Keiner wurde verschont. Ob Spielerin oder im Trainerteam, jeder auf dem Rasen der Alten Försterei bekam eine Bierdusche ab. Selbst nach Überreichung der Schale für die Zweitliga-Meisterschaft durch Saskia Bartusiak, Co-Trainerin der DFB-Frauen, wurde jede Spielerin von Union Berlin getauft. Sie tanzten ausgelassen, hüpften vor den Fans, die beim 6:0 (3:0) gegen den FSV Gütersloh mit 20.132 Zuschauern den nächsten Liga-Rekord aufstellten.
„Das ist alles sehr surreal. Das gilt es erst einmal zu verarbeiten“, sagte Lisa Heiseler, die Kapitänin von Union Berlin, die das Team in der kommenden Saison in der Bundesliga anführen wird. „Wir haben uns das erarbeitet, waren immer souverän und haben uns in der Saison ein gutes Selbstbewusstsein erspielt“, sagte Heiseler.
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Beim Sieg gegen den bereits als Absteiger feststehenden FSV feierten die Unionerinnen nicht nur die Meisterschaft in der Zweiten Liga, sondern auch Heiseler als Torschützenkönigin im Unterhaus. Die Kapitänin erzielte am Sonntag ihre Saisontreffer Nummer 20 bis 22 (19./Handelfmeter, 52., 67.). Außerdem trafen Dina Orschmann (17., 22.) und Sarah Abu Sabbah (90.). „Damit hätte ich auch nicht gerechnet, aber die Mannschaft hat es mir in der Rückrunde echt einfach gemacht“, strahlte Heiseler.
Trainerin Poese: „Das ist nicht in Worte zu fassen“
„Ich bin einfach mega stolz auf jeden einzelnen, dass wir so eine überragende Saison gespielt haben. Das ist ein einmaliges Gefühl, einfach unbeschreiblich. Die Fans haben uns auch heute wieder über den Platz getragen“, rang Mittelfeldspielerin Athanasia Moraitou nach Worten, „und man merkt jedes Mal, dass immer mehr Fans kommen. Jetzt freue ich mich auf die Spiele in der Bundesliga.“
„Ich bin einfach sprachlos. Das ist nicht in Worte zu fassen“, sagte auch Cheftrainerin Ailien Poese, „das ist eine Wahnsinnsleistung von allen Beteiligten, auch von den Fans. Ich glaube, wir werden noch eine sehr lange Nacht haben. Klar haben wir gesagt, unser langfristiges Ziel ist die Bundesliga, aber dass das dann in den drei Jahren auch so klappt ...“. Selten hat man Unions Cheftrainerin derart nach Worten ringen hören.

Als es nach der Siegerehrung auf den Balkon der Haupttribüne ging, standen die Profi-Männer Spalier und applaudierten. Gut 5000 Fans hatten sich nach dem Spiel auf dem Parkplatz vor dem Stadion eingefunden, um beide Teams gebührend zu feiern. Eine solche Party hat es bei Union noch nicht gegeben. „Ich bin einfach nur glücklich“, freute sich auch Klubchef Dirk Zingler, dass die Köpenicker in der kommenden Saison mit zwei Bundesligisten vertreten sein werden.
Querfeld gewinnt Tor des Monats für Union Berlin
Neben den Aufsteigerinnen wurden auch die Bundesliga-Männer der Köpenicker für ihren Klassenerhalt gefeiert. Sie hatten ihre Saison mit dem ersten Auswärtssieg überhaupt beim FC Augsburg (2:1) am Sonnabend beendet. Und auch die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart hatte einen weiteren Grund zum Jubeln. Leopold Querfeld erzielte das Tor des Monats April. Sein Hammer zum 3:2 gegen den VfB Stuttgart (4:4) erhielt bei der Wahl der ARD-„Sportschau“ 31,12 Prozent aller abgegebenen Stimmen.
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Natürlich feierten die Fans auch noch einmal Christopher Trimmel, der seinen Vertrag erst kürzlich verlängert hatte und damit in sein zwölftes Union-Jahr gehen wird. Dass die Männermannschaft mit Trainer Steffen Baumgart am Ende den Ligaverbleib doch relativ sicher geschafft hatte, lag laut des Kapitäns vor allem daran, „dass wir sehr frühzeitig den Abstiegskampf ausgerufen hatten“.
Doch auch der Österreicher wusste, wer an diesem Sonntag vor allem im Vordergrund stehen sollte. Also sagte Trimmel: „Wir sind ja nicht hier, um uns feiern zu lassen, sondern um mitzufeiern.“ Der Großteil der Mannschaft um Coach Baumgart hatte das Spiel der Frauen gegen Gütersloh von der Tribüne aus mitverfolgt.
Union Berlin setzt neue Impulse im Frauen-Team
Bei den Union-Frauen ist schon jetzt klar: Das Gesicht des Teams wird sich verändern, und das nicht zu knapp. Mit Sarah Abu Sabbah, Charleen Niesler, Zita Rurack, Sophie Trojahn, Anouk Blaschka, Ginger Schulz, Latoya Bach, Eleni Markou, Marie Becker, Maria Cristina Lange und Pia Metzker werden gleich elf Spielerinnen den Verein verlassen. Alle wurden vor der Partie am Sonntag gebührend und mit großem Applaus verabschiedet.

Ein bemerkenswerter Aderlass, den man bei Union offensichtlich als notwendig erachtet. In Köpenick will man einen Kader aufstellen, der in der kommenden Bundesliga-Saison nicht nur irgendwie um den Klassenerhalt spielt, sondern auch wirklich mithalten kann.
„Wenn verdiente Spielerinnen den Verein verlassen, ist das natürlich nie leicht“, erklärte Jennifer Zietz, Unions Geschäftsführerin Profifußball Frauen: „Unsere Entwicklung in den letzten zwei Jahren war sehr rasant, und wir wollen auch in der kommenden Bundesliga-Saison bestmögliche Ergebnisse erzielen. Aus diesem Grund ist es notwendig, unseren Kader weiter zu verstärken und neue Impulse zu setzen.“
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Zum Grundgerüst zählen wird dabei Flügelspielerin Naika Reissner, die ihren Vertrag bei Union ebenso gerade erst verlängert hat wie Mittelfeldspielerin Celine Frank. Kapitänin Lisa Heiseler, Dina und Katja Orschmann, Anna Weiß sowie Torhüterin Melanie Wagner sind ebenfalls mit neuen Verträgen ausgestattet. Und mit Stürmerin Eileen Campbell (SC Freiburg) ist auch schon der erste Zugang bei Union Berlin sicher.





