Plötzlich ging es doch schneller als gedacht: Die marode Brücke an der Wuhlheide in Oberschöneweide kann schneller pulverisiert werden, als Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) vorhergesagt hatte. Am Freitagvormittag rollten bereits die ersten Bagger. Arbeiter legten Planen auf der Straße aus. Lastwagen lieferten Sand, den Bagger auf der Folie schütteten, um die Fahrbahn vor den herunterfallenden Trümmerteilen zu behüten. Am Mittag waren bis zu sieben Bagger im Einsatz, die den Sand großflächig verteilten. LKW stauten sich zeitweise in der gesperrten Treskowallee bis nach Lichtenberg, um Nachschub zu liefern.

Schweres Gerät, Container und Holzpaletten wurden angeliefert. Arbeiter legten die Holzpaletten über die Gleise der Straßenbahn. Darüber ebenfalls Folie und eine Sandschicht. Wie ein Sprecher der Senatsverwaltung auf Anfrage der Berliner Morgenpost mitteilte, sei dieses sogenannte Fallbett notwendig, um „die bestehenden Verkehrsflächen, insbesondere die Gleisanlagen der Straßenbahn zu schützen“. Das Gebiet blieb weiträumig abgesperrt, die Zufahrt zum Parkplatz des angrenzenden Supermarkts zunächst offen.

Nach Fertigstellung des Fallbetts können nach Angaben des Sprechers bereits die ersten Demontage- und Rückbauarbeiten gestartet werden. Für den eigentlichen Rückbau kämen dann mehrerer Hydraulikbagger und unter anderem Stemmhammer, Abbruchzange, Pulverisierer und Schrottzange zum Einsatz. Dabei sollen zunächst die drei mittleren Felder von beiden Seiten schrittweise zurückgebaut werden.

Abriss der Brücke an der Wuhlheide
Der Abriss der Brücke an der Wuhlheide wird vorbereitet: Arbeiter legten Holzplatten und Sand über die Straßenbahngleise, um diese zu schützen.© BM | Leonard Laurig

Ursprünglich war Verkehrssenatorin Bonde davon ausgegangen, dass „Samstag, spätestens Montag“ ein Unternehmen für den Rückbau gefunden werden könne. Nun konnte mit der Strabag AG bereits früher als geplant eine Firma beauftragt werden. Bis Ende Juni sollen dann nach Angaben des Senatssprechers alle Rückbauarbeiten abgeschlossen sein.

Mit der Freigabe der Straßenbahntrasse und der Wiederherstellung der Fuß- und Radwegbeziehungen könne jedoch schon frühzeitiger zu rechnen sein, voraussichtlich schon bis zum 1. Juni. Voraussetzung dafür sei, dass die Arbeiten Tag und Nacht stattfinden und auch eine lärmintensive Nachtarbeit zugelassen werden könne. Dazu würden zurzeit mit Hochdruck die notwendigen Abstimmungen fortgesetzt, um die Anwohnerinnen und Anwohner schnellstmöglich zu informieren.

Anwohner zeigten sich am Freitag erleichtert über das schnelle Voranschreiten der Abrisspläne. „Mir ist es lieber, dass jetzt auch mal nachts abgerissen wird, als dass die Sperrung noch länger dauert“, erklärte Manuela Graf der Morgenpost, während sie von ihrem Fenster das Treiben aus der Ferne beobachtete. Den kurzzeitigen Lärm nehme sie dafür in Kauf. „Hauptsache, das Verkehrschaos hört bald auf“, sagte sie in Hinblick auf die gesperrte Brücke.

Auch ein Mann, der gerade mit seinem Enkel spazieren ging, hofft auf einen schnellen Abriss. „Wichtig ist, dass die Straßenbahnen jetzt so schnell wie möglich wieder fahren können“, sagte er. Auch der tägliche Stau in den umliegenden Straßen sei eine Belastung für die Nachbarschaft.

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Sperrung sorgt für massive Verkehrsbehinderungen

Seit Montag ist die Brücke an der Wuhlheide an der Ecke zur Treskowallee komplett gesperrt. Das gilt auch für den Verkehr unter dem 245 Meter langen Bauwerk, Straßenbahn, Radfahrer und Fußgänger eingeschlossen. Für den Verkehr auf der Brücke galt schon seit Ende April eine Sperrung. Bei regelmäßigen Prüfungen wurden laut Verkehrsverwaltung zunehmend Risse auf der gesamten Brückenlänge festgestellt.

Folge der Vollsperrung sind erhebliche Verkehrsbehinderungen auf Straße und Schiene. Mehrere Tramlinien sind unterbrochen. Auf der westlichen Seite der Brücke verkehren Straßenbahnen bis auf Weiteres im Zuge eines Inselverkehrs, also ohne Verbindung zum übrigen Tramnetz. 

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Bonde zufolge wurden dazu mehr Züge als unmittelbar nötig auf die Köpenicker Seite transportiert. So solle der Tramverkehr bis zum Ende der Bauarbeiten sichergestellt werden, obwohl es dort keine Werkstatt für die Bahnen gebe. 

Ob nach dem Abriss der Brücke ein Ersatzneubau entstehen soll, ist noch unklar. Aus Sicht der Verkehrsverwaltung geht die Tendenz eher dahin, nach einem Brücken-Abriss die Kreuzung an der Stelle umzubauen, statt eine neue Brücke zu errichten. Momentan überbrückt das Bauwerk lediglich die Kreuzung an der Ecke zur Treskowallee.

Brückenneubau oder nicht? Das sagen Nachbarn

Anwohner zeigten sich am Freitag offen für ein neues Verkehrskonzept. „Wenn man den Verkehr gut organisiert, ist die Brücke aus meiner Sicht nicht mehr nötig“, sagte Manuela Graf. Ein anderer Anwohner sah das anders. „Ich bin für einen Ersatzneubau“, erklärte Ralph Goldbach. „Der Verkehr funktioniert mit der Brücke viel flüssiger.“ Seit der Sperrung habe sich gezeigt, welche Auswirkungen das für den Verkehr hat. Dadurch käme es zu langen Staus und Wartezeiten.

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Die aus DDR-Zeiten stammende Brücke vereint nach den Worten von Bonde gleich drei negative Faktoren, die heutzutage Probleme verursachen. Sie besteht aus sogenanntem Hennigsdorfer Spannstahl, hat sogenannte Koppelfugen und zeigt Alkali-Kieselsäure-Reaktionen, also Betonkrebs.