Vom Wasserwerk Riemeisterfenn in der Nähe der Krummen Lanke ist nur noch eine Ruine übrig. Der Nachkriegsbau hatte mit einem Horizontalfilterbrunnen jahrzehntelang das umliegende Villenviertel in Zehlendorf mit Wasser versorgt, bevor das Werk 1995 stillgelegt wurde. 2018 besiegelte ein Großbrand das Schicksal des ikonischen reetgedeckten 50er-Jahre-Gebäudes, das zuvor Anziehungspunkt für Jäger verlorener Orte geworden war. Die wichtigsten Infos zu dem Lost Place.
Das sind die Fakten zum Wasserwerk Riemeisterfenn:
- Adresse: Onkel-Tom-Straße 200, 14169 Berlin-Zehlendorf
- Geschichte: 1957 durch die Berliner Wasserwerke errichtet, 1995 stillgelegt. Von 2007 bis 2012 gastronomisch zwischengenutzt, 2018 brannte das Reetdach des Gebäudes ab
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Aktueller Lost Place. Das Wasserwerk soll abgerissen werden
Wo liegt das Wasserwerk Riemeisterfenn genau?
Das Wasserwerk Riemeisterfenn liegt an der Onkel-Tom-Straße 200 im Ortsteil Zehlendorf des Bezirks Steglitz-Zehlendorf nördlich der Krummen Lanke im Wandergebiet Riemeisterfenn. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Werk am besten vom U-Bahnhof Onkel Toms Hütte (U3) zu erreichen. Vom Bahnhof benötigt man etwa neunzehn Minuten zu Fuß entlang der Onkel Tom Straße. Am Quermatenweg biegt man links Richtung Badestelle Krumme Lanke ein, von wo aus es noch etwa 100 Meter in nördlicher Richtung bis zum ehemaligen Wasserwerk sind. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Wasserwerks Riemeisterfenn:
Ausgangslage: Fließendes Wasser für die Hauptstadt

Als letzte europäische Großstadt begann Berlin 1852 eine zentrale Wasserversorgung aufzubauen, nachdem das Brunnenwasser, mit dem sich die Bevölkerung zuvor versorgt hatte, häufig mit Cholera-Erregern verunreinigt war. 1853 wurde der Grundstein für das erste Berliner Wasserwerk vor dem Stralauer Tor gelegt. Damit war der Anfang gemacht für eine rasante Entwicklung.
Niemand wollte mehr auf Leitungswasser verzichten: Wasserwerke schossen in der Hauptstadt und ihrer Umgebung aus dem Boden und versorgten die Berliner fortan mit kühlem Nass. Mit der Bildung Groß-Berlins 1920 stand eine Neuorganisation an, die zur Gründung der Berliner Städtischen Wasserwerke AG führte – dem Vorgänger der 1945 gegründeten Berliner Wasserbetriebe (BWB). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versorgten eine Reihe von größeren und kleineren Wasserwerken einzelne Stadtteile und Kieze der geteilten Stadt. Darunter auch das Mitte der 1950er-Jahre errichtete BWB-Wasserwerk Riemeisterfenn in Zehlendorf.
Wasserwerk Riemeisterfenn: Lokale Versorgung im Naturschutzgebiet

Im Jahr 1957 bauten die Wasserwerke am Südwestende des gleichnamigen Naturschutzgebietes das Wasserwerk Riemeisterfenn, dessen technische Anlagen zum Schutz der Landschaft mit hohem Kostenaufwand unter die Erde gelegt wurden. Zuvor hatte das US-Militär die Dünen der damals noch kahlen Hügelkette für Manöverübungen genutzt, bevor sie ihr Übungsgelände weiter in Richtung Onkel-Tom-Straße verlegten.
Wasserwerk Riemeisterfenn: So war die Anlage aufgebaut
Das Gebäude des Wasserwerks war mit einem riesigen und tief nach unten gezogenen Reetdach versehen, womit es sich in seiner Erscheinung gut der umgebenden Landschaft anpasste und eher den Eindruck eines stattlichen Landhauses als eines technischen Bauwerkes machte.
Mit Hilfe eines Horizontalfilterbrunnens wurde das Wasser aus dem See Riemeisterfenn gepumpt und speiste gemeinsam mit dem Wasserwerk Beelitzhof, von dem aus es seit 1984 überwacht und gesteuert wurde, die Leitungssysteme der Umgebung in Grunewald und Zehlendorf. Die tägliche Förderungskapazität des 28 Meter tiefen Brunnens mit dreizehn Filtersträngen und zwei Tauchpumpen lag bei 20.400 Kubikmeter Wasser. Damit trug das vergleichsweise kleine Werk zuletzt rund 2,3 Prozent zur Gesamtleistung aller Berliner Wasserwerke bei und diente hauptsächlich der Versorgung der Villenviertel in der näheren Umgebung.
Wasserwerk Riemeisterfenn: Stilllegung in den 1990er-Jahren
1995 wurde das Wasserwerk bedarfsbedingt stillgelegt, weil die Wassernutzung der Berliner zurückgegangen war. Es blieb aber vorerst in einem Zustand erhalten, in dem es notfalls betriebsbereit war. Seit 2007 erfuhr das Haus mit dem Reetdach erneut Publikumsverkehr: Als gastronomischer Geheimtipp. Das Lokal "Waldhaus Ostermann" des Tresor-Erfinders Dimitri Hegemann zog in den umgebauten Seminarraum des Wasserwerks ein. Im Inneren blieb die Architektur der 1950er-Jahre erhalten.
Sechs Jahre lang war die Gastronomie täglich geöffnet. Auf der Südterrasse und in den Gasträumen konnten die Gäste inmitten der idyllischen Lage des Naturschutzparks saisonale Spezialitäten in Bioqualität genießen. 2009 zog außerdem das "Beumer & Lutum Waldcafé" mit in die Lokalität ein. 2011 versuchte ein Lichtkünstler, einen Kunstraum zu installieren, scheiterte aber an den Auflagen des Senats, die das Naturschutzgebiet vor weiteren Um- und Ausbauarbeiten sowie zu viel Publikumsverkehr bewahren wollten. 2012 musste die Gastronomie schließen und das Wasserwerk Riemeisterfenn stand wieder leer – dieses Mal endgültig.
Wasserwerk Riemeisterfenn: Das Werk wird zum Lost Place

Seit dem Leerstand verwandelte sich alte Wasserwerk schnell in eine moderne Ruine: Überall waren die Spuren von Verfall und Vandalismus sichtbar. Wildwuchernde Pflanzen und Büsche eroberten die Flächen rund um das Haus zurück, das Reetdach war mit einer Schicht Moos begrünt, an der gefliesten Fassade verewigten sich großflächig Graffiti-Künstler und durch die Metallträger fraß sich der Rost.
Das alte Werk im Wald wurde zu einem beliebten Ausflugsziel für Jäger verlorener Orte und zu einer abseitigen Party-Location. Leider mehrten sich damit auch die Vorfälle von Vandalismus und Sachbeschädigung, Scheiben und Inneneinrichtung wurde eingeschlagen, Wasser drang in das Gebäude, Dreck und Müll sammelte sich am Boden.
Wasserwerk Riemeisterfenn: Brand besiegelt das Schicksal des Bauwerks

In der Nacht zum 8. November 2018 brannte das Gebäude komplett aus, das Reetdach fackelte lichterloh ab und konnte auch von den rund 50 Einsatzkräften der herbeieilenden Feuerwehr nicht mehr gerettet werden, die vor Ort entschieden, dass Gebäude kontrolliert abbrennen zu lassen und lediglich den Baumbestand ringsum zu sichern.
Zurück blieb eine schwer beschädigte Gebäuderuine: An vielen Stellen war die Verkleidung der Fassade Opfer der Flammen geworden und die Holzrahmen der Türen und Fenster waren vollständig niedergebrannt. Auch das Innere des alten Wasserwerks hatte stark gelitten, schwarzer Ruß bedeckte die Wände und die Bauruine war akut einsturzgefährdet. Zur Brandursache ermittelte die Kriminalpolizei, da Brandstiftung vermutet wurde.
Das Gelände wurde durch eine Umzäunung gesichert, was aber nicht verhinderte, dass ungebetene Gäste die Bauruine weiterhin besuchten. Schließlich wurde das Gebäude versiegelt, indem die Zugänge, Türen und Fenster, vermauert wurden.
Wasserwerk Riemeisterfenn: Abrisspläne ziehen sich hin

Die Berliner Wasserbetriebe planten nach dem Großbrand 2018 den Abriss des Gebäudes. Nur der unterirdische Horizontalfilterbrunnen sollte wieder in Betrieb gehen und an das Wasserwerk Beelitzhof angeschlossen werden. Dazu mussten die unterirdischen Rohrleitungen vom Wasserwerk getrennt und in anderer Position erneut verlegt werden, was bis 2021 erledigt werden konnte.
Doch die Pläne zum Abriss der Gebäuderuine zogen sich danach im behördlichen Genehmigungsverfahren hin, da sich der Gebäudekomplex mitten in einem europäischen Natur- und Landschaftsschutzgebiet befindet, welches speziellen Richtlinien zum Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensräumen unterliegt.
Bei den Abrissarbeiten soll um das Gebäude mit schwerer Bohrtechnik eine Spundwandbaugrube errichtet werden, das Grundwasser abgesenkt und die Waldwege für die nötigen Sattelschlepper hergerichtet werden. Sobald die Pläne vom Senat abgesegnet sind, wollen die Berliner Wasserbetriebe mit der Ausschreibung zum Abriss beginnen.
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