Verkehr in Berlin

"Vollpfosten-Radweg" in Lichterfelde sorgt für Streit

Der neue Radweg am Dahlemer Weg wurde mit Pollern gesichert. Er ist ein Modellprojekt. Anwohner kritisieren den unnötigen Aufwand.

Gut gesichert mit Pollern: Der Radweg auf dem Dahlemer Weg in Lichterfelde.

Gut gesichert mit Pollern: Der Radweg auf dem Dahlemer Weg in Lichterfelde.

Foto: Katrin Lange

Berlin. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf wird die Debatten über seine Radwege nicht mehr los. Seit dem Zickzack-Radweg in der Leo-Baeck-Straße in Zehlendorf wird jeder neue oder umgebaute Radweg analysiert und diskutiert. So auch die neue Radspur im Dahlemer Weg in Lichterfelde. Die einen nennen ihn „einen großen Gewinn“, die anderen „Vollpfosten-Radweg“ – in Anspielung auf die Poller, die ihn von der Fahrspur für Autos trennen. Nur in einem Punkt sind sich offenbar alle einig: Die ursprüngliche Variante, als der Radweg vom Gehweg auf die Fahrbahn zwischen Park- und Fahrspur gelegt wurde, war untragbar – viel zu gefährlich und viel zu eng.

Nach vielen Protesten hatte das Bezirksamt die Arbeiten für diese Variante schnell eingestellt und eine neue erarbeitet. Der Dahlemer Weg wurde schließlich sogar ein Modellprojekt und bekam Poller. Seit kurzem ist er fertig, und die Debatte geht weiter.

„Da stehen weit über 500 Kunststoff-Pfosten dicht an dicht, im Abstand von nur anderthalb Metern, sozusagen ein Vollpfosten-Radweg“, sagt Friedrich F. Zuther aus Lichterfelde. Die alten Radwege auf dem Gehweg seien noch gut zu erkennen, die hätten eigentlich für die gefühlten 100 Radfahrer am Tag ausgereicht. „Weil jetzt rechts und links Halteverbot gilt, können die Autofahrer weit vorausschauen und erkennen, dass hier keine Radarkontrolle möglich ist – viele drücken ordentlich auf die Tube“, so der Anwohner. Weil besonders flotte Autofahrer sich auf der Gipfelhöhe auf der Brücke schmerzhaft begegnet wären, hätte es dort früher eine durchgezogene weiße Mittellinie gegeben. Die habe man jetzt weggelassen. „Mal sehen, wann die Mittellinie ergänzt wird - erst nach Unfällen“, fragt Zuther.

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Nein, dies ist kein analoges Tetris-Spiel von Schülern. Dies ist ein Fahrradweg auf der der Leo-Baeck-Straße in Steglitz-Zehlendorf.
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Grüner Fraktionsvorsitzender: "Ein großer Gewinn an Sicherheit"

Bernd Steinhoff, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Steglitz-Zehlendorf, verteidigt den neuen Radweg. „Der erste geschützte Radstreifen im Bezirk bringt einen großen Gewinn an Sicherheit“, sagt der verkehrspolitische Sprecher. Der alte Radweg auf dem Gehweg sei zu schmal gewesen und mit den erhöhten Kantensteinen zu gefährlich. Die Kunststoffpoller dienten der Sicherheit der Radler, sie seien biegsam und richteten sich nach dem Überfahren wieder auf. Damit gebe es zugleich auch kein Verletzungsrisiko. „Ein weiterer Vorteil der neuen Radführung auf der Straße ist, dass der Engpass durch den nur etwa einen Meter breiten, alten Radweg entfällt“, sagt Steinhoff. Dieser hätte nicht an Ort und Stelle verbreitert werden können, ohne einen Konflikt von Radfahrenden und Fußgängern heraufzubeschwören oder eine erhebliche Menge von Bäumen abzuholzen.

Doch warum können die alten Radwege nicht auf den sicheren Gehwegen bleiben und nur saniert werden? Diese Frage taucht in den Debatten immer wieder auf. Die Antwort kommt aus der Senatsverwaltung für Verkehr. Im Sommer 2018 ist das neue Mobilitätsgesetz in Kraft getreten. „Danach sollen gemeinsame Geh- und Radwege sowie für den Radverkehr freigegebene Gehwege möglichst vermieden werden“, heißt es aus der Senatsverkehrsverwaltung. Für den Radverkehr seien vom Kfz- und Fußverkehr getrennte Radverkehrsanlagen vorzusehen.

Aus diesem Grund wurde auch der Radweg in der Königstraße in Wannsee vom Gehweg auf die Straße verlegt. Auch darüber schütteln viele Steglitz-Zehlendorfer den Kopf. Von einem „unüberlegten Handeln“ spricht zum Beispiel Friedrich Mehl. Er kennt die Strecke gut, weil er oft nach Potsdam unterwegs ist, und ärgert sich nicht nur über den Wegfall der Parkplätze. Ihn stört vor allem, dass der Radweg von der Fahrbahn mit einer durchgehenden Linie getrennt ist. Das bedeute für die Autofahrer, dass sie die Linie auch nicht überfahren dürften, um am Rand zu halten, so Friedrich Mehl.

Als „vollkommen überflüssigen Radstreifen“ hat auch Rainer Quast den neuen Weg für Radfahrer bezeichnet. Am Waldrand wären so gut wie keine Fußgänger unterwegs, so dass die Radfahrer den Weg für sich allein gehabt hätten. Er kritisiert ebenfalls die durchgezogenen Linie. „Ausflügler, die in den Park oder in den Wald wollen, können dort nicht mehr am Straßenrand parken“, so Quast.

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