flughafen geht es ruhiger zu, dafür gibt es statt der Anstiege im Grunewald ein paar leichte Wellen, die man wahrscheinlich nur bemerkt, wenn man aus der flachen Hauptstadtregion kommt.
Kilometerlanges Geradeausfahren klingt langweilig, ist aber eine Wohltat
Was man als Berliner aber insbesondere mit Begeisterung wahrnimmt: wenn eine Strecke über einen längeren Abschnitt als 200 Meter ampel- und im besten Fall auch noch kreuzungsfrei ist. Das ständige Abbremsen und erneute Beschleunigen mag gutes Training für die Beine sein und hilfreich dafür, das Ein- und Ausklicken der Fahrradschuhe zu üben. Spaß macht es aber nicht. Auf der neuen Strecke am Flughafen, die immerhin schon knapp sechs Jahre nach dessen Eröffnung fertig geworden ist, lässt es sich einfach rollen. Und ich kann sagen, kilometerlang geradeaus zu radeln, hört sich vielleicht langweilig an. Aber für diejenigen, die die Verhältnisse in Berlin gewohnt sind, ist es eine echte Wohltat: Fahren, ohne ständig den Verkehr um sich herum genau im Blick haben zu müssen. Hier gibt es höchstens ein paar Flugzeuge in der Luft zu beobachten.
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Für mich war die Tour zum BER die erste längere Radfahrt seit meinem Unfall. Auch wenn die Sturzfolgen noch nicht vollständig verheilt sind, hat mich das beim Fahren selbst weniger beeinträchtigt als befürchtet. Eine Konsequenz war es wohl, dass ich manche Kurven dieses Mal etwas vorsichtiger genommen habe, obwohl der Regen vom Vormittag auf den Straßen längst getrocknet war. Aber in erster Linie war da die Freude darüber, nicht mehr auf der Stelle in meinem Wohnzimmer zu fahren, sondern wieder die Landschaft zu sehen, Fahrtwind und Sonne zu spüren. Das ist etwas, das sich auch durchs Laufen nicht vollständig ersetzen lässt.
In den nächsten Wochen werde ich deshalb sicher wieder öfter im Freien aufs Rad steigen. Und vielleicht auch das eine oder andere Mal den Flughafen BER umrunden.




