Es ist kalt geworden in Berlin. Sie merken das, ich auch, viel mehr aber die obdachlosen Menschen, die auf der Straße leben. Und auch die Menschen, die ihnen dort behilflich sind, die kalten Nächte lebend zu überstehen, haben ihre lange Unterwäsche hervorgeholt. Einen von ihnen, Andreas Splawski, begleitet im zweiten Winter den Kältebus der Berliner Stadtmission. Ihn möchte ich ihnen heute vorstellen.

Und ich hatte ein paar Fragen an ihn. Wohlstand und Wohlergehen bedeuten für Andreas Splawski, dass es ihm gut geht. „Das mache ich aber nicht vom Geld abhängig. Wichtig ist mir dabei, dass es ebenso den anderen Menschen links und rechts von mir gut geht.“ Andreas ist vor wenigen Tagen 56 Jahre alt geworden, ist verheiratet und hat drei Kinder. Nachdem er seine Lehre beendete, wurde er 1987 Lokführer, zunächst im Fernverkehr, ab 1992 bei der S-Bahn Berlin. 1997 wurde er dort Ausbildungslokführer, seit Mai 2022 ist er Betriebsratsvorsitzender.

Das Gemeinwohl ist wichtig, seit 20 Jahren ist er auch ehrenamtlicher Richter am Amtsgericht Strausberg. Seit November 2023 Andreas ehrenamtlich den Kältebus. „Heute sehe ich nachts Berlin mit anderen Augen als früher. Das Leben auf der Straße ist halt eine harte Schule. Wir sind in der Arbeit zwar gut vorbereitet, aber es fehlt an Schlafsäcken, warmer und guter Bekleidung, an Übernachtungsplätzen, besonders für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.“

Unsere Stadt hat Parallelwelten, meist gehen wir an ihnen vorbei

Und Andreas erinnert sich an seine erste Schicht in diesem November. Als er nachts nach Hause kam, musste er erst einmal ein Bier aus dem Kühlschrank holen, und hat über die Erlebnisse der Nacht nachgedacht. Kopfkino von der Arbeit, das kennen ja viele. Unsere Stadt hat Parallelwelten, meist gehen wir an ihnen vorbei. Er spricht viel in der Familie darüber, besonders mit seiner 15-jährigen Tochter, die ihn bereits mit sechs Jahren zu Einsätzen in die Bahnhofsmission Zoo begleitete. Das erste Mal packte Andreas hier im Jahr 2012 an; ein Servicetag, organisiert vom damaligen Finanzvorstand der Deutschen Bahn, Richard Lutz, heute Bahnchef. Auch für Andreas hat das damals einfach in sein Leben gepasst.

Kältebus Ehrenamt Andreas Splawski
Andreas Splawski, Betriebsratsvorsitzender der S-Bahn Berlin, im ehrenamtlichen Einsatz mit dem Kältebus der Berliner Stadtmission.© S-Bahn Berlin/ | Christiane Flechtner

Und dann gibt es da noch ein Versprechen zu erwähnen. Wir alle bildeten Netzwerke, um das Leid der Menschen auf der Straße zu mildern. Neben S-Bahn-Chef Peter Buchner gehörte damals auch der dortige Personalchef Christoph Wachendorf dazu. Ihm und Andreas war es wichtig, junge Auszubildende der S-Bahn für obdachlose Menschen zu sensibilisieren, „kritisches Denken und soziale Fähigkeiten zu fördern“. Mit theoretischer Vermittlung, zunehmend aber mit praktischen Einsätzen der jungen Menschen am Zoo. Christoph Wachendorf starb leider im Januar 2021. Seiner Ehefrau gab Andreas das Versprechen, „das weiter zu treiben.“ Weil es ihrem verstorbenen Mann wichtig war.

Nächster Einsatz der Auszubildenden in Begleitung des Regierenden Bürgermeisters

Es ist gut, wenn Menschen Wort halten! Der nächste Einsatz der Auszubildenden findet am 6. Dezember in der Bahnhofsmission statt. Dieses Mal in Begleitung unseres Regierenden Bürgermeisters. Netzwerke zu bilden hilft, weil es wichtig ist, dass obdachlose Menschen Freunde haben. Und hier schließen sich ja vielleicht sogar Kreisläufe?

„Bildung und Aufklärung, Gemeinschaftsprojekte, politische Teilhabe erzielen mehr gesellschaftliche Solidarität.“ Nicht nur wegen der aktuellen Kürzungen im Sozialbereich fragen sich viele, ob Berlin da auf einem guten Weg ist.

Aber auch Einrichtungen und ihre Mitarbeiter brauchen Beistand. Und eine Gesellschaft, ein Gemeinwesen eben, in der Menschen vom Sofa hochkommen, um selbst zu gestalten und anzupacken, Verantwortung übernehmen, ist mir zehnmal lieber als eine, in der nur gemeckert und genörgelt wird. Danke – Andreas.

E-Mail: Nachtgestalten@funkemedien.de

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