Ich glaube, jeder kennt diese Tage. Tage, an denen die Motivation für Sport gering ist und es viel verlockender erscheint, den Abend einfach zu Hause zu verbringen. Aber manchmal sind es genau die Tage, an denen man sich überwinden muss, weil das Training dann, entgegen aller Erwartungen, umso besser wird. Das habe ich erst in der vergangenen Woche wieder erlebt.
Der Himmel war an dem Abend grau, ein paar Stunden vorher hatte es noch geregnet. Der Tag war irgendwie anstrengend gewesen und ich hatte nicht das Gefühl, als könnten meine Beine jetzt noch eine sportliche Leistung erbringen. Trotzdem haben wir uns, nach kurzem Zögern, die Rennräder geschnappt und sind losgefahren.
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Kaum ist Brandenburg erreicht, ändert sich die Stimmung
Ich muss allerdings gestehen: Die ersten Kilometer haben wenig Spaß gemacht. Der Asphalt war stellenweise holprig. Alle paar Hundert Meter war eine Ampel rot, dazwischen stauten sich die Autos, während ein BVG-Bus sich mühsam von Haltestelle zu Haltestelle kämpfte. Und mittendrin wir, mit unseren Fahrrädern. Manchmal vergesse ich, dass auf Berlins Straßen eigentlich immer etwas los ist, egal zu welcher Uhrzeit man unterwegs ist.
Aber dann haben wir die Stadtgrenze erreicht und sofort wurde die Stimmung eine andere. Der Verkehr hatte ein Ende, sobald wir auf den Mauerweg abgebogen waren. Es war ruhig und die Umgebung nicht mehr betongrau, sondern grasgrün. Selbst der Wetterbericht behielt recht. Von einem Moment auf den anderen waren die Wolken verschwunden und die Sonne strahlte vom Himmel. Und das Beste: Die Route war nahezu windstill. Als ich knapp zwei Stunden später wieder vor meiner Haustür stand, dachte ich mir: Wie gut, dass wir nicht auf dem Sofa sitzen geblieben sind.
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Radfahren: Es müssen nicht immer die 100-Kilometer-Touren sein
Die Runde hat mir außerdem mal wieder gezeigt, dass es gar nicht immer 100-Kilometer-Touren sein müssen. Genauso wenig ist es nötig, weit wegzufahren. Man kann einfach von der eigenen Haustür starten. Obwohl ich denke, dass ich in den vergangenen Jahren in meiner Umgebung schon einige Strecken mit dem Rad abgefahren bin, finden sich hier immer noch neue Wege. Und gerade jetzt ist die perfekte Zeit, um am Abend raus aus der Stadt nach Brandenburg zu fahren. Es ist lange hell. Man kann eine kurze Hose und ein kurzes Trikot tragen, aber es herrscht noch nicht die hochsommerliche Hitze. Felder, Wiesen, Bäume – alles blüht und grünt.
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Auch wenn man weiß, dass einen das alles erwartet, kann der erste Schritt (oder, genau genommen, der erste Tritt) schwerfallen. In diesen Momenten, in denen die Motivation gering ist, hilft es, nicht allein losfahren zu müssen. Das Privileg, mit Freunden und Familie dieselbe Begeisterung zu teilen, erleichtert vieles. Trotzdem gibt es natürlich auch Tage, an denen ich die Wahl habe: entweder allein starten oder es bleiben lassen. Ich versuche dann, mir möglichst wenig Zeit dafür zu geben, zu überlegen, ob ich noch einmal die Sportsachen anziehe oder nicht. Für mich ist es besser, den Übergang von der Arbeit zur Radtour möglichst fließend zu gestalten. Im besten Fall liegen zwischen Nachhausekommen und Wiederlosfahren keine 20 Minuten.
Ein Training bereut man im Nachhinein eigentlich nie
Wenn es um die Frage der Motivation geht, begegnet einem eine Aussage immer wieder. Dass man sich nach einer Trainingseinheit eigentlich nie schlechter fühlt als vorher. Ich würde das bestätigen. Und ich kann mich nicht daran erinnern, nach einer Laufrunde oder Radtour schon mal gedacht zu haben: Wäre ich doch bloß zu Hause geblieben. Das Einzige, was mich manchmal an meiner Entscheidung zweifeln lässt, ist der Fakt, dass derzeit mit jeder Radfahrt und jedem Lauftraining der Hosenabdruck ab Oberschenkel und der Sockenabdruck an der Wade stärker sichtbar werden.
Stilistisch ist diese Entwicklung höchst fragwürdig. Aber abgesehen davon würde ich gerade jetzt, im Frühsommer, allen mit der Möglichkeit dazu raten: Fahrt raus! Am besten nach Brandenburg. Denn so gern ich auch in Berlin lebe: Mit Radtouren durch unser Nachbarbundesland kann die Hauptstadt nur schwer mithalten.





