Das Jahr 2025 war in Treptow-Köpenick wieder einmal geprägt von Baustellen und Verkehrsproblemen. Wie in kaum einem anderen Bezirk bestimmen diese Themen das Leben der Bewohner. Beim großen Jahresrückblick fasst die Berliner Morgenpost noch mal ein paar bedeutende Ereignisse zusammen.
A100: Neuer Abschnitt der Stadtautobahn sorgt für Verkehrsüberlastung
Nach rund zwölf Jahren Bauzeit wurde am 27. August der 16. Bauabschnitt der Stadtautobahn A100 zwischen dem Dreieck Neukölln und der neuen Anschlussstelle Treptower Park eröffnet. Um das 3,2 Kilometer lange und mit Baukosten von 720 Millionen Euro teuerste je in Deutschland errichtete Autobahnstück als Erste befahren zu dürfen, warteten manche Motorrad- und Autofahrer in Alt-Treptow stundenlang.

Seit der Eröffnung, die von mehreren Protesten begleitet wurde, ist der Verkehr zwischen der Anschlussstelle Treptower Park und der Elsenbrücke, deren Neubau noch jahrelang dauern wird, immer wieder kollabiert. Gegenseitige Schuldzuweisungen für das entstandene Chaos bestimmten die Politik. Entlastung ist für Ende Januar 2026 angekündigt. Dann soll der westliche Teil der Brücke über die Spree fertig sein und jeweils ein weiterer Fahrstreifen in jede Richtung für den Verkehr zur Verfügung stehen.
Stromausfall: Brandanschlag in Johannisthal mit weitreichenden Folgen
60 Stunden – so lange dauerte im September dieses Jahres Berlins längster Stromausfall seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Ausgelöst durch einen Brandanschlag auf zwei Strommasten in Johannisthal wurde ein großes Gebiet komplett lahmgelegt. Öffentliche Verkehrsmittel konnten nicht mehr fahren, Restaurants mussten schließen, das Handynetz fiel aus. Betroffen waren rund 50.000 Kunden in den Ortsteilen Niederschöneweide, Köpenick, Grünau, Johannisthal, Adlershof, Bohnsdorf und Altglienicke.

In einem auf der linksextremen Internetseite „Indymedia“ veröffentlichten Text hieß es, der Anschlag habe sich gegen den Technologiepark Adlershof gerichtet. „Den technologischen Angriff sabotieren – dem militärisch-industriellen Komplex den Saft abdrehen“, wurde dort unter anderem geschrieben. Die Reparatur der durch den Brandanschlag entstandenen Schäden ist noch immer nicht abgeschlossen, sondern zieht sich noch bis ins Frühjahr 2026.
Wuhlheide-Brücke: Abriss in Rekordtempo nach festgestellter Einsturzgefahr
Obwohl bereits seit Jahren bekannt war, dass die Wuhlheide-Brücke marode ist, kam der Abriss im Mai überraschend. Nachdem bei Bauwerksprüfungen eine signifikante Zunahme und Erweiterung bereits bekannter Schäden festgestellt wurde, zog die Senatsverkehrsverwaltung sofort die Konsequenzen.

Zunächst wurde die Brücke, über die etwa 17.000 Autos am Tag fuhren, am 30. April gesperrt, wegen Einsturzgefahr dann auch noch am 19. Mai die unter der Brücke verlaufende Kreuzung Edisonstraße/Treskowallee/An der Wuhlheide. Lange Staus auf den Umfahrungsstrecken waren die Folge. Innerhalb weniger Tage wurde anschließend mit der Strabag AG ein Unternehmen gefunden und beauftragt, um das Bauwerk im Rekordtempo abzureißen. Noch immer wurde nicht kommuniziert, wie es in Zukunft mit der Kreuzung weitergehen wird. Die Rampen der Wuhlheide-Brücke stehen nach wie vor.
Altstadt Köpenick: Bauarbeiten der BVG, Panne bei Stromnetz, Wiedereröffnung Bürgeramt
Im Februar begann die BVG mit dem ersten Bauabschnitt ihres Langzeitprojekts in der Altstadt Köpenick. Seitdem werden in der Region alle Straßenbahngleise ausgetauscht, Haltestellen und Bürgersteige erneuert. Die Berliner Wasserbetriebe ersetzen zudem alte Leitungen. Die Bauarbeiten sind bereits gut vorangekommen, werden aber noch bis Sommer 2027 für Beeinträchtigungen sorgen.

Mittlerweile ist auch die Stromnetz Berlin GmbH vor Ort beschäftigt, um hier das Hochspannungsnetz für eine zukünftig bessere Stromversorgung auszubauen. Weil es dabei erst vor wenigen Wochen zu einer Panne kam, als eine sogenannte Spülbohrung unter der Dahme vorgenommen wurde, verzögern sich nun diese Arbeiten auf unbestimmte Zeit.
Grund zur Freude gab es in der Altstadt Köpenick allerdings auch. So wurde die Anfang 2022 begonnene Brandschutzsanierung des Rathauses endlich abgeschlossen. Am 17. Dezember eröffnete in den sanierten Räumen wieder das Bürgeramt. Weil zugleich der Interimsstandort an der Rudower Chaussee in Adlershof, wohin das Bürgeramt aufgrund der Sanierung umgezogen war, dauerhaft bleibt, verfügt Treptow-Köpenick jetzt über drei Bürgerämter.

S-Bahnhof Köpenick: Sperrung der Bahnhofstraße und Bauverzögerungen
Für große Einschränkungen sorgte von Mitte August bis Mitte November die Sperrung der Bahnhofstraße aufgrund der Bauarbeiten am S-Bahnhof Köpenick. Autofahrer mussten sich währenddessen wieder einmal andere Routen suchen, zum Beispiel durch die Hämmerlingstraße. Gastronomiebetriebe wie das griechische Restaurant „Hippokrates“ klagten über einen deutlichen Umsatzeinbruch.

Zu allem Überfluss kündigte die Deutsche Bahn im September an, dass sich der Ausbau des S-Bahnhofs Köpenick zum Regionalbahnhof um fünf Monate verspäten wird. Ab Dezember 2027 sollen dort, so der aktuelle Stand, die ersten Regionalzüge halten. Für Fahrgäste der S-Bahn-Linie S3 zusätzlich ärgerlich: Im August kam es auf der Baustelle am S-Bahnhof Hirschgarten, der komplett umgebaut wird, zu einer folgenschweren Panne. Weil die südliche Bahnsteigkante bei den Bauarbeiten beschädigt wurde, halten dort seit diesem Vorfall stadtauswärts keine Züge mehr. Diese Situation wird noch bis August 2026 andauern.

Spreepark: Rückkehr des runderneuerten Riesenrads
Schönere Nachrichten gab es da aus dem Spreepark in Plänterwald. Dort wurde im Oktober das in Polen restaurierte Riesenrad wieder aufgebaut. Es überraschte mit einer neuen Farbe, ist nun himmelblau statt rot. Bis Fahrgäste einsteigen dürfen, ist allerdings noch reichlich Geduld gefragt. Im Frühjahr 2027 soll es in Betrieb gehen. Dann ist auch die Wiedereröffnung des früheren DDR-Vergnügungsparks geplant.

Tesla: Geheime Firmenansiedlung gegenüber dem Kabelwerk Köpenick
Auch wenn der Elektroautohersteller Tesla ein Geheimnis darum macht, ist seit September bekannt, dass er sein lang angekündigtes Entwicklungszentrum in Köpenick ansiedelt. Gegenüber dem Kabelwerk, wo in den vergangenen Wochen die Abrissarbeiten deutlich vorangeschritten sind, lässt sich durch mobile Videoüberwachungstürme mit Tesla-Logo die Präsenz des Unternehmens nicht mehr verstecken.

In dem alten Draka-Werk an der Friedrichshagener Straße will sich Tesla unter anderem auf Materialforschung sowie die Fahrzeug- und Antriebsentwicklung fokussieren. Der exzentrische Tesla-Chef Elon Musk ist allerdings nicht bei allen gern gesehen. Schnell sprühte jemand „Elon Fuck Off“ (dt. „Elon verpiss dich“) an die Fassade neben dem Zufahrtstor. Wenige Tage später wurde diese Schmiererei wieder entfernt, vermutlich von Tesla-Mitarbeitern.
Marktplatz Adlershof: Wochenmarkt kehrt nach Sanierung zurück
Mit einer deutlichen Verzögerung wurde in diesem Jahr die Sanierung des Marktplatzes Adlershof an der Dörpfeldstraße abgeschlossen. Damit konnte, was viele Anwohner freute, im August erstmals nach mehr als drei Jahren Unterbrechung wieder ein Wochenmarkt auf der Fläche stattfinden. Das Urteil des alten und neuen Marktbetreibers Bernd Gellesch über den umgebauten Marktplatz fiel knapp, aber positiv aus. „Ich finde es toll“, sagte er.

Fleischerei Vogel in der Taut Passage: Anti-Nazi-Schild löst Riesenwirbel aus
Weil die Fleischerei Vogel im Einkaufszentrum Taut Passage am S-Bahnhof Grünau ein Schild mit der Aufschrift „Nazis müssen draußen bleiben!“ am Eingang platzierte, entstand Mitte Dezember in den sozialen Medien eine gewaltige Diskussion. Viele Tausend Kommentare – von Zustimmung bis Hetze – wurden innerhalb weniger Tage veröffentlicht.

Ausgelöst hatte dies ein Mann, der ein Foto von dem Schild bei Facebook hochlud. Er behauptete, er sei des Ladens verwiesen worden, nachdem er sich als AfD-Wähler zu erkennen gegeben hatte. Fleischereibetreiber Thomas Vogel und sein Sohn Florian sagten im Gespräch mit der Berliner Morgenpost, dass dies eine Lüge sei. Sie hätten noch nie einen AfD-Wähler aus ihrem Geschäft geworfen. Das Schild hatten sie aufgestellt, weil ein Mitarbeiter mit türkischen Wurzeln immer wieder rassistisch beleidigt wurde und deshalb kündigte.
Union Berlin: Frauen-Mannschaft steigt in die Bundesliga auf
Und zum Abschluss noch etwas Positives – aus sportlicher Sicht. Seit dieser Saison hat der Fußballverein 1. FC Union Berlin gleich zwei Erstliga-Teams. Im Mai feierte die Frauen-Mannschaft den Zweitliga-Titel und den Aufstieg in die höchste Spielklasse. Gemeinsam mit den Männern gab es anschließend auf dem Parkplatz vor dem Stadion An der Alten Försterei eine riesige Party mit den Fans, die sich daran sicherlich noch lange erinnern werden.

Cheftrainerin Ailien Poese wurde für diesen Erfolg bei den Berliner Sportlerwahlen 2025 im November zur Trainerin des Jahres gekürt. Aktuell steht das Team auf Platz neun und hat damit gute Chancen, am Ende der Saison den Klassenerhalt zu schaffen.



