Es ist schneller zurückgekehrt, als ich es eigentlich geplant hatte: das Fahrrad in meinem Wohnzimmer. Seit wenigen Wochen steht der Rollentrainer wieder mittig zwischen Ess- und Couchtisch und verringert so meine Bewegungsfreiheit in dem Raum erheblich. Wobei ich zugeben muss: Die Gewöhnungsphase ging dieses Mal schneller als im vergangenen Winter, als ich das Gerät, in das ich mein Rennrad einspannen kann, zum ersten Mal aufgestellt habe. Damals habe ich deutlich länger gebraucht, um das Rad als Teil des Zimmers zu akzeptieren.

Dass der Indoor-Trainer mitten im Hochsommer in meiner Wohnung steht, war so trotzdem nicht vorgesehen. Ursprünglich sollte er nur dazu dienen, im Winter trotz Kälte und Dunkelheit zumindest ein wenig weiter Rennrad fahren zu können. Pünktlich zum Frühjahrsbeginn im März wurde das Gerät deshalb wieder in den Keller verbannt. Und sollte dort eigentlich bis November bleiben. Diesen Plan hat allerdings mein Rennradsturz vor wenigen Wochen durchkreuzt. Manche Verletzungen lassen es bisher nicht zu, wieder im Freien Rennrad zu fahren. Also schwinge ich mich wieder im Wohnzimmer in den Sattel. Obwohl ich bis vor Kurzem noch jeden, der im Sommer drinnen statt draußen Rennrad fährt, für verrückt erklärt hätte.

Rolle fahren im Sommer: Selbst der Ventilator bringt keine Abkühlung

Und ich muss sagen, für ein wenig verrückt halte ich das Ganze immer noch. Wenn die Sonne scheint und das Thermometer mehr als 20 Grad anzeigt, dann muss ich nicht lange überlegen. Dann gewinnt das Rennradfahren an der frischen Luft mit weitem Vorsprung vor der Alternative, in meiner Wohnung vor mich hinzutreten. Das ändert sich auch nicht dadurch, dass ich versucht habe, das Beste aus den Gegebenheiten herauszuholen. Zum Beispiel, indem ich während meiner eigenen Indoor-Fahrt die Tour de France verfolgt habe.

Ich hatte die Vorstellung, dass die Tour de France mich einerseits motivieren und andererseits dazu beitragen würde, dass meine Trainingszeit schneller vergeht. Funktioniert hat das jedoch nur teilweise. Die Radprofis konnten mich nicht davon ablenken, dass die Temperatur in meiner Wohnung während der Fahrt erbarmungslos über die 25-Grad-Marke gestiegen ist. Selbst der Turmventilator konnte da nicht mehr für eine wirkliche Erfrischung sorgen. Trotz höchster Stufe und maximaler Nähe zum Rennrad.

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Die Alternative: Der Rollentrainer wandert auf den Balkon

Die Temperatur hat mir, im Unterschied zum Winter, durchaus zu schaffen gemacht. Bei 20 bis 21 Grad im Raum blieb die Situation meistens erträglich. Die fünf Grad mehr, die jetzt in meiner Wohnung herrschen, haben das Anstrengungslevel erheblich angehoben. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie manche es unter diesen Bedingungen schaffen, zwei oder sogar drei Stunden auf dem Rollentrainer zu fahren. Dafür müsste ich vom Ventilator mutmaßlich auf eine Klimaanlage aufrüsten.

Alternativ könnte ich das Rennrad vom Wohnzimmer auf den Balkon verschieben, auch das habe ich bei anderen Sportlern schon beobachtet. Kälter wird es dort zwar auch nicht, dafür könnte der Wind aber helfen. Noch konnte ich mich dazu aber nicht durchringen. Auch wenn wir in Berlin sind und hier eigentlich (fast) alles als normal akzeptiert wird: Der eine oder andere Nachbar könnte sich doch wundern, was ich da auf meinem Balkon veranstalte.

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Die schlechte Nachricht ist: Bis ich wieder eine richtige Rennradtour drehen kann, werde ich mich noch ein wenig gedulden müssen. Dafür bietet sich ab Samstag die Gelegenheit, dem Indoor-Radfahren beim gleichzeitigen Verfolgen einer Radsportsendung eine zweite Chance zu geben. Dann startet die Tour de France Femmes, bei der ich mir sicherlich auch noch ein paar Kühlungstricks der Profis abschauen kann. Die Männer haben zuletzt etwa auf Eispackungen, die direkt in den Nacken gelegt werden, gekühlte Getränke oder einen kalten Sprühnebel während des Warmfahrens gesetzt. Und vielleicht gelingt es einer deutschen Fahrerin ja, im Gegensatz zu den deutschen Fahrern, sogar, eine Etappe zu gewinnen. Das würde dann sicherlich für den Motivationsschub sorgen, den ich zuletzt noch vermisst habe.