Viel Geld hat mein Freund nicht und ist das wenige am Monatsende knapp, gibt es Ravioli aus der Büchse. Schlimm wird‘s aber nur, wenn das drei Tage hintereinander der Fall ist. Ravioli plus eine Vitamintablette, ausgewogene Ernährung sieht anders aus. Egal, wie knapp das Geld aber ist, seine täglichen Gläser Latte Macchiato lässt er sich nicht nehmen. Sein klitzekleines Stück Luxus.

Ich trank damals noch keinen Kaffee. Mit 18 Jahren kaum in Berlin angekommen, absolvierte ich ein Praktikum in der „Herberge zur Heimat“ in Spandau. Obdachlose Männer lebten dort. Groß geworden bin ich zuvor mit Malzkaffee, auch dem damals so genannten „Plantagentrank“, sprich Kakao, manchmal Tee. Bohnenkaffee leisteten meine Eltern sich am Wochenende. Oder, wenn Besuch kam.

Das Zeug, das die „Herberge zur Heimat“ damals ihren Gästen gelegentlich anbot, wurde als Kaffee bezeichnet; ungeheuer stark war das Gebräu, es war wohl auch ein Zeichen von Männlichkeit, dieses Getränk zu überleben. Ich wollte da nicht hinten anstehen und gewöhnte mich daran. Kaffeeweißer nannte sich das Pulver, das alles fast noch unerträglicher machte.

Auch hier war Kaffee Luxus

Im Regelfall gab es aber Lindenblüten- oder Früchtetee. Auch hier war Kaffee also Luxus. Für mich riecht Obdachlosigkeit seit 1975 durchaus nach vielem, in erster Linie aber nach Früchtetee.

Seit 2019 gibt es die Kaffeewette der Bezirke für Einrichtungen der Kältehilfe, inzwischen eine Tradition. Ein Supermarktbesitzer forderte damals den Neuköllner Bezirksbürgermeister heraus, das entwickelte sich, wurde größer, in den letzten Monaten sammelten fünf Bezirke. 3051 Päckchen kamen in Reinickendorf zusammen, gefolgt von Spandau mit 2304, Neukölln brachte 1726 zusammen, Tempelhof-Schöneberg 1666 und in Lichtenberg kamen immerhin 677 Päckchen zusammen. Dazu Bargeld, auch das ist immer knapp. Eine gute Aktion, Danke!

Weil die Einrichtungen immer pleite waren, kostete früher die Tasse Kaffee der Obdachlosenhilfe Geld. Geld aber hatten Obdachlose auch wenig oder gar nicht. So tranken sie den bereits erwähnten Früchtetee, der war nämlich preiswert. Das Stück Würfelzucker wurde mit zwei Cent berechnet und nach Feierabend rollten wir jeden Abend das Kleingeld zusammen. Das war dann von den Personalkosten her oft höher als die Einnahmen.

Die ersten 500 Euro für den Kaffee spendete damals übrigens ein Ehrenamtlicher

Gottes Liebe ist aber großzügig und so fingen wir vor 15 Jahren an, den Kaffee in der Bahnhofsmission Zoologischer Garten kostenlos auszugeben. Zuvor war das lange und sehr kontrovers im Kollegenkreis diskutiert worden. „Taxifahrer werden sich ihren Kaffee nun umsonst abholen“, war eine Befürchtung. Allerdings hätten sie dafür 30 Minuten anstehen müssen.

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Die ersten 500 Euro für den Kaffee spendete damals übrigens ein Ehrenamtlicher, auch er hatte die Faxen dicke mit dem Geiz (und dem mangelnden Gottvertrauen). In den folgenden 15 Jahren spendeten unzählige Berlinerinnen und Berliner, Kinder brachten manchmal ihr Taschengeld, Pakete kamen und kamen aus dem ganzen Bundesgebiet. Und manchmal, waren die Sachen denn da, gab es sogar Kakao. Mit ordentlich Sahne. Denn auch obdachlose Menschen schätzen die Abwechslung.

Bezirke sollten Notübernachtungen zur Verfügung stellen, Wohnungen, Ärzte auf die Straße schicken

Und bleiben wir doch bitte ehrlich, ruhig auch kritisch: Kaffeespenden helfen! Kommen sie aus der Bevölkerung, von Privatpersonen, Bündnissen, von Supermarktketten – ich klatsche gerne Beifall. Und wir beruhigen ja auch kurz alle unser schlechtes Gewissen damit. Vielleicht könnte und müsste man ja mehr machen, aber immerhin gibt es Kaffee.

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Mit der Politik, das wird nun nicht allen gefallen, sehe ich das anders. Es ist gut, wenn Menschen sich so dem Thema und der Not nähern. Nicht jeder Mensch kann schließlich gleich Fachkraft sein. Einige aber sind es. Und dann sollen Bezirke auch Notübernachtungen zur Verfügung stellen, Wohnungen bauen, Ärzte auf die Straße schicken, für die Menschen kämpfen. Denn es fehlt echt viel und alles das kann „Oma Meier“, also Privatpersonen. schließlich nicht alleine tun. Bitte nicht in den falschen Hals bekommen: Arbeitsteilung sieht anders aus.

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