Die Tage vor einem Laufevent sind immer von einer gewissen Grundnervosität geprägt, unabhängig davon, wie groß oder klein eine Veranstaltung ist. Gerade ist es wieder so weit: Am Sonntag steht der S25 Berlin und damit mein erster offizieller 25-Kilometer-Lauf. Auch wenn ich im vergangenen Jahr schon weiter gelaufen bin, ist das dennoch etwas Besonderes, zumal es für mich auch das Rennen mit den meisten Höhenmetern sein dürfte.

Eine weitere wiederkehrende Sache vor einem Laufevent: Ich fühle mich in den Tagen davor meistens nicht ausreichend vorbereitet. So auch dieses Mal. Die Zahl längerer Läufe nach dem Berliner Halbmarathon Anfang April war überschaubar, das Krafttraining hätte sicherlich noch umfangreicher sein können. Immerhin habe ich meinen Vorrat an Kohlenhydrat-Gels rechtzeitig aufgestockt, die Versorgung während des S25 ist also gesichert.

Auch interessant

S25 Berlin 2025: Streckenänderung sorgt für zusätzliche Höhenmeter

Nun wird man von Expertinnen und Experten immer wieder belehrt: Eine Last-Minute-Vorbereitung kann nicht erfolgtes Training in den Wochen zuvor auch nicht retten. Trotzdem ist die Versuchung manchmal (zu) groß. Im Falle des S25-Laufs war es die Streckenänderung, die mich und eine Freundin dazu bewogen hat, schnell noch ein paar Höhenmeter zu trainieren. Also ging es für uns dreimal hintereinander den Kreuzberg hoch. Der Anstieg ist prinzipiell gut machbar, und dennoch meldeten meine Beine am nächsten Tag: Hallo, Muskelkater!

Insofern war die spontane Trainingseinheit eher beunruhigend als beruhigend. Erst recht, weil ich kurz danach auch noch das Höhenprofil der 25-Kilometer-Strecke entdeckt habe. Unerfreulich oft sind dort Abschnitte in orange bis rot markiert. Die Farbe symbolisiert die jeweilige Steigung und steht in dem Fall für bis zu sieben Prozent, wobei der mutmaßlich steilste Teil erst bei Kilometer 22 ansteht. Also dann, wenn die Beine schon ziemlich müde sind. Der Lauf wird ohne Zweifel eine Herausforderung werden. Aber wenn ich ehrlich bin, sind es ja genau diese Herausforderungen, weswegen ich den Laufsport so zu schätzen gelernt habe.

„Wings for Life World Run“: 310.000 Läufer für die Rückenmarksforschung

Zumal mir das Wochenende gezeigt hat, dass es eigentlich ein großes Glück ist, laufen zu können. Am Sonntag fand der „Wings for Life World Run“ statt, laut Veranstalter mit weltweit 310.000 Starterinnen und Startern, die bei großen sogenannten Flagship-Runs oder virtuell per App dabei sind. Das Besondere an dem Event ist aber weniger die Zahl, sondern vielmehr dessen Motto. Es geht darum, für die zu laufen, die es eben nicht können. Die Startgebühren fließen komplett in die Rückenmarksforschung.

Ich war bei dem Lauf nicht dabei, habe ihn aber online verfolgt. Die Teilnehmer laufen dabei so lange, bis sie von einem Auto eingeholt werden, das 30 Minuten nach dem Startschuss losfährt und kontinuierlich schneller wird. Der Gewinner hat mehr als 71 Kilometer geschafft, die Gewinnerin – die deutsche Profiläuferin Esther Pfeiffer – gut 59 Kilometer. Eine für mich unvorstellbare Distanz.

Mehr zum Thema Laufen in Berlin

Laufevents: Entscheidend ist der Start und nicht der Zieleinlauf

Fast noch beeindruckender waren für mich allerdings die Teilnehmer, die als erste vom Auto eingeholt wurden: Menschen auf Krücken, mit Rollatoren oder Exoskeletten. Menschen, bei denen erkennbar war, wie viel Kraft sie jeder einzelne Schritt kostet. Die vielleicht nur einen Bruchteil der Sieger-Distanz geschafft, aber mindestens genauso viel gegeben haben.

Das Motto des Wings for Life World Runs ist bei mir hängen geblieben, weil es das wirklich Wichtige in den Blickpunkt rückt. Wenn es mal wieder darum geht, dass vor einem Lauf die Nervosität steigt, es zwischendurch anstrengender wird als geplant oder man am Schluss seine eigentliche Zielzeit verfehlt hat, kann man den Gedanken an all die, die gern laufen würden, aber es nicht können, hervorholen. Und sich selbst daran erinnern, dass der wirklich entscheidende Part eigentlich nicht der Zieleinlauf ist. Sondern der, gesund an der Startlinie stehen zu können.